Flüchtlingshilfe Neuenrade: Keinerlei Anfeindungen

+
Sandra Horny leitet die Stadtbücherei und das Zentrum für Integration, Lesen und Sprache.

Neuenrade - Der Messerangriff auf Altenas Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein, dem wahrscheinlich fremdenfeindliche Motive zugrunde liegen, hat in Neuenrade auch jene geschockt, die in Sachen Flüchtlingshilfe tätig sind.

Dazu gehört Sandra Horny. Sie leitet nicht nur die Bücherei, sondern auch das dort angesiedelte Zelius, das Zentrum für Lesen, Integration und Sprache. Es ist ein Konstrukt, das schon vor der Flüchtlingswelle in Neuenrade installiert wurde, um die Integration zu fördern.

 Hier finden nun laufend Sprachkurse statt, es ist ein Ort der Begegnung, ein Umschlagsplatz für Hilfe. Hier kümmern sich quasi jeden Tag Menschen um Menschen, hier werden Möbel vermittelt, Probleme besprochen, hier gibt es Hilfe, die vor allem sachlich orientiert ist, hier wird übersetzt, hier gibts beim Begegnungscafé ‘Come-together’ Kaffee und Kuchen, hier begegnen sich Einheimische und Flüchtlinge, hier gibt es Kontakte. Es gibt einen Konsens in Neuenrade und den Ortsteilen im Umgang mit der Flüchtlingssituation. Geradezu bespielhaft funktioniert in Neuenrade die Arbeit mit den Flüchtlingen – mit all ihren Facetten: Mit Enttäuschungen, mit schönen Geschichten, mit Bürokratie, mit Schicksalen, mit Missverständnissen.

Und Sandra Horny steht hier durchaus im Fokus. Unabhängig davon war sie „geschockt“, als sie am Montagabend von dem Angriff auf Altenas Bürgermeister und dem mutmaßlichen Motiv hörte. Horny: „Altena ist sehr nah“. Gleichwohl halte sie den Angriff für eine „einmalige Aktion in dieser Intensität“. Aber sie sei schon besorgt. Und natürlich sei am anderen Morgen im Zelius unter den Kollegen über den Messerangriff auf Dr. Hollstein gesprochen worden.

Doch bei den Flüchtlingen sei das gestern Mittag nicht thematisiert worden, möglicherweise hätten die es auch noch gar nicht mitbekommen. Auch von den Ehrenamtlern habe sie noch nichts gehört. Schulung im Umgang mit rechten Parolen Dass sie in ihrer Rolle schon einmal Anfeindungen ausgesetzt gewesen ist, verneint Horny. „Es gab keine Anfeindungen, nie“.

Dennoch sind Sandra Horny und ihr Team, aber auch ihre ehrenamtlichen Mitstreiter durchaus geschult, wenn es um den Umgang mit Stammtischparolen und dergleichen geht. Da gab es im vergangen Sommer eine Schulung, wie man mit rhetorischen Mitteln damit umgeht. Es gab ein Training mit Rollenspielen. So könne man den rechten Parolen mit direkten Nachfragen begegnen oder auch mit Schockfragen parieren, erläuterte Sandra Horny. Eine weitere Schulung habe es auch im Umgang mit anderen Radikalen gegeben, zum Beispiel im Umgang mit dem Salafismus.

Auch Neuenrades Bürgermeister Antonius Wiesemann hat nach eigener Aussage bislang nicht mit Anfeindungen im Zusammenhang mit dem Thema Flüchtlinge zu tun gehabt. Von dem Angriff auf seinen Altenaer Amtskollegen zeigte er sich gestern erschrocken. In Neuenrade sei die Debatte aber bislang deutlich weniger aufgeregt geführt worden als in der Nachbarstadt. Er könne nach wie vor ohne Angst durch Neuenrade gehen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare