Frühlingskälte: Baumschule Wiesemann im Rückstand

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Antonius Wiesemann muss seine Pflanzen noch in Gewächshäusern vor der Kälte schützen. Normalerweise würden sie bereits in den Außenbeeten stehen.

NEUENRADE - „Die Pflanzen wollen ja, nur macht ihnen das kalte Wetter noch zu schaffen“, sagt Antonius Wiesemann von der gleichnamigen Baumschule, hebt eine Schutzplane an und zieht einen dünnen Zweig hervor. „Die Knospen sind alle schon da, es fehlt nur noch etwas Wärme.“ Antonius Wiesemann steht in einem seiner Gewächshäuser, die in den Vorjahren zu dieser Jahreszeit längst leer standen.

Von Sebastian Berndt

Doch die aktuelle Kälte und der stetige Ostwind gefährden besonders die Pflanzen, die noch in Blumenkübeln stehen. Nur in den Gewächshäusern, unter Planen und dicht zusammengestellt, könnten sie die Witterung überstehen.

„Sobald die Pflanzen einmal eingepflanzt und angewachsen sind, sind sie auch winterfest“, erklärt der Gärtnermeister. Aber auch das Pflanzen von Bäumen sei erst möglich, wenn der Boden nicht mehr gefroren ist, zurzeit würden die Wurzeln Schaden nehmen und durch den Frost kein Wasser bekommen. Die Anwachsgarantie, die Wiesemann seinen Kunden gibt, könne so nicht gewährleistet werden.

Für die Baumschule ist das Wetter ein ernst zu nehmendes Problem, denn weder Privatkunden, noch Stadt oder Landschaftsgärtner bestellen Bäume. Die Verkaufssaison werde so wesentlich kürzer. Zwar würden viele Kunden einfach später kaufen, aber das ausbleibende Frühlingswetter könnte im schlimmsten Fall auch die Jahresbilanz schmälern.

Und doch sei eine Baumschule wie die der Familie Wiesemann für lange Winter weniger anfällig als etwa Gärtnereien, die Blumen selbst anpflanzen, erklärt der Fachmann. So befürchtet er besonders für seine Kollegen, die sich auf Frühlingsblumen wie Stiefmütterchen spezialisiert haben, große Verluste.

Neben möglichen finanziellen Einbußen gibt es auch Probleme im Betriebsablauf: „Wir haben hier einen Arbeitsstau, viele Arbeiten, die zu dieser Jahreszeit üblicherweise längst erledigt sind, können noch nicht begonnen werden“, so Wiesemann. So sind die Außenbeete der Baumschule überwiegend leer, die wenigen Pflanzen, die draußen stehen, wurden eng zusammengestellt und ihre Kübel mit Blättern oder Rindenmulch gegen die Kälte und den Wind geschützt. Bisher konnten nur wenige Vorarbeiten wie das Zurückschneiden der Zweige erledigt werden. Sobald das Wetter besser werde gäbe es daher einiges zu tun in der Baumschule, sagt Wiesemann. Um angewachsene Pflanzen, macht sich der Gärtnermeister keine Sorgen: „Die Natur holt das auf. Sobald es wärmer wird und es regnet, wird das sehr schnell gehen.“

Solange es aber kalt bleibe und der Boden gefroren ist, empfiehlt Wiesemann auch den heimischen Gärtnern nur vorbereitende Arbeiten im Grünen. Falls noch nicht geschehen, könnten Zweige zurückgeschnitten werden, der Rasen von Blättern befreit und vorsichtig gehakt werden. Auf keinen Fall solle Dünger aufgebracht werden, da der Boden diesen noch nicht aufnehmen kann. Auch das Vertikutieren des Rasens sollte verschoben werden. Der Fachmann empfiehlt allen Gärtnern noch etwas Geduld. Genutzt werden könnte diese Zeit etwa mit einer ausgiebigen Planung für das beginnende Gartenjahr.

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