Ex-Google-Chef spricht in Neuenrade: Das ist seine düstere Vision von Europa

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Christian Baudis sprach am Donnerstagabend in Neuenrade: Der ehemalige Google-Deutschland-Chef zeichnete seine Version des zukünftigen Europas.

Neuenrade - Der Wegfall beinahe aller Arbeitsplätze in Europa, keine Notwendigkeit mehr einen Führerschein zu machen und kein Grund zum Arzt zu gehen.

Christian Baudis, der ehemalige Google-Deutschland-Chef malte als Gastredner des Märkischen Arbeitgeberverbandes (MAV) beim 12. Verbandstag, der unter dem Thema Europa stand, am Donnerstagabend im Hotel Kaisergarten ein düsteres Bild der Zukunft. 

Doch zunächst hatte MAV-Vorsitzender Horst-Werner Maier-Hunke in seiner Begrüßungsrede das Wort und erklärte: „Die EU ist das Beste, was dem Kontinent in seiner langen Geschichte passiert ist. Deshalb werben Sie bitte dafür, wählen zu gehen.“ Wichtig sei allerdings ein Fortschritt in Bezug auf die Digitalisierung. 

Christian Baudis war von 2006 bis 2008 Leiter von Google Deutschland. Heute engagiert er sich unter anderem mit dem Unternehmn Orange Ocean gegen Plastikmüll in den Weltmeeren. 

Als Einstieg in seinen Vortrag hielt Baudis den Anwesenden Arbeitgebern gleich einmal den Spiegel vor: „Natürlich können wir uns über die Politik aufregen. Aber bei 99 Prozent der Unternehmer fehlt es an IT-Kompetenz.“ Es sei nicht mehr so schwierig und kostspielig, Computer zu nutzen. „Nehmen Sie die Chancen wahr, die sich uns bieten“, rief der Referent auf. Künstliche Intelligenz sei „nichts weiter als eine wahnsinnig schnelle Statistik-Datenbank“. 

Werbeblock für Online-Versandhandel

Dann legte Baudis einen ausgedehnten Werbeblock für den Online-Versandhandel ein. Seine Familie kaufe beinahe alles dort. „Ich habe gar keine Zeit, zum Einkaufen ins Geschäft zu gehen“, sagte er. Das im Internet georderte Katzenfutter sei aber nach vier Stunden bereits bei ihm. Unverständnis äußerte Baudis über die ständige Datenschutz-Diskussion in Deutschland: „Das nervt mich kolossal.“ Sein bevorzugter Online-Versandhändler „hat verstanden, was man mit Daten macht“. Und er setzte noch einen obendrauf: „Wir Deutschen sagen mit unserer Vergangenheit, ein Überwachungsstaat sei schrecklich. Die Chinesen aber sagen, dann gibt es keine Kriminalität mehr. Da müssen wir auch umdenken.“ Woher wisse etwa Google Maps, wo gerade Stau auf den Straßen herrsche? „80 Prozent aller Smartphones haben das Google-Betriebssystem Android. Und die messen einfach permanent die Geschwindgkeit, mit der sich diese Telefone fortbewegen.“ 

Der Referent vertiefte das Thema Mobilität: „Wenn die Chinesen und die Inder auf das E-Auto setzen, ist es vollkommen egal, wenn läppische 80 Millionen Deutsche den Verbrennungsmotor wollen.“ Er unterstrich: „Der Zug ist abgefahren. Die Entwicklung haben wir verpennt.“ Und er wurde noch deutlicher: „Bald kommt bei deutschen Autos nur noch das Chassis aus diesem Land.“ 

Baudis: "Führerschein braucht doch kein Mensch mehr"

Auch das selbstfahrende Auto sei schon mehr als eine Vision und werde sicher kommen. „Auch wenn 60 Prozent des Verdienstes der Autohersteller von den Ersatzteilen kommt. Deshalb sind sie gegen diese Entwicklung, denn selbstfahrende Autos bauen keine Unfälle.“ Doch auch in diesem Bereich werde Asien als Vorreiter dafür sorgen, dass die Entwicklung unumkehrbar sei. Folglich habe er seinen Sohn auch gefragt: „Wie altbacken bist Du eigentlich, dass Du noch einen Führerschein machst? Den braucht doch kein Mensch mehr!“ 

Baudis schwenkte über zum Thema Roboter. Der Film „I, Robot“, in welchem Will Smith einen von Robotern begangenen Mord aufklärt, spiele in 16 Jahren. Der Referent zeigte sich jedoch überzeugt, dass Roboter bereits „in sieben oder acht Jahren unser Leben beherrschen werden“. Er konkretisierte: „Unsere Arbeitsplätze sind dann alle nach Asien outgesourct.“ Der Weinbauer der Zukunft gehe beispielsweise nie mehr in den Weinberg, sondern schicke bloß noch seine Drohne, um zu gießen, Rebläuse zu bekämpfen und zu düngen. 

Das nächste Thema für Baudis war die Medizin: „Wir kommen in eine Welt hinein, in der wir mit technischen Geräten unsere Gesundheit selbst überprüfen und korrigieren können.“ Ärzte würden eigentlich überflüssig. „Der Notarzt braucht eh Tage, bis er kommt.“ Schon 2022 sei seiner Meinung nach eHealth (Englisch für: elektronische Gesundheit) an der Tagesordnung.

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