Gastronomen und Dehoga beziehen Stellung

"Alle Weihnachtsfeiern storniert"

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Stornierung von Weihnachtsfeiern und zurückhaltende Kundschaft - das bedroht die Gastronomie.

Neuenrade - Gerald Strutzmann ist ein Optimist und so kann den Inhaber der Tiroler Stub’n auch die eine oder andere Stornierung einer Weihnachtsfeiern nicht schrecken. „Ein paar haben etwas gebucht, einige haben nun wieder zurückgezogen wegen Corona."

„Naja“, lautet daher die Einschätzung zum Thema Weihnachtsfeiern in der jetzigen Situation.Gerald Strutzmann ist ein Optimist und so kann den Inhaber der Tiroler Stub’n auch die eine oder andere Stornierung einer Weihnachtsfeiern nicht schrecken. „Ein paar haben etwas gebucht, einige haben nun wieder zurückgezogen wegen Corona. „Naja“, lautet daher die Einschätzung zum Thema Weihnachtsfeiern in der jetzigen Situation. Der eine oder andere habe gesagt, dass man buchen werde, wenn sich die Situation verbessere. Aber von Firmenchefs war zu hören, man wolle in diesem Jahr von Weihnachtsfeiern gänzlich Abstand nehmen. Schwierig sei die Planung: Vor allem bei kurzfristigen Absagen bleibe man auf dem Zeug sitzen. 

Kurzfristige Stornierungen

Zur Stimmungslage und mit Hinweis auf die Politik und die Vorschriften sagt er, dass es nun „schon wieder nervig“ werde. Mit Blick auf einen möglichen Lockdown sagte er: „Solange sie uns den Laden nicht zusperren und uns in Ruhe lassen, werden wird das hinkriegen. Die Politik soll uns machen lassen“. Dabei würden die Tiroler Stub’n sowieso nicht mehr als 20 Leute pro Gesellschaften haben und ohnehin separieren. Zudem: „Wir haben auch ein ordentliches Hygienerezept. Und demnächst ein weiteres Standbein: Draußen plane man Holzofenbrot anzubieten... 

"Man trampelt nur auf uns herum"

Von der aktuellen Pandemie-Situation besonders betroffen sind die Vier Jahreszeiten in Werdohl: „Alle Weihnachtsfeiern sind storniert!“ Inhaber Tomislav Lavriz klingt resigniert und schon ein wenig verzweifelt. Er hat Möglichkeiten, richtig große Weihnachtsfeiern und Hochzeiten anzubieten. Das gibt der Platz her. Doch die großen Firmen feiern nicht. Und er sieht die ganze Branche gebeutelt und ungerecht behandelt. Es könne nicht sein, dass man in den Medien als Verursacher für die Corona-Ausbreitung die großen Veranstalter darstelle. Das sei ungerecht, denn den Virus könne genauso beim Discounter um die Ecke verbreitet werden und dort könne man noch nicht einmal die Nachverfolgung anstellen. „Man trampelt nur auf uns herum“. Er hat natürlich Angst um seine Existenz. Dabei sei er noch nie in seinem Leben arbeitslos gewesen. Er sagt ganz klar: „Wenn das so weiter geht, dann wird es uns irgendwann nicht mehr geben.“ Damit meint er wohl nicht nur sein eigenes Geschäft, sondern die Branche. Und es sei doch alles vernetzt: „Alleinunterhalter, Dekorateure, Floristen, Großhandel – das spüren die alle“. Und man müsse auch an die Menschen denken: „Für ein junges Paar, das heiraten möchte, ist das zurzeit eine große psychische Belastung.“

Politik macht Menschen Angst

 Der erfahrene Gastronom Heinz Friedriszik mit Betrieben in Balve (Haus Drei Könige, Syré in Garbeck und Pizzeria Balova ) gehört schon zu den Größeren in der Branche. Er ist eigentlich optimistisch: Generell zieht das Geschäft wieder an. Es hat zugenommen. Nur: „Das, was jetzt von der Politik kommt, das macht den Menschen Angst. Keiner weiß , was läuft, keiner weiß, was kommt.“ Und natürlich seien Weihnachtsfeiern Thema. Er verweist darauf, dass durch die Beschränkungen die Platz-Kapazitäten auch geringer seien. Das müssten die Leute bedenken. Gleichwohl: Das Buchungsverhalten sei zurückhaltend. Die politischen Entscheidungen hält er zum Teil für sinnlos: Das Beherbergungsverbot tauge nichts, weil nicht nachprüfbar. Sperrstunden brächten nichts, weil sich die Menschen andere Nischen suchen würden. Zudem würden die Menschen verunsichert – und gerade das sei nicht gut für die Branche. Er ist für klare und vernünftige Regeln in Sachen Hygiene und Lüftung. Da habe er durch seine Lüftungsanlagen ( aus der Nichtraucherschutzzeit) gute Möglichkeiten. Doch was die Branche insgesamt anbelangt, da rechnet er mit Ungemacht: „Es wird im Frühjahr Insolvenzen geben.“ Einige hätten es ja nur hinauszögern können.

Stellungnahme des Dehoga

Lars Martin

Lars Martin lässt keinen Zweifel daran, dass Weihnachtsfeiern für die Branche elementar wichtig sind. „November und Dezember – das sind die Monate, mit deren Umsätzen die Branche die schwachen Monate des Jahres ausgleicht und die Erträge nutzt, um über den Januar, den Februar und den März zu kommen.“ Zudem würden mit den Einnahmen auch die üblichen Jahresrechnungen bezahlt. „Das Problem ist, dass es im vergangenen Jahr wegen Corona fast nur schwache Monate gab“. Der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands Westfalen (Dehoga) befürchtet nun, dass diese wichtigen Monate schwach ausfallen, denn die Menschen/Kunden seien durch die politischen Entscheidungen und die Corona-Situation total unsicher. Martin hofft jedenfalls, dass „der eine oder andere Betrieb“ diese schwierige Zeit überstehen werde, zumal etliche Betriebe wegen der Platz-Einschränkungen einfach nicht kostendeckend arbeiten können. 

Seine Forderung: „Wir benötigen dringend weitere finanzielle Zuwendungen. Es brennt an allen Ecken und Enden. Ich weiß sonst nicht, wie das weiter gehen soll.“ Hilfreich wäre die Verlängerung der Mehrwertsteuer-Reduzierung und die Ausweitung auf Getränke. Zudem sollten die Schutzmaßnahmen auf den Prüfstand. Er verweist auf eine Studie, wonach sich nur 1,6 Prozent der Infizierten im Gastgewerbe angesteckt hätten. Und diese 1,6 Prozent wohl auch nur bei den schwarzen Schafen der Branche. „Wo ordentlich gearbeitet wird, gibt es kaum Infizierte“. Er sieht auch noch eine weitere Gefahr. Dem Staat gehe es um die Nachverfolgbarkeit. Und die werde doch ohnehin ausgehebelt, wenn sich die Menschen zum Feiern eben in ihre privaten Räume zurückziehen würden. Jedenfalls lautet sein Appell an die Gastronomie-Kunden: „Unterstützt die ehrlichen Betriebe. Jede Tasse Kaffee, jedes Bett zählt und es gibt kein Einreiseverbot in NRW. Kommt ins Sauerland und macht Urlaub."

 PETER VON DER BECK

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