SK in Neuenrade

Vom Videokassetten-Hersteller zum Handelsunternehmen

+
Riesige Mengen an Kartons werden in den SK-Hallen am Schöntaler Weg regelmäßig bewegt.

Neuenrade - Für viele Jahre gehörte SK zu den großen Herstellern von Speichermedien wie Videokassetten oder CDs. Doch der Markt hat sich radikal verändert. Das geht an SK nicht spurlos vorbei.

Jörg Hellweg ist einer der beiden Geschäftsführer der 1979 gegründeten Firma, arbeitet seit seiner Ausbildung in den 80er-Jahren dort. „Wir wandeln uns gerade vom Produktions- zum Handelsunternehmen“, erklärt Hellweg die Veränderungen, die die Firma und ihre Mitarbeiter durchmachen.

Das bleibt nicht ohne Folgen: Über einen Zeitraum von rund zehn Jahren wurden gut zwei Drittel der Arbeitsplätze abgebaut. Etwa 40 Menschen arbeiten zurzeit bei SK.

Der Stellenabbau sei sozialverträglich erfolgt und viele hätten recht schnell eine neue Anstellung gefunden, betont Jörg Hellweg. „Irgendwann kommt eben ein Punkt, da kann man etwas nicht mehr wirtschaftlich produzieren.“

Für die CDs war dieser Zeitpunkt Ende Juli erreicht, ein auf die Datenträger spezialisiertes Schwesterunternehmen von SK in Dresden war da schon geschlossen. Der Absatz von CDs geht seit Jahren deutlich zurück, SK war bundesweit einer der letzten Hersteller.

Viele Flächen auf dem Gelände stehen leer

Das hat auch Einfluss auf den Firmenstandort am Schöntaler Weg: Wo früher CDs produziert und bedruckt und sogar bestimmte Verpackungen hergestellt wurden, gibt es jetzt vor allem eines: viel Platz. „Das tut schon weh, die leeren Hallen zu sehen“, sagt Hellweg.

Sobald die Maschinen abgebaut sind, soll renoviert und die Lagerstätten zusammengezogen werden. Alle Flächen, die dann nicht mehr benötigt werden, wird das Mutterunternehmen SK Holding im kommenden Jahr vermieten.

Der nicht mehr benötigte Raum soll bald vermietet werden.

Trotzdem verkauft das Unternehmen weiterhin CDs, ebenso wie USB-Sticks oder Speicherkarten. Diese werden in Ländern wie China oder Taiwan hergestellt. Weil praktisch der gesamte Bedarf an Datenträgern dort durch eine Handvoll Lieferanten gedeckt würde, erklärt Jörg Hellweg, lasse sich dort – im Gegensatz zu Europa – noch wirtschaftlich produzieren.

Da spielen natürlich auch die geringeren Kosten eine Rolle. „Wir wählen unsere Lieferanten sorgfältig aus“, hebt der Geschäftsführer hervor. SK trägt das BSCI-Zertifikat (Business Social Compliance Initiative, siehe unten), die Herstellerbetriebe werden nach Hellwegs Aussage regelmäßig unangekündigt überprüft.

Das meiste geht nicht direkt an Endverbraucher

Was dort produziert wird, kommt meist über den Seeweg nach Neuenrade, wird gelagert und von dort aus an die Kunden geliefert. Die meisten Produkte gehen nicht direkt an die Endverbraucher, sondern etwa an große Drogerie- oder Supermarktketten.

Die verkaufen die Datenträger unter ihren eigenen Markennamen, ohne Hinweis auf SK. Verträge verpflichten beide Seiten zu Stillschweigen.

In Neuenrade verbleiben neben der Logistik auch Verwaltung und Qualitätssicherung. Gerade Letztere sei enorm wichtig, erklärt Jörg Hellweg: „Die Produkte tragen ja den Namen des Kunden.“ Die Qualität sei deshalb oft höher als bei vergleichbaren Markenprodukten. Falls nötig, würden die Qualitätssicherer von SK auch nach China oder Taiwan fliegen.

Begonnen hat alles mit Videokassetten

Begonnen hatte die Neuenrader Firma mit dem Vertrieb von Videokassetten. Die Bänder kaufte das Sauerländer Unternehmen von namhaften Herstellern ein und baute diese in Gehäuse aus China ein.

Bedingung für den Handel: Der Name SK (kurz für Sauerland Kunststoffe) sollte nicht zu einer Marke werden. „Damals mussten wir zahlreiche Fantasienamen erfinden“, erinnert sich Jörg Hellweg.

Jörg Hellweg, einer von zwei SK-Geschäftsführern (links), mit Logistikleiter Rainer Günzel.

Recht bald produzierten die Neuenrader für namhafte Handelskonzerne unter deren Marken. Bis heute dominieren die sogenannten Handelsmarken das Angebot von SK. Mit Titanium hat das Unternehmen aber auch seine eigene Marke auf dem Markt und ist zudem Vertriebspartner von Philips.

In den 90er-Jahren begann der Siegeszug der digitalen Speichermedien: Nach und nach setzten sich die CDs durch und werden mittlerweile selbst von Flash-Medien, vor allem Speicherkarten und USB-Sticks, sowie teilweise von Online-Speichern abgelöst.

Das Sortiment wurde deutlich erweitert

Um zukunftsfähig zu bleiben und die Nachfrage der Kunden zu bedienen, sagt Jörg Hellweg, hat SK sein Sortiment in den vergangenen Jahren deutlich erweitert: Batterien, LED-Leuchtmittel, Lautsprecher und Computermäuse gehören ebenso dazu wie Taschenlampen der Marke Maglite.

Über das Internet und ein eigenes Ladengeschäft werden – nach eigenen Angaben mit großem Erfolg – E-Zigaretten vertrieben.

In einer derart schnelllebigen Branche sei es entscheidend, einerseits die Kontakte zu Abnehmern und Lieferanten zu pflegen, andererseits aber eben auch innovationsfreudig zu sein, erklärt Jörg Hellweg. „Da muss man immer Augen und Ohren offenhalten.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare