„Modelle haben sich bewährt“

Flexible Arbeitszeiten bei der Firma Schniewindt

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Dr. Sarah Schniewindt, Geschäftsführerin der Firma Schniewindt, und Julia Buckert, Mitarbeiterin, erläuterten gemeinsam die Arbeitszeitenregelungen in dem heimischen Unternehmen.

Neuenrade - Vor Kurzem fand im Kaisergarten die Delegiertenversammlung der IG-Metall statt. Dabei standen vor allem die Themen Arbeitszeit und Digitalisierung der Arbeitswelt im Mittelpunkt. 

„Arbeitszeit muss wieder mehr Thema in den Betrieben werden“, forderte Torsten Kasubke, zweiter Bevollmächtiger des Kreisverbandes nach der Versammlung. Dass sich Arbeitgeber bereits mit diesen Themen beschäftigen, zeigt ein Blick auf das Unternehmen Schniewindt. 

Arbeitszeit selber einteilen

Bereits seit mehreren Jahren gibt es dort ein Funktionszeiten-Modell. Mitarbeiter könnten dank diesem ihre Arbeitszeit weitestgehend selber einteilen, sagt Julia Buckert aus der Personalabteilung. 

Wichtig dabei: Die Funktion einer jeden Abteilung müsse gesichert und immer eine Mindestzahl an Beschäftigten am Arbeitsplatz sein. „Wenn am Mittag dann einer unserer Mitarbeiter einen privaten Termin hat, kann er dafür mit seiner Arbeit pausieren“, erläutert Mitarbeiterin Buckert. Diese Zeit könne dann einfach am Abend angehängt werden. Im Bezug auf die Arbeitszeiten und die Wünsche der Beschäftigten sei das Unternehmen dadurch sehr flexibel eingestellt. 

Auch das Thema Produktionsspitzen war während der zurückliegenden Delegiertenversammlung von der stellvertretenden IG-Metall-Vorsitzenden Christiane Benner angesprochen worden. 

Die Soziologin erklärte, dass sie verstehe, dass Produktionsspitzen auch Überstunden zur Folge hätten. Allerdings sollten diese bei einem Leerlauf auch wieder abgebaut werden dürfen, forderte die 48-Jährige. 

"Modelle haben sich bewährt"

Hierfür seien bei Schniewindt bereits Regelungen getroffen worden. So könne es bei entsprechenden Produktionsspitzen natürlich sein, dass sich die wöchentliche Arbeitszeit erhöhe. „Das entscheidet bei uns immer der jeweilige Meister“, betont Buckert. Wenn dann weniger zu tun sei, könnten die Angestellten selbstverständlich ihre Überstunden abbauen. „Diese Regelungen und Modelle haben sich bei uns bewährt“, betont Geschäftsführerin Dr. Sarah Schniewindt.

Die Idee von zuhause aus zu arbeiten, wie es die IG-Metall Funktionärin Benner vorschlug, findet sie indes nicht gut. „Meiner Meinung nach brauchen die Mitarbeiter das Netzwerk im Unternehmen, wie beispielsweise die Gespräche auf dem Flur.“ 

Dass sich die Firma Schniewindt auf die Wünsche der Beschäftigten einstellt, zeigt auch die Auszeichnung zum familienfreundlichen Unternehmen im Jahr 2014. So sei auch der Umstieg von Teil- auf Vollzeit und der von Voll- auf Teilzeit möglich. „Wir versuchen immer in privaten Gesprächen eine Lösung für die Wünsche unserer Angestellten zu finden“, bekräftigt die Geschäftsführerin. 

Wie wichtig das Thema Arbeitszeit sei, betont auch Dr. Bettina Schwegmann, Geschäftsführerin des Märkischen Arbeitgeberverbandes: Arbeitszeit sei für die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Unternehmen ein zentraler Faktor. Das bedeute aber auch, dass nicht nur die Wünsche der Betriebe, Mitarbeiter und Tarifpartner eine Rolle spielen würden, sondern auch die Wünsche der Kunden. 

Interessenausgleiche im Fokus

Konkret erklärte sie: „Flexibilisierung ist ein Maßanzug, der zwei Trägern passen muss: Dem Unternehmen, das wirtschaftlich arbeiten muss, und dem Mitarbeiter, der individuelle Gestaltungsräume, zum Beispiel für die Familie, braucht. Über solche neuen Interessenausgleiche müssen die Tarifpartner vor dem Hintergrund der zunehmenden Globalisierung und der Digitalisierung sprechen.“ 

Auch Geschäftsführerin Schniewindt sieht die Herausforderungen der Digitalisierung. Gleichzeitig sei diese aber auch eine große Chance für die Arbeitswelt. So würden beispielsweise neue Märkte entstehen. Dass sich die Berufe dabei verändern, sei durchaus Normalität. 

So habe es vor Jahrzehnten in der Buchhaltung beispielsweise auch noch Lochkarten gegeben. „Heutzutage läuft alles mit Hilfe des Computers“, führt die Geschäftsführerin weiter aus. Um diese Chance aber nutzen zu können, müssten sich die Unternehmen natürlich auch den anstehenden Herausforderung stellen, betont Schniewindt.

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