Freiheits-Urkunden zu verkaufen

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Die Freiheitsurkunden werden für den Verkauf vorbereitet

Affeln - “Freiheit, Freiheit, – ist die einzige, die fehlt“. So singt es Marius Müller Westernhagen in seinem Lied. Eben diese „Freiheit“ war im späten Mittelalter auch das einzige, was den Affelnern zu ihrem Glück fehlte.

Doch dann hatte der Kölner Erzbischof Hermann IV. ein Einsehen und verlieh dem Dorf Affeln am 28. April 1492 die Freiheitsrechte. Und genau dieses 525-jährige Jubiläum wird am kommenden Wochenende in Affeln groß gefeiert.

Doch was genau bedeutete die „Freiheit“ im späten Mittelalter für das kleine Dorf, das sich heute noch „Freiheit“ Affeln nennt? Dazu muss man wissen, dass die rund 200 Bewohner des Bergdorfes seinerzeit umgeben waren von „Feindesland“. Selbst zählten die katholischen Affelner zum Herzogtum Westfalen und damit zum Erzbistum Köln. Ringsherum gehörte aber fast alles zur Grafschaft Mark. Ob Plettenberg, Neuenrade, Altena oder Werdohl _ überall herrschten die Märker und denen waren die Kurkölner hoch droben auf dem Berg ein Dorn im Auge.

Entsprechend viele „Grabenkämpfe“ gab es unweit des Ausspanns. Es ging um Vieh, um gute Ackerflächen, um Wald, um Wegerechte, Geld und manchmal auch um Frauen. Die Fäuste flogen nicht nur einmal – die Affelner standen oben auf dem Berg ziemlich allein auf weiter Flur, denn Arnsberg als „Außenstelle“ des Erzbistums Köln war viele Kutschenkilometer entfernt. Doch genau das änderte sich im Jahr 1492, dem Jahr, in dem Christoph Kolumbus Amerika entdeckte und die Affelner ihre „Freiheit“ bekamen. Denn mit der Verleihung der Freiheitsrechte vor 525 Jahren waren die Affelner ab sofort kein einfaches Bergdorf mehr – sie durften sich wie eine kleine Stadt fühlen – mit den entsprechenden Rechten. Denn mit den Freiheitsrechten wurde aus einem Dorf ohne kommunale Kompetenzen eine Minder-Stadt – die Vorstufe einer Stadt sozusagen.

Die Affelner hatten nun einen Bürgermeister, Ratsherren, eine eigene Gerichtsbarkeit und eine eigene Geldwirtschaft. Das hinderte die Märker allerdings nicht daran, den Affelner Bürgermeister auf offenem Feld aufzugreifen und auf der Burg Altena für einige Zeit gefangen zu halten. Und gut zu sprechen war man auf die Affelner im Lennetal auch deshalb nicht, weil man vermutete, dass sich die Bewohner des Bergdorfes den wunderschönen flandrischen Schnitzaltar der Lambertuskirche unter den Nagel gerissen hatten – und die Ochsen des Gespanns gleich mit dazu.

Die für die Affelner so wichtige Freiheitsurkunde wurde seinerzeit mit Brief und Siegel dokumentiert. Und genau diese Freiheitsurkunde in aufwändiger Aufmachung, mit Brief und Siegel und mitsamt inhaltlicher Abschrift des Textes können nun alle Affelner und mit dem Dorf verbundenen Bürger für den symbolischen Preis von 525 Cent erstehen. Der Text der Freiheitsurkunde vermittelt dem Leser einen Eindruck von der Praxis der Selbstverwaltung, der Rechtsprechung und -pflege sowie der sonstigen Privilegien in der Freiheit Affeln. Aufgrund der sprachlichen Qualität und der ansprechenden Gestaltung des Schriftsatzes erfüllt die Urkunde alle Anforderungen an ein originelles Geschenk.

In liebevoller Arbeit und mit Unterstützung vieler Affelner hat Theo Dickopf die sehr schmucke und rund 80 Zentimeter lange Freiheitsurkunde auf Holzstäbe aufgeklebt. Die ersten 150 Exemplare der Urkunde hat Pfarrer Andreas Schulte eigenhändig unterschrieben, die nachbestellten Exemplare wurden mit Unterschrift kopiert. Man erfährt in der Abschrift beispielsweise, was mit unehelichen Kindern geschah und was eingefordert wurde, „wenn jemand mit seiner Tochter, Schwester, Magd oder sonst einer Person in Unzucht oder Unkeuschheit ergriffen wird“. Der Verkauf der Urkunden, die in keinem Haushalt fehlen sollte, beginnt am kommenden Sonntag, 30. April, nach dem Festakt (Beginn 16.30 Uhr) in der Affelner Schützenhalle. - von Georg Dickopf

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