Netter Abend läuft aus dem Ruder

Neuenrade - Laut und hitzig wurde es jüngst im Amtsgericht Altena. Auf eine Stunde war die Verhandlung vor dem Schöffengericht terminiert. Am Ende hatten alle Verfahrensbeteiligten und eine Reihe von Zeugen mehr als vier Stunden im oder vor dem Gerichtssaal verbracht. Doch ein Urteil gab es immer noch nicht.

Die Geschichte begann am Abend des 28. März. Angehörige unterschiedlicher Generationen trafen sich zum Feiern in einer Garage in Neuenrade. Alkohol kam hinzu. Zu vorgerückter Stunde „lief der eigentlich nette Abend aus dem Ruder“, wie es Richter Dirk Reckschmidt formulierte – angeblich nach rassistischen Äußerungen.

Von welcher Seite diese kamen, war noch im Gerichtssaal strittig. Die Sprüche lösten einen Streit und schließlich ein Handgemenge aus, in dessen Verlauf ein 25-Jähriger verletzt wurde – „und nicht zu knapp“, wie der Richter die Befunde eines ärztlichen Attests zusammenfasste.

Die beiden 37 und 69 Jahre alten Angeklagten bestritten, dass sie dem Geschädigten die Verletzungen beigebracht hätten. Verteidiger Ralf Lengelsen verwies zudem auf Unstimmigkeiten in den Aussagen des 25-Jährigen: So habe dieser bei seinem anschließenden Arztbesuch nichts von einer Verletzung am Hinterkopf berichtet, die ihm durch eine zerberstende Bierflasche zugefügt worden sein soll.

Freunde des Geschädigten berichteten hingegen am Rand der Verhandlung, dass sie noch nach dem Besuch im Krankenhaus Splitter aus der Kopfhaut des 25-Jährigen gezogen hätten. Strittig ist auch, ob das Opfer tatsächlich mit einem Messer bedroht wurde. Unterschiedliche Angaben hatte es in den polizeilichen Aussagen einer Zeugin gegeben, die mal diesen, mal jenen Angeklagten bezichtigt hatte. Möglicherweise ging diese Verwirrung auf eine Namensverwechslung zurück.

Die noch jugendliche Zeugin war schließlich zu erschöpft, um all dies noch hinreichend aufklären zu können. Weil nach mehr als vier Stunden Verhandlungsdauer auch Verteidiger Ralf Lengelsen und der Anwalt des Opfers deutlich die Lautstärke steigerten, vertagte Richter Dirk Reckschmidt die Verhandlung: „Nach viereinhalb Stunden ist es genug.“

Für die Fortsetzung der Verhandlung im November stehen noch einige Zeugen zur Verfügung, die nach langem Warten nicht mehr angehört wurden. - Von Thomas Krumm

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