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Mit über 30 Jahren der Rentner auf dem Hof Klüter: Shetland-Pony Oskar

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Von: Peter von der Beck

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Gute Pflege: Oskar hat sich gut gehalten für sein Alter.
Gute Pflege: Oskar hat sich gut gehalten für sein Alter. © von der Beck, Peter

Welches Schicksal Shetland-Pony Oskar erwartet hätte, wenn Familie Klüter ihn nicht beim Pferdehändler gekauft hätte – man weiß es nicht. Dass er beim Pferdemetzger gelandet wäre, ist nicht unwahrscheinlich.

Neuenrade - Eva Novak-Klüter kann sich jedenfalls noch ganz gut an die Situation erinnern. „Der Händler hatte eine kleine Herde von einem Lehrer übernommen, der die Tiere bei Kutschfahrten für Schüler einsetzte.“ Wilhelm Klüter ist sich jedenfalls sicher, dass man Oskar damals vor dem Schlachtermesser gerettet habe.

Das ist nun 16 Jahre her. Seitdem lebt Oskar auf dem Hof Klüter am Thanshof 1 und zählt inzwischen sicher mehr als 30 Lenze. Umgeben von freundlichen Menschen, einer Handvoll Katzen und anderen Pferden führt er ein gutes Rentnerdasein dort. Er ist ein ansehnliches Tier, mit schwarzen Punkten auf dem grauweißen Fell. Und er dreht auch gern mal eine Runde. Wenn er keine Lust mehr hat, geht er in seine geräumige Box, sein Stammplatz im Stall, von der Größe her durchaus ein Luxus für das Durchschnittspferd.

Oskar kam damals also auf den Hof und war „ein Kommunionsgeschenk“ für Sohn Paul. Doch am Ende wurde er das Tier von Tochter Ida. Mit Oskar ist sie auch ihr allererstes Turnier geritten.

Das waren andere Zeiten. Jetzt ist Oskar in Pension. Jeden Abend kommt er in den Stall und man muss ihn durchaus im Auge behalten – vor allem beim Essen. „Die überfressen sich sonst“, sagt Eva Novak-Klüter. Deshalb funktioniere es nicht, ihn über Nacht draußen stehen zu lassen.

Oskar ist für den Hofbetrieb durchaus noch hilfreich. „Er hat eine beruhigende Wirkung auf andere Pferde“, sagt Eva Novak-Klüter. So sorge er für Ausgeglichenheit in der Herde. Und sogar auf andere Spezies wirkt er. „Wenn wir die Kühe von der einen zur anderen Weide bringen, geht Oskar mit Zügeln vorweg und die Kühe gehen hinterher.“

Die Tiere registrierten, dass er sozusagen ein erfahrener älterer Herr ist und folgten ihm. Ansonsten lässt Oskar es aber ruhig angehen – und hat seine Vorlieben: „Er geht furchtbar gerne mit spazieren. Oskar kennt sich auf dem Hof ganz gut aus.“ Und wenn mal Schnee liegt, zieht er auch den Kinderschlitten.

So ist das Shetland-Pony durchaus noch recht fit. Gleichwohl muss man sich kümmern. Natürlich bekommt er Besuch vom Tierarzt. Oskar erhält seine Impfungen und macht die Wurmkur, der Hufschmied kümmert sich und Diät muss er halten. Doch auch an ihm ist das Alter nicht spurlos vorüber gegangen. Ein bisschen Arthrose habe er schon, sagt Eva Novak-Klüter bedauernd. Doch: Kleine Pferde lebten länger, sagt sie aus Erfahrung.

So hat Oskar ein gutes Leben. „Er hat vor nichts Angst“, sagt die Hofherrin, dass er damit auch gut als Pferd im Straßenverkehr zu gebrauche sei. Ida Klüter hat daher in Küntrop vor Jahren schon mal den St. Martin mit Oskar gegeben. Für die anderen Pferde im Hause Klüter hat er Bedeutung. „Er ist auch ein wichtiger Sozialkontakt für die Fohlen“, sagt Landwirtin Klüter.

Familie Klüter, die den Hof zwischen Küntrop und Affeln bewirtschaftet, verdient ihr Geld mit der Milchvieh-Wirtschaft. 100 Kühe hat Wilhelm Klüter. Zudem hat er einen Angestellten in Lohn und Brot. Dass ein Pferd wie Oskar unbeschwert seine alten Tage durchaus umhegt auf einem Bauernhof verbringen darf, ist nicht selbstverständlich. Vor allem bei reinen Nutztieren gibt es das zumindest nach dem Wissen von Ortslandwirt Ulrich Peterschulte nicht. Er glaubt, dass hier viele Landwirte eine Rechnung aufmachen würden und sich gerade bei reinen Nutztieren einfach keine Sentimentalitäten wirtschaftlich erlauben könnten.

Dasselbe gilt für Privatiers. Reitpferde können irgendwann nicht mehr geritten werden und dann sollte sich der Besitzer kümmern: Die Tiere müssen bewegt und gefüttert werden. Auch eine Einstellbox, einen Hufschmied und den Tierarzt benötigen sie. Das ist nicht kostenlos zu haben. Es gibt von Tierfreunden geführte, spendenfinanzierte Gnadenhöfe, die nicht nur alte Pferde nehmen. Dazu gibt es auch professionell geführte Pferdehöfe, die gegen Geld für ein würdiges Rentenalter ehemaliger Reit- und Nutzpferde sorgen. Gnadenbrot-Einstellplätze gibt es zum Beispiel auf Hof Kruse am Kohlberg.

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