Flächen werden knapp: Grenzen des Wachstums in Neuenrade

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Freiflächen im innerstädtischen Bereich, wie hier im Bereich Hinterm Wall, werden zunehmend bebaut.

Neuenrade - Die Stadtentwicklung Neuenrades schreitet voran: Eine Nachverdichtung, wie die Stadtplaner es nennen, ist in vollem Gange.

Die laufenden Bauprojekte Hinterm Wall, Düsternsiepen, Dreieck Kantstraße/Uhlandstraße oder Ecke Gosekamp/Wieser Weg sind da zu nennen. Oder die nicht unwichtige Entwicklung Niederheide oder das Gelände des ehemaligen Unternehmens EFN an der Werdohler Straße. Zudem wurden viele Baulücken in der jüngeren Vergangenheit auch schon geschlossen. 

Die freien Grundstücke werden deshalb knapp in Neuenrade, das Angebot hält sich sehr in Grenzen. Gerade einmal zwei große Grundstücke, die mit mehr als 800 Quadratmetern auch nicht gerade ins aktuelle Häuslebauerschema passen, werden in Neuenrade aktuell über das Immobilienportal Immowelt angeboten. 

Kleinere Grundstücke eher bevorzugt

Doch, wie Marcus Henninger, Bauamtsleiter in Neuenrade, bestätigte, würden seiner Erfahrung nach auch eher kleinere Grundstücke bevorzugt. Immerhin an der Uhlandstraße ist noch etwas zu machen. Zwar sei jetzt viel verkauft, hieß es von OE Planung und Beratung GmbH, doch man habe noch Grundstücke im Angebot. 

Wer sich dafür interessiert, in Neuenrade Eigentum zu erwerben, ist daher auf Mundpropaganda oder Immobilien-Experten angewiesen. Denn es gibt zwar viele Freiflächen, doch faktisch ist das Angebot eben begrenzt, auch wenn sukzessive Flächen baureif gemacht werden. So bemüht sich die Verwaltung hilfreich zur Seite zu stehen, wenn es denn Anfragen von willigen Häuslebauern gibt. Dann wird auch Auskunft gegeben – aber nur, wenn wirklich ein berechtigtes Interesse vorliegt. 

Bauamt führt eine Liste

Zudem gibt es im Bauamt „eine Liste, wo vermerkt ist, ob ein Grundstück zum Verkauf steht oder nicht“, sagte Henninger. Doch ein regelrechtes Kataster zu führen, davon hält der Bauamtsleiter nichts. Man werde sicher nicht das Maklergeschäft besorgen (können). Behördenintern gebe es allerdings ein Kataster, das werde aber schlicht zur Planungszwecken genutzt. 

Immer mehr Haushalte, die immer mehr Wohnraum wollen, besondere Wohnformen, andere Lebensplanungen – all das verändert die Strukturen. Der Stadt werden demnach – auch weil sie keine eigenen Flächen besitzt – stadtplanerisch Grenzen gesetzt. „Wir können nicht offensiv Bauland ausweisen, wir haben keine eigenen Grundstücke“, sagte Henninger. 

Was tut die Wohnungsgesellschaft?

Nachverdichtung könnte auch eine Lösung für bezahlbaren Wohnraum sein. „Wir würden es begrüßen, wenn die Wohnungsgesellschaft Woge Wohnungen bauen würde.“ Doch die Bedingungen dafür sind nicht gut, zumindest aus Sicht von Ingo Wöste. Der ist Chef der Wohnungsgesellschaft Werdohl (Woge), an der die Stadt Neuenrade zehn Prozent hält. Er ist grundsätzlich für Neubau, doch er stellt sich die Frage, wie „angesichts der Rahmenbedingungen“ eine Wohnungsgesellschaft in der Lage sein soll, familiengerechte und vor allem auch für Facharbeiter bezahlbare Wohnungen zu bauen. Die hohen Grundstückspreise angesichts des geringen Angebots und die politisch indizierte „kontinuierliche Verteuerung der Baukosten“ zum Beispiel „durch die Energieeinsparverordnung“, bei gleichzeitig kontinuierlich steigenden Handwerkerpreisen, machten das kaum möglich. 

Sozialer Wohnungsbau keine Alternative? 

Auch mit sozialem Wohnungsbau sei es schwierig, da dürfe man ja nicht über 5 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter gehen. Dann reiche es am Ende aber nicht. Vielleicht gebe es im Einzelfall Lösungsmöglichkeiten, welche am Ende die Gesamtkosten niedrig halten könnten. Und es müsse ja auch Geld übrig bleiben – wenigestens „eine positive Eigenkapitalverzinsung“ müsse drin sein. Aber generell sei es schwierig, wenn die Kaltmiete auf einem bestimmten Niveau bleiben solle. Diese gesamte Problematik spiegele der Bodenrichtwert gar nicht wider. 

Wöste war jüngst auf einer Tagung in Berlin. Und ihm wird ganz anders, wenn er dort von Verstaatlichung von Wohnungsbaugesellschaften erfährt, wenn er hört, dass es dort in der Bevölkerung brodelt, weil es in solchen Ballungszentren kaum noch bezahlbaren Wohnraum gebe. „Wir sollen bauen, bauen, bauen – aber wie?“, stellt Wöste hier die rhetorische Frage. Dass jetzt auch noch vorgeschlagen werde, die Grundsteuer auf den Vermieter zu verlagern. hält er da für kontraproduktiv. „Wie soll das gehen?“, fragt sich der Woge-Geschäftsführer. 

Baugebiete wie das derzeit in Frage stehende Projekt Auf dem Felde 2 in Affeln, dessen Plan aktuell gerichtlich überprüft wird, könnten für Neuenrade hilfreich sein, hätten wohl aber eher dorfgesellschaftlichen Nutzen.

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