Viel los beim Volksfest

Neuenrade feiert 658. Gertrüdchen

NEUENRADE -  „Auf dem Wall ist für Kurzweil und Kirmes gesorgt. Schnaps und Bier werden in Maßen angeboten.“ Traditionell verlas Stadtsoldat Bernd Uerpmann die Marktregeln, ehe Horst-Werner Kruse mit dreifachen Peitschenknall den 658. Gertrudenmarkt eröffnete.

Gut 200 Marktbesucher ließen sich das Schauspiel auf dem Balkon des Rathauses nicht entgehen und genossen die morgendlichen Sonnenstrahlen, die die anfängliche Kälte schnell vertrieb.

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Die kleine Verspätung – es war bereits einige Minuten nach 10 Uhr – war verziehen, denn Bürgermeister Klaus Peter Sasse und sein „Archivarius honoris causa“ Dr. Rolf Dieter Kohl hatten Erstaunliches entdeckt und das musste zuvor den Gästen im Kleinen Ratssaal präsentiert werden. Ernst von Bandel – wie zumindest jeder Detmolder weiß, ist er der Erbauer des Hermanndenkmals – hatte für sein Monument zwischenzeitlich einen anderen Standort ausgesucht. Und dieser Standort war der Kohlberg in, wie sollte es anders sein, Neuenrade.

Denn Bandel hatte, was beinahe in Vergessenheit geraten war und nur durch die akribische Archivarbeit von Dr. Kohl wieder zu Tage getreten ist, 1827 die Neuenradererin Karoline aus der Familie der „von Kohlhagens“, geheiratet. „Und diese Honoratiorenfamilie“, so der Bürgermeister, „zeichnete unter anderen eines aus: heute würde man sagen, sie waren steinreich!“ Als Bandel am Statuenbau in Detmold verzweifelte, besuchte er seine reiche Verwandschaft in Neuenrade. Zusammen mit einem gewissen Carl Friedrich Quitmann schmiedete er dort neue Pläne. Einige gefundene römische Münzen später, stand der Entschluss fest: Das Hermannsdenkmal wird nicht in Detmold weitergebaut, es soll in Neuenrade stehen.

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Die Finanzierung – kein Problem, denn Familie von Kohlhagen ließ sich nicht lange bitten: „Machs!“, zitiert Bürgermeister Sasse die Reaktion der Kohlhagens. Doch der Kaiser legt sein Veto ein, das Denkmal muss in Detmold fertig gestellt werden. Ein Schock für Neuenrade. Aber Quitmann gibt nicht auf, an Stelle des Hermanndenkmals errichtet er einen Turm, der so hoch ist, dass derjenige „der gute Augen hat und bei gutem Wetter nach Nordosten blickt die Spitze von Hermanns Schwert erkennen kann“, verspricht der Bürgermeister. Für die eindrucksvollen Recherchen von „Archivarius“ Dr. Kohl und Bürgermeister Klaus Peter Sasse gab es anhaltenden und verdienten Applaus.

Die gut 200 morgendlichen Gertrudenbesucher vor dem Balkon nahmen die kleine Verspätung wirklich nicht übel. Zu groß war die Vorfreude auf das Fest. Zumal Musikverein und MGV Liedertafel mit dem ein oder anderen Ständchen die Wartezeit überbrückten. Strahlender Sonnenschein und ein großes Angebot an Fahrgeschäften und Ausstellern lockten imweiteren Verlaufe des Tages mehr und mehr Besucher auf den Gertrudenmarkt. X-Factor und Power Dancer liefen auf Hochtouren, durch die engen Gassen zwischen den Verkaufs- und Ausstellungsständen drängten sich tausende Gäste.

Während vor der Eispezialitäten-Bude wenig los fahr, erfreuten sich wärmende Getränke und Speisen großer Beliebtheit. Besonders der traditionelle Buba-Bitter ging gut über die Ladentheken. Ebenso gut verkauften sich heißer Punsch und Glühwein.

Wem es trotzdem noch zu kalt war, der konnte sich unter den zahlreichen Heizpilzen oder in den Zelten der Gertrudengasse oder der Pfadfinder aufwärmen. Bereits um 15 Uhr war letzteres gut gefüllt, die „Landeyes“ gaben eine Zugabe ihres gleichnamigen Theaterstückes, diesmal in etwas kürzerer Form und ohne musikalische Unterstützung. Den Zuschauern gefiel es, sie lachten und applaudierten den 15 Jungen und Mädchen im Alter zwischen elf und 16 Jahren.

Auch die Partnerstädte Klingenthal und Dinxperlo waren wieder auf dem diesjährigen Gertrüdchenmarkt vertreten. Han Reuterink, einer der niederländischen Abgesandten blickt selbst schon auf eine langjährige Gertrüdchentradition zurück. Seit 53 Jahren ist er jedes Jahr erneut zu Besuch in Neuenrade. Wie die niederländischen Gäste hatten auch die Klingenthaler Spezialitäten aus ihrer Heimat mitgebracht, da durftedie Thüringer Rostbratwurst nicht fehlen, die erneut bei den Neuenradern reißenden Absatz fanden. Eine Videopräsentation im „Kittchen“ des Rathauses rundete die Präsentation der Gäste aus dem Vogtland ab.

Bis in die Abendstunden schlenderten Besucher über den wiedereinmal sehr erfolgreichen Gertrudenmarkt. Danach lockten Pfadi-Zelt und Gertrudengasse die Feierwilligen.

Von Sebastian Berndt

Rubriklistenbild: © Berndt

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