Gute Preise, aber wenig Holz

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Franz-Josef Stein kümmert sich um den Neuenrader Wald. ▪

NEUENRADE ▪ Ein Drittel des Neuenrader Stadtwaldes hatte der Sturm „Kyrill“ im Jahr 2007 zerstört. Doch dass diese Flächen jetzt wieder aufgeforstet werden müssen, bietet auch eine Chance: Ein Wechsel der Baumarten soll den Wald für den Klimawandel rüsten. Bis die Stadt mit ihrem Wald wieder Geld verdienen kann, werden aber noch viele Jahre vergehen.

115 Hektar Waldfläche sind es, die der Neuenrader Förster Franz-Josef Stein und seine Mitarbeiter für die Stadt wieder aufforsten müssen. Rechnet man den privaten Waldbesitz dazu, kommen 600 Hektar zusammen, die neu bepflanzt werden müssen. Etwa die Hälfte davon ist schon geschafft. „Für den Rest brauchen wir noch vier bis fünf Jahre“, schätzt Franz-Josef Stein.

Der Stadtwald hat vor allem auf dem Kohlberggiebel gelitten. Bis 2007 standen hier hauptsächlich Fichten, jetzt soll hier ein Mischwald entstehen. „Fichten haben einen sehr flachen Wurzelteller und fallen leicht um“, sagt Gerhard Schumacher, der Neuenrader Kämmerer. Das Aufforstungskonzept sehe vor, dass auf dem Kohlberg jetzt auch Laubbäume gepflanzt werden, die tiefer wurzeln. Auch die Douglasie – ein Nadelbaum – sei resistenter gegenüber Umwelteinflüssen. Außerdem wachse sie schneller als die Fichte, erklärt Schumacher: „Die Douglasie bringt nach 60 Jahren die gleiche Holzmenge wie die Fichte nach 80 Jahren.“

Bis die neu aufgeforsteten Flächen Ertrag bringen, wird es noch lange dauern: Mindestens 25 Jahre rechnet Gerhard Schumacher, ehe die Stadt auf den neu angepflanzten Kyrillflächen verwertbares Holz schlagen kann. „Ich bin froh, wenn sich der Wald in den nächsten Jahren selbst trägt“, sagt Schumacher. Denn die Pflege der jungen Bäume sei teuer, erklärt der Kämmerer: „Andere Pflanzen wie Birke, Ginster, Brombeere und Farne wachsen schneller und dichter. Die angepflanzten Bäumchen müssen deshalb regelmäßig freigeschnitten werden.“ Diese Arbeit sei besonders aufwendig, weil die sogenannte Begleitvegetation auf den kahlen Flächen gut wachsen könnten: Von einer „Nährstoffexplosion im Waldboden“ spricht Schumacher, weil durch die toten Kyrillbäume besonders viel Biomasse zerfallen sei.

Doch nicht nur die teure Handarbeit bei der Baumpflege ist schuld daran, dass die Stadt im Moment nicht viel mit ihrem Wald verdienen kann: Es steht einfach nicht viel Holz für den Verkauf zur Verfügung. Das ist umso ärgerlicher, als die Preise derzeit so hoch sind wie lange nicht mehr: 35 Euro Nettoerlös konnten zu Kyrillzeiten pro Festmeter Holz erzielt werden. „Heute bekommen wir für die gleiche Menge 75 bis 80 Euro“, sagt Schumacher.

Der Grund für diese veränderte Marktlage ist das Verhältnis von Angebot und Nachfrage. „Direkt nach Kyrill war der örtliche Markt überschwemmt“, erinnert sich der Kämmerer. „Holzaufkäufer aus Österreich, Frankreich und der Schweiz haben die Situation ausgenutzt.“ In den Sägewerken der Region habe man die großen Holzmengen nach dem Sturm gar nicht unterbringen können. Auch jetzt sei die Nachfrage immer noch sehr groß, sagt Schumacher: „Holz ist ein begehrter Rohstoff und wird immer wieder von Brennholzinteressenten nachgefragt.“

Der Wald ist und bleibt also eine wichtige Einnahmequelle für die Stadt. „Wir machen ja Forstwirtschaft“, betont auch Franz-Josef Stein den finanziellen Aspekt. Deshalb ist es für ihn umso wichtiger, sich auf die Gegebenheiten der Zukunft einzustellen. Doch angesichts des erwarteten Klimawandels ist das nicht so einfach, erklärt der Förster: „Bisher lautete die Prognose immer, dass in Mitteleuropa in den Sommermonaten deutlich geringere Niederschlagsmengen erwartet werden. Ein niederländisches Forschungsinstitut hat jetzt aber angekündigt, dass es mehr Niederschlag geben wird.“

Sich auf beide Möglichkeiten einzustellen und damit auch noch Geld verdienen zu können, wird die Herausforderung für die nächsten Jahre sein. „Mit Kiefern würden wir auf Nummer sicher gehen, die können alles ab“, erklärt Franz-Josef Stein. „Aber da ist das Verwendungsspektrum nicht so breit.“ Deshalb sei hier die „monetäre Ertragskraft“ auch nicht so hoch. Der Förster setzt jetzt auf einen Mix aus Douglasien und Fichten: „Wenn es trockener wird und die Fichte nicht mehr mitspielt, kann man die Fichten entnehmen und ein Gerüst aus Douglasien bleibt“, sagt Stein. Mit diesem breiten Spektrum wolle man flexibel bleiben. ▪ Constanze Raidt

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