Mehrdimensionales Theater der besonderen Art

„Der Schauspieler“ leitete Mr. Kipps auch mal aus der ersten Reihe an.

NEUENRADE - Was für ein Theater im Theater? Diese Frage mag sich so mancher Besucher am Sonntagabend im Saal des mit mehr als 400 Gästen gut besuchten Kaisergartens gestellt haben. Denn diesmal verließ die Szenerie und das Konzept komplett die eingetretenen Pfade. „Das Ensemble“ unter der Regie von Ellen Schwiers führte den Horror-Klassiker „Die Frau in Schwarz“ auf.

Die Story hinter der bekannten Gespenstergeschichte: Holger Schwiers in der Figur des Mr. Kipps sucht sich professionelle Unterstützung in Form eines erfahrenen Schauspielers, mit dessen Hilfe er seine Geschichte vor seiner Familie authentisch präsentieren will. Er probt und spielt zusammen mit seinem „Dozenten“ das Erlebte, wechselt auf der Bühne zwischen den beiden Modi hin und her und tut so als wäre sein Publikum noch gar nicht anwesend. Ein Touch Skurrilität kombiniert mit einer ordentlichen Portion Originalität sorgte dabei für eine Atmosphäre, die ihres Gleichen sucht.

Anfangs hat Mr. Kipps Bedenken, nur mit zwei Personen und einer Handvoll Requisiten könne man seine Erlebnisse nicht mal ansatzweise realistisch auf eine Bühne übertragen. Im Laufe des Stückes muss er seine Meinung revidieren, zur Freude des Publikums im Kaisergarten. Man sieht die Kutsche, meint, man erlebe mit Kipps und seinem schauspielenden Kollegen gemeinsam die ruckelnde Bahnfahrt und spürt den Schauer, der dem Schauspieler während der Beerdigung und dem ersten Kontakt mit der geheimnisvollen Frau in Schwarz über den Rücken läuft. Horror mal gänzlich anders inszeniert, aber theatralisch fein umgesetzt und herrlich unterhaltsam. Ein besonderes Flair erzeugte das Ensemble durch die effektive Kombination von Schauspiel, Licht und Sound. „Jetzt habe ich mich aber erschreckt“, sagte ein Frau in der ersten Reihe als ein Vogel oder eine Fledermaus quer durch den Saal huschte.

Eine perfekte Illusion, die ausschließlich durch Klang erzeugt wurde. Mehrdimensionales Theater der ganz besonderen Art, das nicht nur der ausgewiesenen Kulturfachfrau in Neuenrade, Monika Arens, ganz hervorragend gefiel. „Die sind richtig gut“, brachte sie die Leistung des Ensembles auf den Punkt.

- Von Markus Jentzsch

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