Großer Anteil an Geduldeten

Flüchtlinge: So ist die Situation in Neuenrade

In Neuenrade leben derzeit 39 Asylbewerber.
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In Neuenrade leben derzeit 39 Asylbewerber.

Kurt Maurer kümmert sich schon lange um Flüchtlinge in Neuenrade. So weiß er über den einen oder anderen längst gut Bescheid.

Da ist zum Beispiel jener aus einem westafrikanischen Staat, der schon seit 20 Jahren in Neuenrade weilt, er gehört zu den Geduldeten. Das sind die, welche „eigentlich abgelehnt“ sind, bei denen aber ein Klageverfahren läuft oder bei denen es ein Abschiebestopp gibt.

Die Stadt kümmert sich um die finanzielle Versorgung dieser Menschen und bezahlt je nach Aufenthaltsdauer auch einen bestimmten, dem Hartz-IV-Satz annäherndem Betrag. Wer länger als 18 Monate hier verbringt, erhält rund 430 Euro plus Unterkunft. 26 Geduldete leben derzeit in Neuenrade – nicht alle natürlich so lange wie der Westafrikaner.

Aufnahmequote liegt bei 94 Prozent

Neuenrade erfüllt die Aufnahmequote für Asylbewerber derzeit zu 94 Prozent. Der aktuelle Bestand beträgt 39 Menschen. „Zwei müssten wir noch aufnehmen,“ sagt Maurer. Die Menschen, mit verschiedenen Stadien des Aufenthaltsrechtes – vom Geduldeten bis hin zum Asylbewerber –, stammen buchstäblich aus aller Herren Länder. Maurer zählt auf: „Iran, Irak, Mali, Eritrea, Nigeria, Ghana, Syrien, Bangladesch, Türkei, Togo und aus Afghanistan.“ In keinem der Länder lässt es sich offensichtlich ohne Gefahr für Leib, Leben und Familie leben.

Die Kommunikation ist nicht immer einfach. Auch nach langem Aufenthalt würden manche noch sehr schlecht Deutsch sprechen. Vor allem sind es Familien, die in Neuenrade aufgenommen wurden. „Nur fünf oder sechs Singles sind dabei“, erklärt Maurer. Die Familien lebten über das Stadtgebiet verteilt und verfügten über eigene Wohnungen. „Die Übergangsheime sind daher überwiegend leer.“ Nur in dem Mehrfamilienhaus lebe eine türkische Familie.

Großteil der Flüchtlinge kam schon 2015

Unter dem Strich sei es unter Corona-Bedingungen sogar gut, dass es sich derzeit nicht drubbeln würde. Dann bestehe weniger Infektionsgefahr, sagte Maurer. Der Großteil der Geflüchteten stamme noch aus der ersten Welle von 2015. Dann gebe es noch ein paar, die im Jahr 2019 nach Neuenrade gekommen seien. Schwierig sei es mit Arbeit. Ein Teil dürfe gar nicht arbeiten, ein anderer Teil finde nicht unbedingt Arbeit. Ihm sei jedenfalls kein Fall bekannt, dass jemand einer regelmäßigen Arbeit nachgehe. Ärger gebe es nie. „Das sind alles ordentliche Leute“, sagt Maurer.

In Neuenrade kümmern sich Ehrenamtliche um die Menschen. Zudem gibt es das Zentrum für Lesen, Integration und Sprache (Zelius) in der Bücherei. Das Angebot ist coronabedingt eingeschränkt.

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