Neuenrader muss jetzt richtig blechen

Falschgeld-Sause auf der Allerheiligenkirmes

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Auf der Allerheiligenkirmes in Soest wollte ein Neuenrader mit Falschgeld zahlen.

Neuenrade/Soest – „Einen schönen Gratistag“ auf der Soester Allerheiligenkirmes wollte sich 2019 ein 22-Jähriger aus Neuenrade machen, ohne über die Folgen nachzudenken – die Folgen für andere. Denn das Geld, mit dem er bezahlte, war nicht annähernd echt.

Richtig und ganz real teuer wurde die Aktion jetzt im Nachgang: Der Soester Amtsrichter verurteilte den Arbeitslosen zu einer Geldstrafe in Höhe von 900 Euro. 

Ende vergangenen Jahres war es noch einfach, an solche „Blüten“ zu gelangen. Man musste nur das Online-Verkaufsportal „Wish“ besuchen. Ähnlich wie auf Ebay oder dem Amazon Marketplace verkaufen hier unzählige kleine Shops meistens aus China allerlei Tand für kleines Geld. 

Euronoten nicht mehr zu finden

Gibt man heute dort Suchbegriffe ein wie „Geld“, „Filmgeld“ oder „Movie Money“, sieht man eigentlich nur noch Dollarnoten, mit denen man hierzulande keinen Schaden anrichten kann, Euronoten sind nicht mehr zu finden. Offenbar unterbindet Wish neuerdings den Handel. 

Seit vergangenem Herbst häufen sich die Polizeimeldungen, dass solche Banknoten in Umlauf gebracht wurden. Dabei versuchen die Hersteller erst gar nicht, ihre Entwürfe echt wirken zu lassen: Auf festes Papier gedruckt, ohne Sicherheitsmerkmale, zudem mit einer Aufschrift versehen wie „Prop Copy“, also „Requisite“. Denn dafür und für nichts anderes sind sie gedacht: Es ist Spielgeld für Bühne, Film und Fernsehen. Wer jedoch versucht, es in Umlauf zu bringen, macht sich strafbar. 

Möglichst viel Wechselgeld erhalten

Das geht angesichts ihrer augenscheinlichen Falschheit am besten in hektischen Situationen wie Jahr- und Weihnachtsmärkten. Noch im Dezember mahnte die Polizei Dortmund Verkaufs- und Schankpersonal zur Vorsicht, „insbesondere, wenn Kunden geringwertige Gegenstände mit großen Banknoten bezahlen oder große Scheine wechseln wollen. Straftäter könnten so versuchen, möglichst viel echtes Wechselgeld zu erhalten.“ 

So sehen die falschen Geldscheine aus, rot umrandet die Merkmale, an denen man deutlich erkennen kann, dass es sich nicht um echte Banknoten handelt.

Ein Schausteller auf der Allerheiligenkirmes sah allerdings genauer hin, als der Kunde aus Neuenrade mit Noten bezahlen wollte, auf denen an einer Stelle etwas Tipp-Ex klebte – damit hatte der Sauerländer versucht, den „Prop Copy“-Schriftzug zu kaschieren. Der Schausteller konnte den Betrüger sogar mit dem Smartphone fotografieren und damit die Kollegen warnen. 

Mann hatte mehr als 11 000 Euro

Insgesamt wurde bei ihm Falschgeld in Höhe von mehr als 11 000 Euro in Hundertern und Zehnern gesichert. Bezahlt hatte er dafür jedoch weniger als zehn Euro. 16 Hunderter und 55 Zehner hatte er mit Tipp-Ex präpariert. Am 6. und 7. November gelang es ihm jedoch „nur“, 140 Euro unters Volk zu bringen, bis er erwischt wurde. Diese 14 Zehner tauchten unter anderen in Geschäften in der Soester Innenstadt und auch an einem Grill-, einem Getränke- und einem Fischstand auf der Kirmes auf. Dass er das Geld in Umlauf gebracht habe, gestand der junge Mann, aber nicht, dass er jemanden bewusst habe schädigen wollen. Das Gericht musste ihm diese Absicht nachweisen, um ihm eine zusätzliche Strafe wegen neunfachen Betrugs aufzubrummen. 

Der Mann behauptete, die in Größe und Farbe identischen Blüten ursprünglich zum Pokern und für das Gesellschaftsspiel Monopoly gekauft zu haben, nachdem er über eine Werbeanzeige auf Facebook darauf aufmerksam geworden sei. Mit den falschen Geldnoten zur Kirmes zu fahren, sei eine spontane Idee gewesen. „Das Gegenteil können wir nicht beweisen“, so die Staatsanwältin. 

Verurteilung wegen Betrugs

Dass sah das Schöffengericht anders und verurteilte ihn auch wegen eines tateinheitlichen Betrugs: „Wir halten es für unwahrscheinlich, nur mit Zehnern und Hundertern Poker und Monopoly spielen zu wollen.“ Dass er die Schausteller schädigen würde, müsse ihm bewusst gewesen sein. Der Neuenrader war bislang nicht vorbestraft und hat sich bei drei Geschädigten bereits entschuldigt, sie zudem entschädigt. 

Für den durch die Corona-Krise arbeitslos gewordenen Produktionshelfer ohne Schulabschluss dürften die 900 Euro ein ordentlicher Schuss vor den Bug sein. Er nahm das Urteil sofort an. Bleibt für den 22-Jährigen zu hoffen, dass er bei der Begleichung seiner Geldstrafe nicht dem Beispiel eines Mannes in Erfurt folgt: Der wollte mit Filmgeld im Mai auf der Zahlstelle des dortigen Amtsgerichts einen Strafbefehl bezahlen – und bekam noch eine Anzeige wegen Betrugs oben drauf.

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