Strom erzeugende Verbundanlagen

Firma aus dem MK hat Kostenreduktion als Geschäftsmodell entdeckt

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Die Listringhaus-Besonderheit: (von links) Regeltechniker Christian Gollnik, Geschäftsführer Volker Listringhaus und Christian Listringhaus an der Strom erzeugenden Verbundanlage in ihrem Firmensitz.

Neuenrade -  In Zeiten knapper Margen und Ressourcen, steigender Energiekosten und erst Recht in Zeiten von Corona kommt der Reduktion von Betriebskosten eine besondere Bedeutung zu. Gute Zeiten für Unternehmen wie Listringhaus in Neuenrade. Denn die Heizungs-, Lüftungs- und Sanitärfirma mit Sitz an der Osemundstraße hat ein Geschäftsmodell gemacht aus der Möglichkeit, Kosten zu sparen.

Das kann nicht jeder in dieser Form und so hat die Volker Listringhaus GmbH in der Region ein gewisses Alleinstellungsmerkmal. Listringhaus baut Strom erzeugende Verbundanlagen, mit deren Hilfe bis zu 30 Prozent der Stromkosten eingespart werden können. Die Einsparung ist üppig und freut all jene Kostenrechner in den Unternehmen, für die die Stromrechnung ein unschöner Posten ist.

Zudem ist mit einer solchen Anlage auch eine autarke Stromversorgung möglich. Insbesondere für jene Unternehmen, die hohe Verbrauchsspitzen haben, scheint die Listringhaus-Anlage ein Gewinn zu sein. „Die wollen die Spitzen abschneiden“, sagt Diplomingenieur Volker Listringhaus, Geschäftsführer der Listringhaus GmbH.

Eigene Anlage als Vorzeigeobjekt

Listringhaus ist von dem System so überzeugt, dass er die Wärmepumpe, die bislang den eigenen Betrieb kühlte und beheizte, verkauft hat. Stattdessen wird dort eine eigene Verbundanlage mit entsprechend „kleineren Leistungen“ gebaut und in Betrieb genommen. Sie soll zudem als Vorzeigeobjekt dienen, um die Vorteile des Systems den Kunden direkt an der Anlage erläutern zu können.

In diesem Blockheizkraftwerk wird der Strom durch eine Mikro-Gasturbine mit 280.000 Umdrehungen pro Minute erzeugt. Die Abwärme, welche dabei entsteht, wird wiederum genutzt, indem sie in einem große Pufferspeicher gesammelt und – wenn Bedarf besteht – als Heizwasser wieder abgegeben wird.

Klimaschädliche Abgase werden reduziert

Mit integriert ins System ist aus Gründen der Sicherheit ein Gas-Brennwert-Gerät. Dessen Heizwasser wird ebenfalls in den oben beschriebenen Puffer geleitet. Im Winter wird mit dem anfallenden Wasser der Mikro-Gasturbine das Gebäude beheizt.

Gebrauchswarmwasser gibt es über ein ebenfalls installiertes und ins System integriertes Frischwassermodul. Klare Sache, dass damit alle elektrisch betriebenen Warmwasseraufbereiter gar nicht mehr nötig sind. Im Sommer kann das System zudem zur Raumkühlung oder Maschinenkühlung genutzt werden.

Auch die Schaltschränke für die Anlagen kommen aus dem Hause Listringhaus.

Das geschieht mit einer Absorptionskälteanlage. Die wird von der Abwärme der Mikro-Gasturbine angetrieben und erzeugt kaltes Wasser – eine Kühlung muss also nicht mehr extern erzeugt werden. „Auch klimaschädliche Abgase werden dadurch erheblich reduziert“, sagt Listringhaus. Doch nicht die gesamte produzierte Energie kann genutzt werden, der Restanteil muss verarbeitet werden.

Hier setzt Listringhaus einen neuartigen adiabatischen Kühler ein. Dieser macht sich das Prinzip der Verdunstungskühlung zunutze. Energie in Form von Wärme wird dabei der Umgebung entzogen. Kühlwasser kann so bis weit unter die Außentemperatur abgekühlt werden.

Steuerung über eine App

Gesteuert wird die Anlage via Internet per App und Handy oder Tablett. Ansonsten ist natürlich die Steuerung und Wartung der Anlage über das betriebsinterne Netzwerk möglich. Mit Hilfe eine Bildschirms kann die Funktion der Anlage mit allen Abläufen und Betriebsdaten anschaulich präsentiert werden.

Listringhaus plant und erstellt bei den Anlagen die gesamte Regeltechnik eigenverantwortlich. Auch die Schaltschränke werden bei Listringhaus gebaut.

Strom satt und weniger Entsorgungskosten

Die Demo-Anlage im Hause Listringhaus produziert „mehr Strom als das Unternehmen durchgängig benötigt“. So wird der Überschuss in einem Elektrospeicher quasi gelagert. Mit diesem Überschuss soll künftig ein Plug-in-Hybrid-Fahrzeug betankt werden, das Listringhaus bereits bestellt hat.

Fünf Verbundanlagen hat die Firma Listringhaus seit 2015 schon fertiggestellt, die sechste befindet sich gerade im Bau. Bei einem Iserlohner Unternehmen wurde die Anlage so verfeinert, dass auch noch Abwasser eingesetzt werden konnte. Das belastete Wasser verdampfte, zurück blieben Schadstoffe, die seitdem dort günstiger entsorgt werden könnten. Das Unternehmen sparte also nicht nur erheblich Strom, sondern auch Entsorgungskosten.

Listringhaus arbeitet zudem mit Planern zusammen, die die Anlagen in die betrieblichen Abläufe einpassen. Der Großteil der Anlagekomponenten stammt aus Deutschland und der unmittelbaren Nachbarschaft. „Die Turbine kommt von einem Start-up aus Holland“, so Listringhaus.

Anlagen sind kein Schnäppchen

Auch das Fraunhofer-Institut aus Freiburg sei involviert. Unternehmen in Hemer, Lüdenscheid, Plettenberg und Meschede profitieren derzeit von der Listringhaus-Anlage.

 Günstig ist eine solche Anlage allerdings nicht. Je nach Rahmenbedingungen müssten „hohe sechsstellige, teils siebenstellige Beträge“ investiert werden, sagt Listringhaus. Die Herstellung der Anlage sei eben echtes Handwerk. Viel Knowhow sei erforderlich, um eine solche Anlage zu realisieren.

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