Unwetter: Urlauber aus Affeln in Frankreich evakuiert

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Die französische Feuerwehr bringt hier gerade Kinder in Sicherheit.

Vais/Affeln– Evakuierungsmaßnahmen, Zwangsübernachtung in öffentlichen Gebäuden: Die meisten kennen so ein Szenario nur aus dem Fernsehen oder aus Feuerwehrübungen. Doch drei Urlauber aus Affeln mussten das in der vergangenen Woche live erleben.

Sie wurden bei ihrem Urlaub im französischen Vias evakuiert. Blitze, ohrenbetäubender Donner und Regen wie ein Wasserfall – es war eine heftige Mittwoch-Nacht vom 22. auf den 23. Oktober auf dem französischen Campingplatz. 

Der andere Morgen offenbarte für die drei Frankreichurlauber aus Affeln aber zunächst nicht all zu Schlimmes. „Ein paar tiefe Pfützen waren zu sehen“. Doch nur wenig später wurden Andrea Kellermann-Michels, Ehemann Jürgen, Tochter Feena und der Familienhund mit allem Zip und Zap evakuiert, denn mehr Hochwasser drohte. 

Und nur dem erhöhten Standort ihres Mobilheims hatten sie es zu verdanken, dass sie nicht so betroffen waren. Andere hatten weniger Glück. Und weil sie von ihrer Freundin Marion Wolf, die selbst auch mit zwei Kindern vor Ort war, vorgewarnt worden war, welche kurz zuvor in Sicherheit gebracht worden war, konnte Andrea Kellermann-Michels wenigstens noch Sachen packen und anderes hochlegen, bevor die französischen Behörden / Helfer dann tatsächlich anklopften. 

Im Hochwasser die Tochter huckepack

Um 13 Uhr hieß es mitkommen. Wie die Affelner feststellten, hatte das Unwetter dafür gesorgt, dass das Familien-Auto bis zur Tür schon unter Wasser stand, und das Wasser im nebenan fließenden Kanal schon einen bedrohlichen Stand erreicht hatte. Die Familie marschierte los. 

Hochwasser: In Frankreich evakuiert

Teilweise war das Wasser je nach Bodenbeschaffenheit so tief, dass es dem großgewachsenen Jürgen Kellermann bis zur Hüfte reichte. Alle behielten die Nerven. Zudem: „Mein Mann ist die Ruhe selbst.“ Die Feuerwehr jedenfalls setzte Radlader, Feuerwehrautos und Rettungsboote zur Evakuierung ein. 

Während sich Andrea Kellermann-Michels mit ihrer huckepack genommenen Tochter und dem Hund an der Leine selbst in Sicherheit bringen konnte, habe die französische Feuerwehr manch Kind und Baby samt Baby-Schale ins Trockene bringen müssen, erinnert sich die Urlauberin.

Übernachtung im Theater

Feuerwehr und Campingplatzmitarbeiter brachten rund 250 Bewohner dann in einem Theater unter – die französische Presse berichtet sogar von insgesamt rund 500 Menschen – wo sie verpflegt und unterstützt vom Roten Kreuz – die Nacht verbringen mussten. 

Nun lernten die drei Affelner Frankreich auch aus anderer Perspektive kennen. Sie hatten unfreiwillig Gelegenheit, die französische Katastrophenhilfe zu testen. „Die Franzosen sind sehr gut organisiert. Das hat wirklich gut geklappt.“ 

Die Evakuierten wurden mit belegten Baguettes versorgt. Es gab kalte und heiße Getränke, sogar Chips und andere Genussmittel. Eins fand Andrea Kellermann-Michels besonders gut: „Regelmäßig wurden die Leute informiert, auf Französisch und Englisch. Die notwendigesten Infos hatte man daher“. 

Zudem war ein Französischlehrer dabei, den habe sie zur Sicherheit gefragt, ob sie den alles richtig verstanden habe. Am Ende gab es – zumindest für Andrea Kellermann-Michels – doch eine Sache, mit der sie nicht zurechtkam. „Ich habe die ganze Nacht kein Auge zugetan“. 

An Schlaf zusammen mit mehreren hundert Leuten in einem Raum, bei Hustengeräuschen, Schniefen und Schnarchen und den vielen Ausdünstungen, das sei nicht ihre Sache. Anderntags durften alle in ihr Mobilheim zurück. Die Schäden hielten sich in Grenzen. Auch nach einer weiteren Flutwelle habe niemand vor Ort Schaden erlitten. 

Einige Wohnwagen unter Wasser

Einige Wohnwagen hätten unter Wasser gestanden. Das Auto der Affelner war nicht vollgelaufen und sprang problemlos an – die Familie konnte sich in Ruhe auf die Heimfahrt begeben. 

Sicher ist auch: Sie werden wieder dort ihre Ferien verbringen. Familie Kellermann macht schon zum vierten Mal den Urlaub auf dem Fünf-Sterne-Campingplatz im südfranzösischen Vias. „Eine tolle Anlage, paradiesisch ist es dort, es gibt Pools, sogar eine eigene Lagune“, schwärmt Andrea Kellermann-Michels. Kinder hätten zudem dort viele Möglichkeiten. 

Die Familie wohnte in einem luxuriösen Mobilheim mit zwei Schlafzimmern und einem eigenen Bad. Der südfranzösische Ort Vias liegt direkt an der Mittelmeerküste am Golf von Lion, in der Nähe von Béziers und ist eine gute halbe Autostunde von Montpellier entfernt.

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