Streit um Aufforstung nach Kyrill landet vor Gericht

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Neuenrade - 80 Hektar Waldfläche sollte ein Dienstleister im Auftrag der Forstbetriebsgemeinschaft nach Sturm Kyrill wieder aufforsten. Dann gab es Streit. Nun landete der Fall vor Gericht.

Riesige Schäden richtete der Sturm Kyrill im Januar 2007 in den Wäldern rund um Neuenrade an. Die Forstbetriebsgemeinschaft Altena-Neuenrade beauftragte 2008 einen Unternehmer mit der Wiederaufforstung von 80 Hektar Waldflächen.

Für einen Betrag von 250.000 Euro hatte der Dienstleister ein Gesamtpaket angeboten, das die Vorbereitung der Flächen, die Bepflanzung mit Bäumen und Garantien für deren Anwachsen umfasste.

Danach gab es Streit: Um die genaue Größe der bepflanzten Waldgebiete, um das Absterben neu gepflanzter Bäume, um Verbissschäden und Schädlingsbefall. Ein verantwortlicher Mitarbeiter hielt einen Teilbetrag der zu zahlenden Summe zurück, weil die bepflanzte Fläche aus seiner Sicht zu klein war. Außerdem seien weniger als die vereinbarten Bäume gepflanzt worden.

Klage um 80.000 Euro

Der Unternehmer hielt dagegen: Er versicherte, dass er die Fläche korrekt ausgemessen habe. Die hohen Verluste an neu gepflanzten Bäumen gingen aus seiner Sicht auf unzureichenden Schutz vor Schädlingen, die Lieferung zu großer Bäume und mangelnde Pflege zurück.

2009 verklagte er die Forstbetriebsgemeinschaft Altena-Neuenrade (FBG) auf einen Betrag von etwa 80.000 Euro. Das Verfahren im Landgericht Hagen wurde bald darauf durch die Insolvenz des Forstunternehmens unterbrochen. Damit lief auch die dreijährige Frist für die Wiederaufnahme des Rechtsstreits zunächst nicht weiter.

Entscheidende Frage um die Verjährung

Doch das Insolvenzverfahren endete im Februar 2013. Danach hätte die dreijährige Verjährungsfrist – abgesehen von ein paar Wochen – eigentlich weiterlaufen müssen, erklärte Rechtsanwalt Dr. Gert Commandeur. Er vertritt die Interessen der Forstbetriebsgemeinschaft.

Im Landgericht Hagen, wo der Unternehmer seit Juli 2017 die Weiterführung des Rechtsstreits betreibt, wurde diese Frage zu einer entscheidenden.

Rückblick: Neuenrade nach Sturm Kyrill

Beim jüngsten Aufeinandertreffen der Kontrahenten konnte sie allerdings nicht sofort beantwortet werden. Denn des Forstunternehmers Rechtsanwalt, Günter Moers, trug vor, dass die Frist erst an jenem Tag begann, als das Gericht Kenntnis vom Ende des Insolvenzverfahrens erhielt. Und das war erst im Sommer 2017.

Aber auch in der Sache zeigten sich weiterhin große Differenzen zwischen den Prozessgegnern: Dr. Gert Commandeur verwies darauf, dass der Kläger seine Forderungen bereits um eine große Fläche reduziert habe.

Einig wurden sich die Beteiligten nicht

Rechne man den dafür veranschlagten Betrag von der geforderten Summe ab, ergebe sich sogar ein Guthaben für die FBG. Der Streit, wer wann für wen welche Leistungen mit welchen Rechtsfolgen und Zahlungsverpflichtungen vereinbart hatte, zog sich eine Weile hin. Einig wurde man sich nicht.

Es gab aber sehr ernstzunehmende Hinweise darauf, dass am Ende wohl kaum mehr übrig bleiben werde als jene Kosten, die ein umfangreiches Gutachten zu all den strittigen Fragen verursachen würde.

Richterin Paul mahnte, „ob man das wirklich alles machen will?“. Dr. Commandeur ergänzte die voraussichtlichen Kosten für ein solches Gutachten: „15.000 Euro als Minimum.“

Es geht nicht nur ums Geld

Der Forstunternehmer machte deutlich, dass er sich mittlerweile von dem Insolvenzverfahren erholt und deshalb durchaus die Mittel habe, um den Rechtsstreit – wenn nicht verjährt – fortzuführen. „Ich bin entschlossen durchzuhalten.“ Aber geht es wirklich noch um Geld? „Ich bin zutiefst in meiner Ehre verletzt“, nannte der Kläger einen ganz anderen Grund für den Streit.

Ob das Landgericht allerdings der richtige Ort ist, um deutlich zu machen, dass der Forstunternehmer „ein Kleinunternehmer ist, der eine Tip-top-Arbeit abliefert“, scheint eher zweifelhaft. Die behauptete wirtschaftliche Gesundung böte ja ganz andere Gelegenheiten in diversen Wäldern, die eigenen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen.

Die Richterin muss nun zunächst die Frage der möglichen Verjährung beantworten. In der Sache sah sie keinerlei Chancen zu einer Lösung der strittigen Fragen: „Es wird festgestellt, dass eine gütliche Einigung nicht möglich ist“, diktierte sie ins Aufzeichnungsgerät.

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