CDU, SPD, FWG, FDP und Grüne in Neuenrade

Fragen an die Parteien: Ist Neuenrade bei der Gesundheitsversorgung mit dem MVZN auf dem richtigen Weg?

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Medizinisches Versorgungszentrum Neuenrade, Zweite Straße 1.

Neuenrade - Es war das beherrschende Thema der vergangenen beiden Jahre in Neuenrade. Denn mit der Überalterung der Ärzteschaft und fehlenden Nachfolgelösungen zeichnete sich für die Stadt Neuenrade schon länger ein ernsthaftes Problem für die Gesundheitsversorgung ab. Das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) – ein Pilotprojekt in NRW – entstand in Neuenrade. Ist damit alles nun in Ordnung? Mit maximal 1500 Zeichen konnten die zur Kommunalwahl in Neuenrade antretenden Parteien (CDU, SPD, FWG, FDP und Grüne) folgende Frage beantworten: Sicherung und Ausbau der Gesundheitsversorgung. Ist Neuenrade auf dem richtigen Weg?

CDU: Mit Pilotprojekt MVZ auf dem richtigen Weg

Das Problem war immens: Alle Ärzte waren deutlich über 60, einige sogar über 70 Jahre. Teilweise planten sie, sich zur Ruhe zu setzen, einige haben es bereits getan. Jeder Allgemeinmediziner versorgt mehr als 1000 Menschen pro Jahr. Fällt einer aus, sind also mindestens 1000 Neuenrader Bürger schlagartig ohne Allgemeinmediziner.

Das daraus entstehende Versorgungsrisiko war sehr hoch, vor allem ältere Menschen hätten darunter gelitten. Hier bestand Handlungsbedarf und wir haben es angepackt. Folgende drei Punkte waren notwendig, um aus dieser Misere zu kommen:

1. CDU-Antrag zur Vermittlungsprämie über 10 000 Euro für jeden neuen Arzt.

2. CDU-Antrag zur Gründung des kommunalen Medizinischen Versorgungszentrums.

3. Unterstützung vom CDU-Landesgesundheitsminister.

Das alles hat in Kombination miteinander dafür gesorgt, dass jetzt zwei neue Ärztinnen hier praktizieren. Zukünftig können sogar Teilzeitstellen angeboten werden, das ist vor allem für die Work-Life-Balance von jungen Medizinerinnen interessant. Was sind die nächsten Schritte? Bald werden neue hochmoderne Räumlichkeiten Hinterm Wall bezogen und auch die Öffnungszeiten werden sukzessive erweitert.

Um die Versorgung langfristig zu sichern, ist die Vermittlungsprämie weiterhin verfügbar, so gewinnen wir noch mehr Ärzte. Einige Kommunen haben uns gefragt, wie wir das alles geschafft haben, denn es ist ein Pilotprojekt in NRW und sie wollen das jetzt auch in ihren Städten. Das beweist: Ja, Neuenrade ist auf dem richtigen Weg.

SPD: Reichlich Nachbesserung beim MVZ nötig

Wir sind froh, dass die frühzeitigen Initiativen der SPD-Fraktion zum Thema Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) in der Neuenrader Politik aufgegriffen wurden. Über die tatsächliche Umsetzung sind wir alles andere als froh. Entstanden ist leider nur eine städtische Arztpraxis mit dem Titel Medizinisches Versorgungszentrum. Baulich sollte ein MVZ für alle Bürger barrierefrei zu erreichen sein.

Darauf verzichtete die Ratsmehrheit. Eine MVZ-Immobilie sollte Möglichkeiten für bauliche und organisatorische Erweiterungen bieten. Zusätzlicher Bedarf bei der Gesundheitsversorgung ist ja keine Überraschung, wenn man den demografischen Wandel zur Kenntnis nimmt. Auch das wurde nicht berücksichtigt.

Es wurde die Chance vertan, mit externem Sachverstand Zukunftsfähiges zu schaffen. Die Möglichkeit war da. Überregionale Aufmerksamkeit gab es, zum Beispiel im NRW-Gesundheitsministerium. Zu der von uns initiierten Podiumsdiskussion reisten sogar Experten aus anderen Bundesländern an. Wir bedauern sehr, dass die Mehrheitsfraktion nicht nach einem Ergebnis gesucht hat, das möglichst breite Zustimmung findet. Stattdessen mussten wir einen anderen Eindruck gewinnen.

Lokale parteipolitische Aspekte der Mehrheitsfraktion im Neuenrader Rat wurden einer zukunftsweisenden Lösungssuche vorgezogen. Jetzt steht reichlich Nachbesserung an. Wir fürchten, es geht unerfreulich weiter, wenn sich bei der Wahl nichts ändert. Für uns steht fest: Beim Thema MVZ hat die absolute Mehrheit Neuenrade nicht gut getan.

FWG: Sind auf richtigem Weg – es bleibt aber viel zu tun

Eine gute ärztliche Versorgung in Neuenrade ist ein wichtiges Anliegen der FWG. Zahlreiche Ärzte in Neuenrade sind bereits im Rentenalter und suchen Nachfolger. Die FWG hat im Januar 2018 eine „Werbeoffensive“ und eine Kooperation mit unseren Nachbarstädten angeregt.

Die frühere Idee einer anderen Oppositionspartei, ein MVZ zu gründen, wurde aufgegriffen und in völlig ungeeigneten Räumen eines CDU-Ratsherrn zum Jahresbeginn eröffnet. Durch gemeinsamen Druck der Opposition und aus der Öffentlichkeit wurde letztendlich entschieden, in einen barrierefreien Neubau im Bereich des Lidl-Marktes umzuziehen. Damit sind wir auf einem guten Weg.

Wenn es dem Vorstand, den Herren Gerhard Schumacher und Daniel Wingen, noch gelingt, den bereits im ersten Nachtragshaushalt angekündigten Verlust von knapp 80 000 Euro zu vermeiden, wäre diese Einrichtung ein echtes Plus für Neuenrade. Allerdings geht es noch immer darum, den Neuenrader Ärzten und dem MVZ bei der Suche nach Nachfolgern durch eine Werbeoffensive aktiv zu unterstützen.

Dazu ist es auch nötig, potenzielle Ärzte anzusprechen und auf frei werdende Praxen und das attraktive Wohnumfeld hinzuweisen. Dabei können unsere guten Schulen, kulturelle Angebote, die Sportmöglichkeiten, der hohe Freizeitwert und die Nähe zu den großen Einkaufsstädten die Entscheidung positiv beeinflussen.

Fazit: Wir sind auf dem richtigen Weg – aber es bleibt noch viel zu tun, denn auch die Dörfer dürfen bei der medizinischen Versorgung nicht vergessen werden.

FDP: Barrierefreies, modernes MVZ als Basis

Die Sicherung und der Ausbau der Gesundheitsversorgung sind wichtiger denn je. Kommunen leiden unter Ärztemangel. Krankenhausschließungen erschweren die Versorgung auf dem Land.

Das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) ist daher ein guter Baustein in der Gesundheitsversorgung Neuenrades. Wir müssen die Stadt so attraktiv gestalten, dass sich auch junge Ärzte vorstellen können, hier zu leben und auf Dauer zu praktizieren. Es sollten unter anderem moderne, optisch ansprechende Praxisräume zur Verfügung stehen.

Dafür ist ein Mix aus Finanzanreizen, minimalere Bürokratie und einer interessanten Freizeitgestaltung in der Stadt zwingend. Denn nur wer sich an einem Ort wohlfühlt, ist auch bereit, sich dort niederzulassen. Auch eine bessere Bezahlung für „Ärzte auf dem Land“ gilt es zu diskutieren. Das Ziel eines MVZ ist es, Ärzte einzustellen, damit sie zum Beispiel die Risiken der Selbstständigkeit nicht auf sich nehmen müssen.

Denn dieses Risiko wird auf die Betreibergesellschaft des MVZ verlagert. Im Falle einer Anstalt Öffentlichen Rechts (AÖR) – wie in Neuenrade – trägt dies der Steuerzahler.

Für eine gute Gesundheitsversorgung ist ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen angestellten Medizinern und selbstständigen, länger ortsgebundenen Ärzten nötig. Wir sind froh, dass der Standort des MVZ nun im Neubau Hinterm Wall etabliert wird und sich dort weitere Ärzte ansiedeln.

So entsteht – auch durch das Einwirken der Oppositionsparteien – ein barrierefreies MVZ. Darauf muss man aufbauen, um die Versorgung auch langfristig zu gewährleisten.

Grüne: Landarzt-Idee im MVZ mit einbinden

Das Modell Landarzt ist nicht mehr zeitgemäß. Ärztinnen und Ärzte wollen ihren Beruf mit ihrem Familienleben vereinbaren können. Das ist in einem kleinen Ort wie Neuenrade nicht so einfach. Die Attraktivitat und das Interesse für eine Ärztin oder Arzt ist ohne MVZ gering.

Ja, das nun mögliche Konzept mittels eines Medizinischen Versorgungszentrums als Anstalt des öffentlichen Rechts als Träger, ist der richtige Weg in die Zukunft der Gesundheitsvorsorge in Neuenrade! Nur so besteht die Chance, Ärztinnen und Ärzten einen attraktiven Arbeitsplatz im Angestelltenverhältnis zu bieten, wo er von Finanzierung und Verwaltung befreit ist.

Mittelfristig müssen die Angebote ohne lange Fahrwege zentral zusammengeführt sein. Lange Wege sind für das Älterwerden von uns Neuenradern schwer zumutbar. Ein Fahrdienst und Hausbesuche in der Idee des Landarztes sind notwendig. Qualifiziertes Personal, Mittel und Räumlichkeiten mit barrierefreiem Zugang sind unabdingbar.

Die digitale Sprechstunde muss Teil des MVZ sein. Präventionsmaßnahmen, Pflege, Beratungsstelle, Sterbebegleitung, Hebammen, etc. sind im MVZ anzubieten. Angebote zu Themen wie Ernährung, Allergien, Antibiotika in Lebensmitteln und Corona-Beratung können hier Platz finden.

Wir, als Bündnis 90/Die Grünen, wollen uns intensiv in den Gremien mit unseren erfahrenen und qualifizierten Grünen dafür einsetzen: MVZ schont die Umwelt, schafft Arbeitsplätze am Ort um für uns Neuenrader eine bessere Gesundheitsvorsorge zu ermöglichen.

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