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Fachkräfte fehlen: Verwaltung kann bald nicht mehr alle Aufgaben termingerecht erledigen

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Von: Peter von der Beck

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Versorgungsleitungen aller Art: Auch die gehört zum Geschäft der Tiefbauingenieure.
Versorgungsleitungen aller Art: Auch die gehört zum Geschäft der Tiefbauingenieure. © von der Beck, Peter

Die Stadt Neuenrade sucht zwei Bauingenieure mit der Fachrichtung Tiefbau. Im Zuge der Nachfolgeregelung und wegen eines längeren personellen Ausfalls. Es pressiert in der Kleinstadt.

Alle Hebel und Kanäle hat man in Bewegung gesetzt für die Personalsuche – bis jetzt erfolglos. Auch auf die aktuelle Bewerbung hatte sich zuletzt noch niemand gemeldet, dabei sind die jüngsten Stellenausschreibungen schon eine geraume Weile auf dem Markt. Frank Staffel, Personaler bei der Stadt, erläuterte, dass man sogar direkt an den Unis wirbt und auch sonst für die Stellen fleißig trommelt.

Doch es ist und wird schwierig. Denn in der Branche sind Bauingenieure Mangelware. Das offenbart der Blick auf den Stellenmarkt: Behörden und behördenähnliche Institutionen suchen fleißig, darunter zum Beispiel der Landesbetrieb Straßen.NRW. Ob Herne, Bochum oder Duisburg: Das halbe Ruhrgebiet und seine Metropolen brauchen dringend Bauingenieure. In Hagen und Wetter gibt es auch entsprechende Jobangebote. Private Arbeitgeber, die dringend suchen, gibt es natürlich auch zuhauf. Das ist reichlich Konkurrenz für eine Kleinstadt wie Neuenrade im Sauerland.

An Arbeit mangelt es nicht

Der Tiefbauer in Neuenrade hat gut zu tun: Er muss kommunale Tiefbaumaßnahmen im Straßenbau und bei der Gewässerunterhaltung planen und koordinieren, natürlich Bauzeiten und Kosten im Blick haben, er muss am Straßen- und Wegekonzept der Stadt arbeiten, die Stadt bei Bürgerversammlungen und in politischen Gremien vertreten, er agiert als Bauherr gegenüber Ingenieurbüros und bauausführenden Firmen. Die Fachkraft muss dabei ein abgeschlossenes Bauingenieurstudium der Fachrichtung Tiefbau vorweisen. Berufserfahrung wäre hilfreich. Doch auch – und das ist in der Stellenausschreibung fett markiert – Berufsanfänger sind willkommen. Klare Sache, dass die Bewerber hoch belastbar sein müssen und Leistungsbereitschaft und Motivation mitbringen sollten.

Der hoffnungsvolle Bauingenieur kriegt dabei durchaus etwas geboten: Die Lebensqualität einer Kleinstadt mit viel Natur drumherum – wer hat schon eine Talsperre in der Nähe – mit schneller Erreichbarkeit der Ruhrmetropolen, die Sicherheit eines Behördenjobs, Jahressonderzahlung, Altersvorsorge, Weiterbildung und gar ein ansprechendes betriebliches Gesundheitswesen. Und, darauf weist noch Bauamtsleiter Marcus Henninger hin, dass man auch dabei mithelfe, Familie, andere private Erfordernisse und Beruf in Einklang zu bringen. Denn, so ließ der Bauamtsleiter durchblicken, spiele für junge Berufseinsteiger heutzutage ein gutes Gehalt nicht unbedingt die erste Rolle.

System öffnet sich auch für Quereinsteiger

Personaler Frank Staffel erläuterte in diesem Zusammenhang generell, dass man sich auch seitens des früher recht starren Tarifsystems nun durchaus auch Quereinsteigern öffne oder auch Möglichkeiten finde, hier mit Fachkräftezulagen zu operieren. Staffel ließ durchblicken, dass der Behördenapparat durchaus gezwungen sein werde, sich noch mehr zu öffnen. Er verwies darauf, dass in den nächsten Jahren wohl 25 bis 30 Prozent der Beschäftigten im öffentlichen Dienst in Pension gehen würden, da müsse man schon reagieren. Im selben Zeitraum stehe weit weniger Nachwuchs zur Verfügung. Schon jetzt bemerkten viele Verwaltungen dieses Missverhältnis. Also: Mehr Rentner und weniger Personal bei fehlendem Nachwuchs.

Staffel und Co. suchen nun schon nach Möglichkeiten, eigenen akademischen Nachwuchs heranzuzüchten. Derzeit prüfe man Möglichkeiten, eine Art duales Studium im Hause zu ermöglichen. Und es gebe auch die Möglichkeit nach einer dreijährigen Ausbildung noch ein Studium anzuhängen.

Digitalisierung nicht das Allheilmittel

Ob denn grundsätzlich beim anstehenden Arbeits- und Fachkräftemangel die Digitalisierung Abhilfe schaffen könne, mochte Frank Staffel nicht bestätigten. Sicher würde manches bei der Digitalisierung den Workflow verändern oder verkürzen, aber da gebe es sicher eine lange Übergangsfrist. Staffel sprach gar von einem „langwierigen Prozess“.

Was nun passiere, wenn es nicht gelinge, genügend Personal zu beschaffen, da sagte Staffel rundheraus: „Dann kann man Maßnahmen zum Beispiel nicht zeitgerecht ausführen.“ Mit der Ansicht steht er nicht alleine da. Bauamtsleiter Henninger sagte: „Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem wir nicht alle Aufgaben zeit- und termingerecht erledigen können.“ Das bedeutet am Ende eine Priorisierung – und die Konzentration auf Pflichtaufgaben.

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