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Ex-Freundin getötet: So lange muss der Angeklagte in Haft

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Von: Thomas Krumm

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Der 22-jährige Angeklagte wurde zu einer langen Haftstrafe verurteilt.
Der 22-jährige Angeklagte wurde zu einer langen Haftstrafe verurteilt. © Krumm, Thomas

Kein Totschlag, sondern eine Körperverletzung mit Todesfolge: Die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Hagen hat den 22-jährigen Nigerianer, der die Mutter seiner beiden Kinder am 19. März in ihrer Wohnung in Neuenrade getötet hat, zu einer Haftstrafe von zehn Jahren verurteilt.

Weil das Strafmaß einen erheblichen Fluchtanreiz darstellt, bleibt der Angeklagte in Untersuchungshaft, bis das Urteil rechtsgültig ist und vollstreckt wird – bis zu einer möglichen Abschiebung. „Der Angeklagte ist fluchterfahren“, erinnerte die Vorsitzende Richterin an den abenteuerlichen Weg des jungen Mannes aus Nigeria nach Deutschland.

Zuvor hatte Staatsanwalt Nils Warmbold die Argumente versammelt, die für eine Verurteilung des 22-Jährigen wegen Totschlags sprachen. Den Unterschied macht die Antwort auf die Frage, ob der Angeklagte den Tod seiner Exfrau bewusst herbeiführen wollte. Der Staatsanwalt nannte einige Beweismittel, die dafür sprechen: Die beiden Messerstiche in Gesicht und Hals, die zwar nicht zum Tode führten, aber lebensgefährlich waren.

Staatsanwalt und Richter kommen zum gleichen Ergebnis

Weil der Gerichtsmediziner nicht genau sagen konnte, wie lange der Angeklagte die 24-Jährige gewürgt hatte, musste das Gericht von einer Minute ausgehen. Der Staatsanwalt versuchte den anderen Prozessbeteiligten deutlich zu machen, dass schon „eine Minute eine Ewigkeit ist, wenn Sie mit aller Kraft würgen. Das war sehr viel Zeit, in der dem erregten Angeklagten zu Bewusstsein kommen konnte, was er da macht.“ Beim Strafmaß kam der Staatsanwalt zum gleichen Ergebnis wie die Richter: Er beantragte eine Haftstrafe von zehn Jahren wegen Totschlags.

Verteidiger Andreas Trode räumte ein, dass er die Sichtweise des Gerichts zunächst übersehen hatte. Er wies auf Schwächen der schlüssigen, aber teilweise doch spekulativen Rekonstruktion des Staatsanwaltes hin. „Wir können aus der objektiven Tatortbeschreibung fast nichts schließen. Wir wissen viel zu wenig über die eigentliche Tat. Ich gehe davon aus, dass man den Tötungsvorsatz nicht nachweisen kann.“

Darstellung schlüssig, aber nicht feststellbar

Das sahen die Richter ebenso. Die Darstellung des Staatsanwaltes sei schlüssig, aber nicht sicher feststellbar. Deshalb müsse der Grundsatz „Im Zweifel für den Angeklagten“ angewendet werden. Es könne nicht einmal festgestellt werden, worüber sich der Angeklagte und die Getötete vor der Tat gestritten hatten. Seine Angaben über den Tatverlauf erklärten die Richter angesichts verschiedener nachgewiesener Unwahrheiten für „insgesamt nicht glaubwürdig“. Aufgrund verschiedener Indizien wiesen sie auch die Darstellung des Angeklagten zurück, dass er von der 24-Jährigen angegriffen worden sei.

Seine Tat gehe über den Normalfall des Paragrafen 227 (Körperverletzung mit Todesfolge) weit hinaus, erklärte die Vorsitzende und zählte die brutalen Übergriffe auf: „Er muss den Kopf der Frau gegen die Wand geschlagen haben.“ Dazu kamen die nicht tödlichen Stiche in Hals und Gesicht. Letztlich konzentrierten sich die Richter auf die Frage, ob der Angeklagte davon ausgehen musste, dass sein Würgen die 24-Jährige töten würde. Trotz des Zeitablaufs könne nicht sicher festgestellt werden, dass er sie töten wollte. Nach der Darstellung des Gerichtsmediziners konnte nicht ausgeschlossen werden, dass die Frau nach einem noch nicht tödlich wirkenden Würgen an Erbrochenem erstickte.

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