Der Tag der Betriebsräte im Kaisergarten

Jede Menge frisch gewählte Betriebsräte kamen im Kaisergarten zusammen, um Kontakte zu knüpfen und sich über die Betriebsratsarbeit zu informieren. - Foto: Krumm

Neuenrade -  Es war eine Premiere: Zum ersten Mal lud die Industriegewerkschaft Metall die neugewählten Betriebsräte aus dem Märkischen Kreis zu einer großen Informationsveranstaltung ein. Knapp 250 kamen jetzt in das Hotel Kaisergarten, um Kontakte zu knüpfen, Gesichter kennenzulernen und sich über die Betriebsratsarbeit zu informieren. Das Angebot kam an.

„Es war super“, verabschiedete sich eine Besucherin von Bernd Schildknecht, der als 1. Bevollmächtigter der IG Metall im Märkischen Kreis zu der Tagung eingeladen hatte.

Vor dem Kabarettprogramm mit Harald Funke und Jochen Rüther wurde gearbeitet: Die Sekretäre und Angestellten der beiden Verwaltungsstellen in Iserlohn und Lüdenscheid stellten sich und ihre Aufgabenbereiche vor. Dadurch ergab sich eine vielfältige Präsentation aktueller Probleme und „Baustellen“ von B wie „Betriebsratsneugründung“ bis U wie „Unterschreitung des Flächentarifvertrages“.

Als prominenter Gast betonte Knut Giesler, Bezirksleiter NRW der IG Metall, die Bedeutung der Zusammenarbeit von Betriebsräten und Gewerkschaft. Beide Seiten seien auf das Fachwissen der jeweils anderen angewiesen, um die Interessen der Arbeitnehmer angemessen vertreten zu können. Der Bezirksleiter verabschiedete sich jedoch schon sehr zügig: Gestern Morgen musste er in Osnabrück sein, um die Kollegen bei den dortigen Warnstreiks in der Stahlindustrie zu unterstützen.

Bernd Schildknecht schilderte die aktuelle Lage der IG Metall und der Betriebsräte im Märkischen Kreis in Zahlen: In etwa 230 Betrieben mit 50 000 Mitarbeitern wurden etwa 1700 Betriebsratsmitglieder gewählt. 75 Prozent davon sind gewerkschaftlich organisiert. An den Betriebsratswahlen beteiligten sich 74 Prozent der Arbeitnehmer – das sind rund 37 000 Arbeitnehmer, die ihre Stimme abgaben. 300 der gewählten Betriebsräte wurden in weiteren Schulungen auf ihre Aufgaben vorbereitet.

Nach der Arbeit kam das Vergnügen: Das Kabarettduo Harald Funke und Jochen Rüther aus Münster präsentierte einen topaktuellen Rundgang durch die aktuelle Lage der Nation. Selbst das Spiel gegen die „Fransmänner“ kam schon vor: „Wir können die Kirsche ja nicht rein labern.“ Viele Lacher erntete der Beitrag zum Thema „Sozialneid“: Harald Funke verschlug es in die Rolle des Wasserträgers für den Auftraggeber Jochen Rüther, der tiefe Schlucke aus zwei Gläsern nahm, das dritte Glas Wasser in seine (pflanzliche) Steueroase auf der Bühne goss und jede Kritik des Wasserträgers an seinem Egoismus als „sozialneidgesteuerten Wassertransferanspruch“ zurückwies. Da blieb eine Kehle trocken. Statt die Durstigen zu sättigen, wurde das Hohelied des Neoliberalismus gesungen: „Wir schwören ab dem Schildknecht und geloben ‚Herr, lass mich ein Schnäppchen sein’.“

Verteilungsgerechtigkeit geht anders und für sie braucht es einen hohen Organisationsgrad der Arbeitnehmer. Das Thema „Mitgliedergewinnung“ tauchte deshalb immer wieder auf. - Von Thomas Krumm

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