Fünf Metaller abseits aller Klischees

Bemühen sich, abseits des „Schema F“ zu musizieren (von links): Patrick Jager, Stefan Lüke, Michael Helleckes, Tine Müller und Andreas „Randy“ Schulte-Kramer sind die Band Bodyslam the Captain.

NEUENRADE ▪ Michael grinst und sagt: „Man kann definitiv langweiligere Partys feiern als mit uns.“ Die Neuenrader Band Bodyslam the Captain steht für Spaß auf und vor der Bühne. Das Miteinander soll im Zentrum stehen. Dann biete ihre Musik für Sänger Patrick „die Gelegenheit, einmal die Sau raus zu lassen, so wie es mir im Alltag sonst nicht möglich ist.“

Von Michael Koll

Der Sänger kündigt an, nach der Probe für alle einen Döner ausgeben zu wollen. Auf die fragenden Blicke seiner Mitstreiter antwortet er: „Ach, einfach nur so.“ Patrick Jager ist mit 31 Jahren der Senior der Band.

Jüngste ist die 19-jährige Tine Müller. Sie bedient die vier Saiten am Bass. Stefan Lüke, 27 Jahre alt, und Andreas „Randy“ Schulte-Kramer, 26 Jahre, teilen sich die Parts an den Gitarren. Michael Helleckes, ebenfalls 26, komplettiert das Quartett an den Drums.

Die fünf hören privat ganz unterschiedliche Musik. Jeder habe seine eigenen Vorbilder, die eigentlich gar nicht zueinander passten, berichten alle übereinstimmend. Stefan bezeichnet sich selbst etwa als Pop-Fan. Patrick meint, er höre eigentlich alles – „außer vielleicht Techno“.

Was sie aber eint ist: Harten Stoff haben sie alle in ihrer CD-Sammlung. Doch der Sänger erklärt: „Wir greifen mit unseren Geschmäckern auf so ein großes Spektrum zurück, dieser Reichtum an Einflüssen bereichert uns.“

Schlagzeuger Michael stimmt zu: „Diese Variantenvielfalt ist uns ganz wichtig. Schema F ist nicht unser Ding.“ Konzertbesucher sollten bei ihnen schließlich nicht nach ein paar Stücken denken, dass alles gleich klänge.

Patrick nickt: „Wenn nach einer Show ein Besucher zu mir sagt ‘Ihr verbindet Altes mit Modernem’, dann fühle ich mich sehr geehrt.“ Denn die Musik früherer Jahrzehnte sei viel anspruchsvoller gewesen: Led Zeppelin, Toto, Deep Purple, Queen – die Neuenrader zählen auf, was ihre Eltern ihnen auf die Ohren gaben.

Schon unterbricht die Band das Interview, geht an die Instrumente und legt los mit klassischem Heavy Metal der Früh-Achtziger-Jahre. Die Stimme Patricks schraubt sich fast bis ins Falsett.

Dann aber bellt er seine Zeilen raus wie ein Rapper. Hip-Hop-Grooves duellieren mit metallischer Härte. Später folgen hymnische Chöre, die sich mit großflächigen, weitläufigen Instrumentalpassagen abwechseln.

Manchmal wird aus der Gesangsstimme ein rüdes Grollen. Auch Stefan und Andreas treten ans Mikrofon, liefern gewittrige Backingvocals.

Die Musik ist trotzdem nicht darauf angelegt, schneller und brutaler als die alle anderen zu sein. Einen Kindergeburtstag veranstalten Bodyslam the Captain zwar nicht, doch die einprägsame Melodie verlieren die Musiker zu keiner Zeit aus dem Blick.

Die Lautstärke, die sie erzeugen, ist kraftvoll. Das können sie sich auch leisten in ihrem luxuriösen Proberaum, der größer ist als manche Mietwohnung einer Kleinfamilie.

Ihre eigene Musik zwischen Hardrock, Heavy Metal, Hardcore und Punk in ein Genre einzuordnen, damit tun sich Bodyslam the Captain jedoch schwer. „Wir sind keine typische Metal-Band“, betont Michael. Ihre langen Haare hätten sie längst abgeschnitten. „Und wir haben alle ordentliche Berufe.“ Zudem fänden sich in ihren Kleiderschränken auch nicht-schwarze Sachen. Klischees wollen sie gar nicht erfüllen.

Erst seit fünf Monaten existiert die Neuenrader Band in der jetzigen Konstellation. Zehn Songs sind in dieser Zeit allerdings bereits entstanden. „Zwei weitere sind kurz vor der Vollendung“, kündigt Stefan an.

Er und Andreas inspirieren sich gegenseitig und komponieren die Grundideen für die Stücke. Im Proberaum bauen sie mit ihren drei Mitmusikern daraus recht zügig fertige Lieder. Stefan: „Wir sind dabei total demokratisch. Wenn einem ein Part nicht gefällt, dann fällt er weg.“ Die Texte schreibt überwiegend Patrick selbst. Die anderen lassen ihm dabei freie Hand. „Die Themen reichen von Herz-Schmerz bis zu Sozialkritik. So haben wir ein Stück gegen die Anonymität bei Facebook oder überhaupt im Internet.“ Doch auch selbst Erlebtes fließt in seine Zeilen ein: „Ich habe zum Beispiel über eine Freundschaft geschrieben, die auseinander geht, weil man sich Jahre lang nicht gesehen, sich verändert hat.“

Der Bandname nimmt Bezug auf einen Schlag des Star-Wrestlers Hulk Hogan, den Bodyslam. Dabei hebt ein Wrestler seinen Gegner mit dem rechten Arm zwischen dessen Beinen an, der linke Arm greift die Schulter des Kontrahenten. Während des Hochhebens wird der Gegner in der Luft mit dem Kopf nach unten gedreht und losgelassen, so dass er mit dem Rücken auf die Matte knallt. Michael: „Den Captain im Bandnamen kann jeder für sich ersetzen durch den Chef, den Papst, einen Politiker oder wen auch immer.“

Letzteres hat der Drummer selbst schon einmal gemacht. „Den Text zum Song ‘Apex Predator’ habe ich innerhalb von nur zehn Minuten während einer Zugfahrt geschrieben. Er handelt vom ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff. Ich hatte so einen Hass auf den Typen.“

Weltverbesserer sind Bodyslam the Captain genauso wenig wie Gewaltverherrlicher. Michael: „Wir wollen, dass die Leute im Saal Spaß haben. Aggressives Schlagen und Treten mag ich nicht.“ Patrick empfindet derartiges als „pure Selbstdarstellung“.

Stefan fasst das Bandziel demnach auch so zusammen: „Wir wollen möglichst viele Gigs spielen, gerne auch vor mehr als nur 100 Leuten.“ Michael: „Und als nächstes erst einmal unsere neue CD aufnehmen.“ Patrick macht deutlich: „Ich bin zweifacher Familienvater, ich muss nicht mehr berühmt werden.“

Weitere Bands aus Neuenrade, Werdohl oder Balve, die gerne in einem Porträt vorgestellt werden möchten, melden sich per E-Mail an sv-neuenrade@mzv.net.

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