In Gedanken bei den Freunden in den USA: Junge Affelnerin lebte ein Jahr in Dayton

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Eve Levermann (sitzend) lebte für ein Jahr in Dayton in Ohio, besuchte dort die High School und fand viele Freunde in der Stadt, in der ein junger Mann in der Nacht zu Sonntag neun Menschen tötete.

Affeln/Dayton - Noch vor einiger Zeit war Eve Levermann selbst im Oregon District in Dayton unterwegs. Die Austauschschülerin besuchte das Ausgehviertel der 140 000-Einwohner-Stadt im US-Bundesstaat Ohio mit ihren amerikanischen Freunden.

Genau dort tötete ein 24-Jähriger in der Nacht zu Sonntag aus bislang noch unbekanntem Motiv neun Menschen, verletzte viele weitere schwer. 

Die Affelnerin ist mittlerweile seit einigen Wochen zurück im Sauerland, musste aber auch hier nach dem Massaker im tausende Kilometer entfernten Dayton einige bange Stunden überstehen, bis sie Kontakt zu all ihren Freunden und auch ihrer Gastfamilie hatte. 

Blick aufs Handy sorgt für Entsetzen

„Zunächst konnte ich es gar nicht glauben, dass sowas in der kleinen und eigentlich so friedlichen Stadt Dayton passiert“, sagte Levermann, die sofort daran zurückdenken musste, nicht nur im Oregon District, sondern auch genau in dem Bereich, wo die tödlichen Schüsse fielen, selbst erst kürzlich gewesen zu sein. 

Von der schrecklichen Tat hatte die junge Affelnerin am Sonntagmorgen gleich nach dem Aufstehen beim Blick auf ihr Handy erfahren. Dort blinkte bereits die Nachricht einer Freundin, die sich erkundigen wollte, ob es Levermanns amerikanischen Freunden, Bekannten und der Gastfamilie gut ginge. 

Leben auf den Kopf gestellt

„Zuerst dachte ich, ich hätte mich verlesen und sie würde über den Anschlag in Texas sprechen, aber mir wurde ganz schnell klar, dass es nicht so war“, sagte Levermann. Denn nur wenige Stunden, nachdem ein 21-Jähriger in El Paso in Texas nahe der Grenze zu Mexiko ein Blutbad in einem Einkaufszentrum mit mehr als 20 Toten angerichtet hatte, wurde auch das Leben in Dayton auf den Kopf gestellt. Der Stadt, in der die Affelnerin ihr Austauschjahr verbracht und hauptsächlich schöne und unbeschwerte Momente erlebt hatte. 

Nach dem Massaker in Dayton trauern die Menschen um die Verstorbenen.

Nachdem Levermann sich über das Massaker in Dayton informiert hatte, galten ihre Gedanken ihren neuen Freunden und der Gastfamilie. „Ich habe dann sofort meiner Gastfamilie, der Frau meiner Austauschorganisation Organisation AFS (Auslandsjahr für Schüler), die vor Ort für mich zuständig war, und natürlich meinen Freunden geschrieben. Ich wollte wissen, ob es ihnen gut geht“, sagte Levermann. 

Gastfamilie antwortet schnell

Von der Gastfamilie bekam sie schnell eine Rückmeldung, dass alle unversehrt geblieben waren. Als Stunden später auch die Verantwortliche der Organisation und die letzten der Freunde geantwortet hatten, war die Erleichterung groß. 

„Viele meiner Freunde in Dayton hatten die Nachricht von dem Massaker noch gar nicht mitbekommen und geschlafen, als ich sie angeschrieben habe, weil es dort noch Nacht war“, erzählte Levermann. 

Freunde stehen unter Schock

Ihre Freunde berichteten der Affelnerin anschließend davon, dass ganz Dayton regelrecht unter Schock stehe. „Viele haben in den sozialen Netzwerken unter dem Hashtag Daytonstrong Bilder gepostet, um ihre Anteilnahme und Solidarität zu bekunden“, sagte Levermann. Dass es in ihrer kleinen Stadt so weit kommen konnte, könne in Dayton niemand verstehen. „Sie beten für die Toten und deren Angehörigen. In dieser Zeit müssen alle zusammenhalten“, erzählte Levermann. 

Viele Amerikaner fordern einmal mehr eine Verschärfung der Waffengesetze.

Die beiden Massaker innerhalb nur weniger Stunden waren bereits die Vorfälle 254 und 255 in diesem Jahr in den USA, bei denen mindestens vier Menschen durch Schusswaffen verletzt oder getötet wurden. Und sie sind der traurige Anlass, dass in Amerika einmal mehr über eine Verschärfung der Waffengesetze diskutiert wird. Völlig zurecht, wie Levermann meint. „Ich finde, dass die Waffengesetze zu locker sind und die Menschen so zu leicht in den Besitz von Schusswaffen gelangen können“, sagte Levermann. Zwar könne sie auch die Argumentation derer verstehen, die immer wieder auf das Recht zur Selbstverteidigung verwiesen, „aber es passieren zu häufig Schießereien, wo Menschen ihr Leben verlieren. Deshalb sollten die Waffengesetze strikter werden.“ 

Selbst Probealarme mitgemacht

Während ihrer Zeit an der High School machte die Affelnerin selbst einige Probealarme für einen möglichen Amokfall mit. „In den USA wird dies regelmäßig geübt, wie bei uns der Feueralarm“, sagte Levermann. Nun hat es ihre Austauschstadt tatsächlich getroffen. „Meine Gedanken und Gebete sind bei denen, die einen geliebten Menschen bei dieser Tat verloren haben“, sagt die junge Affelnerin deshalb.

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