Erste Probe nach fünf Monaten

So findet Männerchor aus dem MK den Weg zurück in die Normalität

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Mit dem entsprechenden Sicherheitsabstand und im Halbkreis waren vor der Bühne Tische aufgestellt. Chorleiter Eugen Momot konnte hatte vor seinen Schützlingen keine Probleme, die Chorliteratur zu vermitteln.

Neuenrade - Fast fünf Monate mussten die Sänger der Neuenrader Liedertafel auf ihre wöchentliche Probe verzichten, das Coronavirus hatte sie zur unfreiwilligen Pause gezwungen. Die musikalische Enthaltsamkeit hatte jüngst ein vorläufiges Ende. Im Saal des Hotels Kaisergarten trafen sich 20 der Liedertafel-Sänger zur ersten Probe nach den Sommerferien.

Zwar sorgten die Regeln während der Corona-Pandemie bei der ersten Probe weiterhin für Abstände, aber nach der monatelangen Zwangspause war unverkennbar, dass der Männerchor seine Freude an der Musik nicht verloren hat. Spürbar und im Ton unüberhörbar war bei allen Akteuren die positive „Wir-wollen-wieder-singen“-Einstellung.

Liedertafel-Vorsitzender Dieter Lötters und sein Vorstandsteam hatten vorab Aufbauarbeit geleistet, um den Abstand der Sänger zueinander und zum Dirigenten zu gewährleisten. Lötters sprach bei der Begrüßung seiner Mitsänger von einem „Experiment, mit dem wir mehr Klarheit haben wollen, ob das mit den Proben unter diesen Einschränkungen klappt“.

"Nichts verlernt"

Es klappte tatsächlich. Chordirektor Eugen Momot zollte seinen Schützlingen bereits nach den ersten Takten ein Lob und bescheinigte den Sängern, dass sie „trotz der Pause nichts verlernt haben“. Der Chorleiter bestätigte auch, dass die Liedertafel zum jetzigen Zeitpunkt zu den wenigen Chören zählt, die wieder mit dem Proben angefangen haben. Die zurückliegenden Monate seien nicht nur für die Chöre, sondern auch für viele Chorleiter mit weniger Einkommen verbunden gewesen, sagte Momot.

Mit Schwung und Ehrgeiz

Es war der Schwung, der mit viel musikalischem Ehrgeiz die erste Probe des MGV Liedertafel kennzeichnete. Das lockere Einsingen leitete wie gewohnt die Phase zur Chorprobe ein und war mit lustigen Einlagen verbunden. Tonleitern, die jeweils um einen halben Ton die Stimmbänder forderten, wurden souverän geschafft, nach den gesanglichen „Mi-Mo-Ma“-Takten konzentrierten sich die Sänger auf die zuletzt geprobte Chorliteratur. Mit dem Titel „Ja das ist unser Leben“ (der bekannte Marsch „Wien bleibt Wien“ diente als Vorlage) ließ die Liedertafel keine Zweifel aufkommen, dass sie zurück zur gewohnt gut Intonation ist.

Es waren bekannte Titel, die den Einstieg ins chorische Miteinander erleichterten. Das „Island in the sun“, mit dem einst Harry Belafonte und Caterina Valente Millionen begeisterten, zeigte auch bei den älteren Sängern einen erfrischenden Rhythmus, der Gruß an die „Insel im Sonnenlicht“ ließ die coronabedingten Abstandsregeln fast vergessen.

Von Bach und Maffay

Zur neuen Probenliteratur gehörte Johann Sebastian Bachs „Frieden auf Erden“. Besonderheit an dem innig vorgetragenen Bach-Werk: Chordirektor Eugen Momot hat den Chorsatz geschrieben und ist bestrebt, mit seinen Schützlingen das Werk möglichst perfekt einzuüben.

Zur Chorliteratur zählte auch Peter Maffays und Karats „Über sieben Brücken musst Du geh’n“.

Vorsitzender Dieter Lötters und sein Team zeigten sich von der ersten Probe mehr als zufrieden. Bis auf weiteres will die Liedertafel die wöchentlichen Proben (sofern das mit dem Kaisergarten-Terminplan zu vereinbaren ist) jeweils donnerstags (19 Uhr) im Saal des Kaisergarten durchführen.

„Ich bin mehr als zufrieden, dass wir nach der coronabedingten Zwangspause wieder eine Probe haben“, sagte Karl-Heinz Gödde (1. Tenor), der seit fast 55 Jahren in der Liedertafel singt. „Wichtig ist, dass wir unserem Hobby nachgehen können. Wir Sänger sind wie eine große Familie. Längere Fehlzeiten sind in einer Familie nicht gut, sie schaden dem Miteinander.“

Nur nicht die Freude verlieren

Das kann auch Hermann Listringhaus (2. Tenor) und mit 64 Jahren Vereinszugehörigkeit ebenfalls schon ewig dabei, nur bestätigen: „Ich freue mich, dass wir überhaupt mal wieder zusammen kommen. Als dienstältester Sangesbruder ist es ein besonderes Gefühl, dass wir nach solch einer langen Zwangspause wieder eine Probe mit unserem Dirigenten haben.“

Das Coronavirus habe das Vereinsleben nachhaltig beeinträchtigt, findet Manfred Stenzel (1. Bass und seit 37 Jahren Mitglied im MGV). Jetzt gelte es schnell zum altbekannten Vereinsleben zurückzufinden. „Dazu zählen die regelmäßigen Proben, sonst besteht die Gefahr, dass der ein oder andere die Freude am Singen verliert“, fürchtet Stenzel.

Auch für Hans-Ulrich „Ulli“ Klaucke (2. Bass und Kassierer) wurd es Zeit, „dass wir die Proben nach der großen Pause wieder aufgenommen haben“. Viele hätten der ersten probe regelrecht entgegen gefiebert. Gerade aufgrund der Pandemie bauchen wir Sänger Gemeinsamkeiten, zumal das Singen bei jedem aus dem Innersten kommt“, sagt Klaucke.

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