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Gegen das „Pampa-Klischee“: Fachkräfte locken und auch halten

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Von: Michael Koll

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In der Aula der Realschule wollten Vertreter der Südwestfalen-Agentur und der Stadt Werdohl mit heimischen Arbeitgebern ins Gespräch kommen. Die Frage: Wie können Fachkräfte in die Region geholt und auch gehalten werden?
In der Aula der Realschule wollten Vertreter der Südwestfalen-Agentur und der Stadt Werdohl mit heimischen Arbeitgebern ins Gespräch kommen. Die Frage: Wie können Fachkräfte in die Region geholt und auch gehalten werden? © Maximilian Birke

„Wie können wir Fachkräfte hierher bekommen und sie auch hier halten?“, fragte Saskia Haardt-Cerff von der Agentur Südwestfalen.

Werdohl – Ihr Kollege Christopher Schwermer betonte, „dass es dabei nicht nur um Neubürger aus dem Aus- und Inland geht, sondern auch um diejenigen, die in die Region zurückkehren“. Er selbst und auch Haardt-Cerff seien beide selbst Beispiele dafür, dass junge Menschen nach Ausbildung und Studium durchaus den Weg zurück in die Heimat wählen könnten.

Gemeinsam mit Politik, Verwaltung und Vertretern von Werdohler Unternehmen nutzten die zwei am Mittwochnachmittag eine Auftaktveranstaltung, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Andreas Haubrichs – im Rathaus tätig in der Abteilung Bauen und Immobilienmanagement – erklärte, „dass wir ja seit Jahren nicht mehr die Möglichkeit hatten, in Präsenz miteinander zu reden“.

Er unterstrich die Bedeutung eines solchen Zusammentreffens, „da es mittlerweile in vielen Firmen ja ganz neue Gesichter gibt“.

Gemeinsam stärker

Sein Kollege Michael Tauscher – Abteilung Soziales – fügte hinzu, „dass wir gemeinsam ja viel mehr erreichen können, als wenn jeder für sich etwas tut“.

Haardt-Cerff von der Agentur Südwestfalen erklärte, „dass es uns um ein gemeinsames Regionalmarketing geht“. Bekannt sei die Internetseite suedwestfalen.com und auch die LKW-Werbung für den 59 Kommunen umfassenden Landstrich, in welchem 150 Weltmarktführer beheimatet seien, „aber nun wollen wir die Firmen vor Ort auch in unsere Bemühungen mit einbeziehen“.

Pflege und Medizin

Sie unterstrich, dass es nicht nur darum gehe, Fachkräfte anzuwerben oder auszubilden, sondern diese eben auch dazu zu bringen, vor Ort zu bleiben – nicht nur, aber besonders auch in Berufsfeldern aus den Bereichen Pflege und Medizin. Deshalb werde in den sozialen Medien derzeit verstärkt für Südwestfalen geworben.

„Federführend ist dabei der Verein Wirtschaft in Südwestfalen“, sagte Schwermer, „dem mittlerweile bereits mehr als 400 Unternehmen angehören.“

Verwaltungsmitarbeiter Haubrichs betonte: „Für diese Auftaktveranstaltung haben wir bewusst keine inhaltlichen Vorgaben gemacht, es geht vielmehr um ein lockeres Kennenlernen.“ Auf Stellwänden waren jedoch Fragestellungen formuliert, die Eckpunkte für Gespräche geben konnten: Wie können die Mitarbeiter heimischer Firmen Werdohl besser kennenlernen – in der Mittagspause und auch nach Feierabend?

Wie hoch ist die Quote der Mitarbeiter, die tatsächlich auch vor Ort lebt? Wo gibt es Synergieeffekte, wenn Unternehmen vor Ort beim Marketing und bei der Mitarbeitergewinnung zusammenarbeiten? Welche Verbesserungsmöglichkeiten gibt es für den Öffentlichen Personennahverkehr in der Region? Ein Film der Agentur Südwestfalen fügte noch eine Frage hinzu: „Wie lässt es sich gegen das Pampa-Klischee angehen?“

Brücken-Sperrung

Bürgermeister Andreas Späinghaus (SPD) sagte in seiner Begrüßungsrede, „dass wir derzeit rund 200 Flüchtlinge aus der Ukraine in Werdohl beherbergen“.

Durch den kommenden Wintereinbruch könnte diese Zahl allerdings sprunghaft ansteigen. Während die Kriegsflüchtlinge zumeist wieder zurück in ihre Heimat wollten, gehe es aber darum, Fachkräfte an die Stadt zu binden – und das sei bei Arbeitnehmern, die etwa in Dortmund wohnten, derzeit schwierig, angesichts der stillgelegten Rahmedetal-Brücke.

Neben der Agentur Südwestfalen, dem Bürgermeister, der SIHK sowie Haubrichs und Tauscher von der Werdohler Verwaltung nahmen folgende Unternehmen an der Veranstaltung teil: MC Dienstleistungen, Mescherde & Co., Nodes Pumpen- und Filtertechnik, Schaeffler Engineering GmbH, VDM Metals, Voltaik Energie, Vossloh sowie Heinz Weinbrenner Tiefbau.

Im kommenden Jahr soll es Folgeveranstaltungen geben, bei denen all diese Akteure ihre Gespräche miteinander intensivieren können.

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