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FDP-Chef Lindner in Neuenrade: „Wir haben uns verändert“


[Update] Neuenrade - FDP-Chef und -Spitzenkandidat Christian Lindner hat am Donnerstagabend Neuenrade besucht. Lindner nahm Stellung zur aktuellen politischen Lage und den Vorhaben seiner Partei.

„Ab dem dritten Mal könnte man eigentlich auch eine Tradition daraus machen“, sagte Jürgen Echterhage, Geschäftsführer der Echterhage Holding, am Donnerstag in Richtung des Bundesvorsitzenden der FDP, Christian Lindner.

Denn es war bereits das dritte Mal, dass der Politiker auf Einladung von Echterhage nach Neuenrade kam, diesmal in den Außenbereich der Lounge E-Holding. Anlass war die Jubiläumsfeier zum 66-jährigen Bestehen der Tochterfirma Beinlich Pumpen.

Zu einer Veranstaltung, bei der ein solcher „Hidden Champion“ gefeiert werde, könne man laut Echterhage nur einen echten „Champion als Star-Gast einladen“. Dieser freute sich zunächst über die Stärkung, die am Grill von Café Karl angeboten wurde.

„Sie zeigen erneut, dass Sie ein Herz für die Schwächeren haben und uns in unserer parlamentarischen Zwangspause immer wieder Zugang zu einer warmen Mahlzeit gewähren“, sagte Lindner mit einem Funken Selbstironie.

Lindner kritisierte die derzeitige Bundesregierung.

In der Tat sei der Wahlkampf jedoch „harter Sport“, wenn man zum Beispiel nicht automatisch zu Diskussionsrunden im Fernsehen eingeladen werde. „2013 haben wir nicht bei Null angefangen, sondern darunter. Es war hart, allerdings haben wir uns seitdem positiv verändert“, betonte Lindner.

Nun könne die Partei wieder die Frage „Warum gibt es uns?“ beantworten: „Wir wollen die Menschen stark machen, und zwar aus einer 360-Grad-Perspektive, also in allen Lebenslagen“, sagte er.

So solle zum Beispiel die Polizei personell verstärkt werden, um eine höhere innere Sicherheit in Nordrhein-Westfalen zu gewährleisten. „Wir wollen dafür sorgen, dass hier auch Realschüler in die Polizei eintreten können, denn auch sie haben einen Wert und Respekt verdient“, sagte der Politiker.

Generell solle es in der Bildung wieder um Qualität und nicht um Ideologie gehen – so zum Beispiel im Fall der Schließung vieler Förderschulen: „Die Förderschulen sind eine pädagogische Perle und deren Lehrer haben sich ganz bewusst für diese Arbeit entschieden. Wir glauben an die Idee der Inklusion – dennoch gibt es aber auch Kinder, für die eine Förderschule die beste Adresse ist.“

FDP-Chef Lindner in Neuenrade

Um Ideologie statt Qualität sei es bisher laut Lindner auch in der Energiepolitik gegangen – die FDP habe daher den Bau zahlreicher Windräder in NRW gestoppt: „Es war geplant, tausende zu bauen. Man wollte Ihnen Ihre Wälder rauben, das ökologische Gleichgewicht wäre geschädigt worden. Dabei hätte der Strom, der mit den Windrädern gewonnen worden wäre, gar nicht verwendet werden können, da wir gar keine Speicher dafür haben“, sagte Lindner.

Windräder würden zwar weiterhin gebaut werden, jedoch nur, wenn dieser Strom auch wirklich verwendet werden könne. Auch in Bezug auf Elektroautos sah er ein Problem: 40 Prozent der Energie, mit der ein Elektroauto fahre, komme aus der Verbrennung von Braunkohle.

Es sollten sich daher weniger Juristen, Politikwissenschaftler oder Lehrer mit der Frage der Elektroautos und der umweltfreundlicheren Energiegewinnung beschäftigen: „Die Politik kann die Ziele vorgeben – aber vertrauen wir auf dem Weg dorthin doch den Ingenieuren und Technikern.“

Geschäftsführer Jürgen Echterhage sagte eine schwarz-gelbe Mehrheit voraus.

Mit Blick auf die anstehende Bundestagswahl plädierte der Liberale für die Wahl einer Partei aus der demokratischen Mitte: „Wählen sie meinetwegen die CDU oder die SPD oder die Grünen – Sie können natürlich auch die FDP wählen.“ Parteien wie die AfD oder die Linke jedoch würden die politische Kultur ändern wollen.

„Auf diese Kultur, die wir seit 1949 aufgebaut haben, können wir stolz sein. Wir dürfen nicht zulassen, dass die Sitten bei uns in Deutschland so verrohen wie in den Vereinigten Staaten.“ Eine gar freche Einmischung in die Bundestagswahl bescheinigte er dabei dem türkischen Präsidenten Erdogan, der dazu aufgerufen hatte, weder Union, SPD noch Grüne zu wählen.

„Die deutsche Türkeipolitik ist gescheitert. Wir müssen Herrn Erdogan und seiner AKP Grenzen setzen. Für eine solche Präsidialdiktatur ist in der EU kein Platz“, sagte Lindner, der mit seiner Partei die Beendigung der Verhandlungen über einen EU-Beitritt der Türkei fordert.

Echterhage rang die Bundestagswahl beinahe mystische Fähigkeiten ab: „Ich war bereits bei der Landtagswahl als Orakel erfolgreich und habe die Koalition auf den Punkt genau vorhergesagt. Und für die bevorstehende Wahl sage ich erneut eine schwarz-gelbe Koalition – mit drei Sitzen Mehrheit – voraus. Sollte es soweit kommen und Sie kriegen dieses Ergebnis vor der Kamera mitgeteilt, würde ich mich freuen, wenn Sie kurz in die Kamera winken“, sagte Echterhage zu Lindner.

Für die Zukunft hielt Lindner ein Versprechen parat: „Ich schwöre Euch: Die FDP wird Fehler machen. Ihr werdet Euch über uns ärgern. Aber wir werden diese Fehler nur einmal machen und daraus lernen.“

Rubriklistenbild: © Klötzer

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