Förster schlägt Alarm: Das Sauerland wird sich verändern

+
Mitglieder des Ausschusses für Umweltschutz und Forsten informieren sich über den Zustand des Waldes.

Neuenrade – „In zehn Jahren wird das Sauerland nicht mehr so aussehen, wie es die Menschen bislang gewohnt sind.“ Da ist sich Revierförster Frank Bossong ziemlich sicher.

Der Grund: Waldareale werden einfach fehlen, weil der Borkenkäfer die Fichtenbestände weitgehend zerstört haben wird. Die Folgen sind zumindest für Waldbesitzer wirtschaftlich dramatisch. Auch der Stadt Neuenrade gehört jede Menge Wald – und darum wird auch die Stadt mit den wirtschaftlichen Folgen zu kämpfen haben. 

Deshalb stellt die Stadt für ihren Waldbesitz keinen Wirtschaftsplan mehr auf, denn selbst die Rahmendaten, welche die Verwaltung präsentiert hatte, sind schon wieder hinfällig. Das wurde im Rahmen eines Ortstermins in Affelner Waldbeständen, sowie bei der anschließenden Sitzung des Ausschusses für Umweltschutz und Forsten erläutert. Die positiven Zahlen, die man durch einen guten Laubholzstammverkauf erlangt hatte, sind „inzwischen wieder aufgebraucht“. 700 Festmeter Schadholz verzeichnete der Förster. Lediglich einzelne Maßnahmen (Wiederaufforstung, Schutz von Setzlingen) sollen in den Haushaltsplan eingestellt werden – anstelle eines Wirtschaftplans. Hinzu kommt weiteres Ungemach: „Auch das Laubholz macht uns zunehmend Sorgen.“ 

Forstleute fühlen sich "wie im Hamsterrad"

Doch vordringlich kümmern sich die Forstleute um die noch vorhandenen Fichtenbestände. Um die Ausbreitung des Borkenkäfers zu verhindern, müssen befallene Bäume flott gefällt und verarbeitet werden. Die Forstleute kommen kaum nach mit der Arbeit. „Trotz aller Bemühungen fühlen wir uns wie in einem Hamsterrad. Der Waldboden ist wegen der beiden Dürrejahre einfach zu trocken.“ Ein paar Borkenkäferweibchen würden ausreichen, „um den Stamm zu ringeln und abzutöten“. 

Das führt zu einem Überangebot auf dem Holzmarkt. Der Preisverfall ist dramatisch. Knapp 50 Euro zahlt das Sägewerk für den Festmeter frisches Käfer-Fichtenholz – wenn es denn überhaupt die Stämme annimmt. Einzige Absatzmöglichkeit sei daher der Export, erläuterte Bossong. Bei durchschnittlichen Arbeits- und Rückekosten von rund 23 Euro plus Forstamt-Anteil, Vermarktungskosten und Neuanpflanzungen, bleibe nichts oder nicht genug übrig. Containerware bringt sogar nur 44 Euro. Auf Preisfestsetzungen für längere Zeit lasse sich zudem kein Holzvermarkter ein, hieß es von Julia Böning, stellvertretende Forstamtsleiterin, die den Ausschuss am Mittwoch begleitete. 

Wie sieht der Wald der Zukunft aus?

Angesichts der aktuellen Situation und den sich offensichtlich verändernden klimatischen Rahmenbedingungen ging es um die Frage, wie denn der Wald der Zukunft aussehen könnte. „Was machen wir in Zukunft, welche Baumarten nehmen wir oder lassen wir die Natur machen?“ Diese Fragen stellte Bossong in Begleitung von Revierförster Franz Josef Stein. Kritisch sieht Bossong es, die Kahlflächen sich selbst zu überlassen. Zumindest sei das keine Option für einen Wirtschaftswald. Schützenhilfe gab es von Julia Böning, die darauf hinwies, dass bei einer Naturüberlassung auch die CO2-Bindung durch heranwachsende Bäume später erfolge. 

Kämmerer Gerhard Schumacher verwies angesichts des Reviers in Affeln auf die Rekultivierung der Kohlbergflächen nach Kyrill. Da gebe es einen Mix aus Fichten, Douglasien und Laubhölzern. Letztlich müsse der Ausschuss entscheiden, was mit den Käfer-Flächen werden soll. Auch hier sieht Bossong eine Zukunft in der Vielfalt: Der Wald der Zukunft ist an den Standort angepasst. Dass das einen höhren Aufwand bedeutet, vor allem, was den Schutz vor Verbiss anbelangt, sollte zudem jedem Verantwortlichen klar sein. „Zum Nulltarif ist der Wald von Morgen nicht zu haben“, sagte Bossong. 

Rehverbiss droht

Sollten entsprechende Aufforstungen geplant werden, so müsse vor dem Hintergrund des wahrscheinlichen Rehverbisses verstärkt mit allen Beteiligten und eben auch mit den Jägern gesprochen werden. Nur dann könne das auch funktionieren. Möglicherweise stellten sich auch versicherungsrechtliche Fragen, eine Verlagerung der Verantwortung von Jägern auf Grundstückbesitzer sei bei Wildschäden in der Diskussion. 

Auch der Staat soll künftig eine wichtige Rolle spielen. Forstbetriebsgemeinschaften können Förderanträge wegen Extremwetterfolgen und weitere staatliche Zuschüsse beantragen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare