Die Ballkönigin von Affeln

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Gabriele Cremer-Schulte bewirtschaftet mit ihrem Ehemann Clemens ihren Bauernhof in Affeln. Zwischendurch legt die Mutter von fünf Kindern auf dem Hof auch mal ein paar Trainingseinheiten ein.

Neuenrade - Tore, Taktik, Teams –wenn Gabriele Cremer-Schulte (56) über diese drei Wörter nachdenkt und in die Debatte einsteigt, dann kann sie das stundenlang machen.

Dann kommt sie in Fahrt, nimmt temperamentvoll zum Thema Fußball Stellung, läuft zur Hochform auf, auch wenn sie nicht auf dem Platz steht und ein Trikot trägt. „Etwas fußballverrückt muss man schon sein“, schmunzelt sie auf dem heimischen Hof in Affeln, den sie mit Ehemann Clemens bewirtschaftet. Und sie sagt klipp und klar, dass diese Begeisterung mit der Weltmeisterschaft im fernen Brasilien nichts zu tun hat, ihr Herz schlage schon lange für König Fußball.

Zum Fußball steht die Mutter von fünf Kindern und „Frau eines Bauern“ ohne wenn und aber. Ihr Einstieg ins Fußballgeschehen sei früh erfolgt. Anfang der 60er Jahre war es Vater Karl Buntenbach (†, Gertruden-Apotheke), der seine Tochter bei der Hand und mit zur Neuenrader „Niederheide“ nahm. Damals kickte der TuS Neuenrade in Freundschaft gegen den BVB 09 Dortmund. Hans Tilkowski stand da als Keeper im Tor der Schwarz-Gelben – und die kleine Gabriele war vom Fußballbazillus befallen. „Das ist zack, zack passiert!“, weil ihr „irgendwie das Spiel gefallen hat und weil die Borussen so schön über außen gespielt haben.“

Die Leidenschaft für die Dortmundern Borussen hat bei Gabriele („Zu Hause haben sie mich Ele gerufen“) nicht lange gehalten, seit Anfang der 70er sind es die Münchener Bayern, die sie überzeugen, allen voran der Bomber der Nation, Gerd Müller. Ihre Bewunderung für die Bundesligakicker hat auch lokale Folgen. Vor Ort besucht „Ele“ die Spiele des TuS Neuenrade, erlebt hautnah den Fußballboom, als die Neuenrader es 1974 bis zur Westfalenmeisterschaft bringen.

Und sie tritt selbst vor den Ball, bedauert, dass es in Neuenrade keine Mädchenmannschaft gibt. Ihre Begeisterung für die Lederkugel wird im Elternhaus nicht ganz so gern gesehen wird – sie ist ja ein Mädchen. Gabriele kickt trotzdem weiter. Mit Jungen („Bei vier Brüdern musst du irgendwann was machen!“) spielt sie auf dem Wall vor dem Rathaus, weil ihr der Ball einfach wichtig ist. Zimperlich ist sie nicht, zumeist findet sie sich auf der Position des Stürmers wieder, ihre Schienbeine sind manchmal farbig und von der einstigen schwarzen Asche auf dem Wall gekennzeichnet.

Noch heute denkt sie schmunzelnd an diese Zeit zurück, „weil wir sonst als Straßenteam nirgendwo kicken durften, aber wir hatten immerhin leere Milchkästen, die wir als Torpfosten aufstellten!“ Die Liebe zum Fußball hat die 56-Jährige auf ihre Kinder übertragen. Sie selbst trug im Jahr 1999 auf dem Sportfest des SV Affeln zum letzten Mal ein Trikot. Damals spielte die kfd Affeln gegen die Tanzgarde Affeln. Und damals stand sogar Pastor Schulte für das kfd-Team zwischen den Pfosten und hielt für seine Schäfchen den Kasten sauber. Wie das Einlagenspiel ausgegangen ist? Gabriele Cremer-Schulte weiß es nicht mehr, aber der einstige Spaß an dem Spiel ist ihr noch heute anzusehen.

Den Umgang mit dem Ball hat sie nicht verlernt. Wenn’s denn sein muss, schnappt sie sich die Lederkugel und macht einige Trainingseinheiten auf dem Hof. Einfach so. Und um das Ballgefühl nicht zu verlieren sagt sie schmunzelnd. Die Spiele der Nationalmannschaft verfolgt sie am Bildschirm. Der Jogi-Truppe traut sie jetzt einiges zu, drückt ihr die Daumen, „weil die mir als Team gefallen und einer für den anderen rennt!“

Vor dem Bildschirm fristet sie bei der Übertragung und zu später Stunde ein einsames Dasein, weil Ehemann Clemens weniger fußballbegeistert ist und den erholsamen Schlaf sucht, um den Hof wie gewohnt ab den frühen Morgenstunden zu bewirtschaften. Und beim späteren Kaffee erzählt sie ihm dann, warum das mit dem Sieg von Lahm & Co. geklappt hat. - Von Udo Schnücker

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