Lange Vorlaufszeit nötig: Freibad Friedrichstal öffnet heute

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Heinz Gaberle und Schwimmmeisterin Kenziora-Kühn bei den Vorbereitungen zur Saisoneröffnung.

Neuenrade - So wünschen sich viele den ersten Tag im Freibad. Temperaturen jenseits der 20 Grad und nicht zu heiß, eine gepflegte Liegewiese, frisches Wasser im Becken, ein gut bestückter Kiosk und freies W-Lan. Samstag ist Saisoneröffnung im Neuenrader Freibad.

Die exponierte Lage garantiert zudem Sonne satt. Gepflegte Bäume schaffen aber auch schattige Plätzchen. Es gibt ein Beachvolleyballfeld, Fußballtore sind vorhanden, eine breite Rutsche und ein Sprungbecken mit Dreimeterturm runden das Angebot ab. Das Bad ist beliebt, die Besucherzahlen sind höher, als bei den vergleichbaren Bädern in der Umgebung.

Doch bis so ein gepflegtes Bad für die Besucher hergerichtet ist, muss etliches vorbereitet werden. Einfach Wasser reinlassen und aufschließen ist natürlich nicht möglich. „Wir brauchen mindestens zwei Monate Vorbereitungszeit“, erläutert Schwimmmeisterin Andrea Kendziora-Kühn – „und dann darf auch nichts dazwischenkommen. In der Regel fangen wir in der letzten Februarwoche mit den Vorarbeiten an“.

Mindestens zwei Monate Vorbereitung

So herrschte in den vergangenen Tagen Hektik im Neuenrader Freibad und es gab reichlich zu tun: Am Dienstag war ein ganzer Trupp damit befasst, das Bad für die Saisoneröffnung herzurichten: Fensterputzer, die Schwimmmeister Andrea Kendziora_Kühn und Andreas Schöneberg und auch Renter Heinz Gaberle waren mit den Vorbereitungsarbeiten befasst. Auch jemand vom Baubetriebshof wird noch geordert, um die Liegewiesen schön herzurichten. Um Hecken, Rabatten, Rosenschnitt und das Harken des Sandkastens kümmerte sich Rentner Gaberle. Kendziora_Kühn spritzte den gelben Blütenstaub von der Lauffläche und Schwimmmeister Andreas Schönenberg hatte den Unterwasserstaubsauger in Betrieb, der Blütenstaub und andere Hinterlassenschaften der Natur vom Beckenboden saugt.

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Zuvor hatten noch Handwerker reichlich Arbeit, die im leeren Becken schadhafte Stellen verspachtelt hatten, bevor das Wasser eingelassen wurde. So reihte sich in den vorangegangen Wochen eine Aufgabe an die andere: Alles für den Freibadbetrieb Nötige muss aus dem Lager geholt werden. Darunter die Bänke, ein Dutzend Papierkörbe musste präpariert werden, hinzu kommt eine Vielzahl von durchaus zeitaufwendigen Kleinigkeiten. Und: Es gibt noch jede Menge zu putzen. Dabei muss in jedem Fall das Wetter mitspielen. Wenn es spät im Frühjahr noch Frost gibt – wie in diesem Jahr – dann lässt sich der Zeitplan nicht einhalten. Kendziora-Kühn ist daher von den diesjährigen Wetterkapriolen genervt: „Erst Minusgrade, das Wasser gefriert uns im Schlauch und eine Woche später haben wir 25 Grad.“ Zudem machte dem Schwimmmeisterteam der gelbe Staub einen Strich durch die Rechnung: „Da waren wir einmal fertig mit Putzen – dann kommt der gelbe Blütenstaub. Da konnten wir gleich von vorne anfangen“. Der Staub verunzierte dabei nicht nur die Laufflächen und Terrasse, sondern setzte gemeinsam mit anderen Hinterlassenschaften der Natur auch noch die Filterkörbchen voll. Die mussten dann extra noch mal gereinigt werden.

Dabei dürfe nicht vergessen werden, dass neben den Vorbereitungen im Freibad ja auch noch das Hallenbad zu managen sei, erläutert Kendziora-Kühn. So benötigen die Schwimmmeister und ihre Helfer eben geraume Zeit für die Präparierung des Bades. Kendziora-Kühn ärgert sich vor diesem Hintergrund schon, wenn Unwissende ihre Kommentare abgeben: „Die rennen im Kaufpark sogar hinter mir her und rufen: „Kriegt Ihr es wieder nicht gebacken?“

Immer samstags und sonntags gearbeitet

Aber im Grunde ist Kendziora-Kühn in vielen Jahren Schwimmmeisterinnendasein gestählt. Seit 1976 ist sie dabei: „Ein chlorreiches Leben“, sagt sie augenzwinkernd. Die Sommerzeit sei dabei durchaus stressig. Da werden mal mehr, mal weniger Stunden gemacht. Ich hab mein Leben lang samstags und sonntags gearbeitet. Aber dafür haben wir ja im Winter öfter frei. Und wer diesen Beruf ergreift, der weiß ja, wie es zugeht“. Doch Azubis zu bekommen, ist nicht einfach. Schon länger suchen die Neuenrader jemanden. Die Ausbildung ist umfassend. Viel Technik, Physik und Chemie sind im Ausbildungsplan enthalten. Zudem wird man in Rettungsmaßnahmen unterrichtet und gut schwimmen sollte man auch können: 1:30 Minuten auf 100 Meter muss ein Bewerber schon schaffen...

Soziologische Studien im Freibad

Auch soziologische Studien können Schwimmmeisterinnen und Schwimmmeister betreiben. So macht Kendziora-Kühn Veränderungen im Sozialverhalten bei den Gästen aus. Viel verändert hätten die Medien. Die Jugendlichen würden nicht mehr miteinander reden, hätten nur das Handy im Blick. Zudem habe der Respekt der Jugend nachgelassen. Da täten ihr manchmal schon die Lehrer leid. Nebenbei betreibt Kendziora-Kühn noch den Kiosk. Hier gibts Pommes oder die beliebten Überraschungstüten, die ihr eine 81-Jährige Bekannte immer packt. Schwimmmeister Andreas Schönenberg hat derweil auch noch gut zu tun. Er jagt den Unterwasserstaubsauger über den Beckenboden, saugt die letzten Reste des Blütenstaubs auf. Auch er ist schon viele Jahre dabei und ein erfahrener Mann. Er erzählt auch aus dem Leben eines Schwimmmeisters, verweist auf Lehrgänge, die es zu besuchen gilt und wie man am besten das Becken bei Hochbetrieb überwacht („Immer in Bewegung bleiben, zudem hilft die DLRG.“).

Das Freibad Friedrichstal wird heute, um 8 Uhr eröffnet. Ansonsten ist das Bad montags, von 10 Uhr bis 19.30 Uhr und dienstags bis freitags, von 6.30 Uhr bis 19.30 Uhr (jeweiliger Kassenschluss: 19 Uhr) geöffnet. An Samstagen, Sonn- und Feiertagen ist das Freibad künftig von 8 Uhr bis 18.30 Uhr (Kassenschluss: 18 Uhr) geöffnet. Bei außergewöhnlich warmen Sommertagen (mehr als 25 Grad Celsius) kann das Personal die Öffnungszeiten dann feiertags und am Samstagen und Sonntagen um eine Stunde verlängern.

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