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Ein Seniorenzentrum zieht um: Vorbereitungen laufen

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Von: Carla Witt

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ESZ-Chefin Petra Wegener und Haustechniker Frank Kirchhoff kennzeichnen das Inventar mit Klebepunkten. In einer Liste wird genau vermerkt, welche Einrichtungsgegenstände später im ehemaligen Krankenhaus in Altena an welchem Platz stehen müssen.
ESZ-Chefin Petra Wegener und Haustechniker Frank Kirchhoff kennzeichnen das Inventar mit Klebepunkten. In einer Liste wird genau vermerkt, welche Einrichtungsgegenstände später im ehemaligen Krankenhaus in Altena an welchem Platz stehen müssen. © Witt, Carla

Petra Wegener zieht einen farbigen Klebepunkt von der Folie und kennzeichnet damit gut sichtbar einen Buffetschrank. Möbel, Bilder und alle anderen Einrichtungsgegenstände im Evangelischen Seniorenzentrum (ESZ) an der Graf-Engelbert-Straße sind oder werden von der ESZ-Leiterin oder ihrem Team noch auf diese Weise markiert. Der Umzug nach Altena rückt näher: Ab dem 10. Januar soll Inventar in Container geladen werden, voraussichtlich am 27. und 28. Januar sollen die Bewohner der Einrichtung die Reise in die Nachbarstadt antreten.

Neuenrade - Doch bevor es soweit ist, muss noch eine Menge vorbereitet werden. Dazu gehört das Kennzeichnen des Inventars – und das Aussortieren. Ein grüner Punkt steht für die Mitnahme, ein gelber für Einlagerung und ein roter bedeutet „entsorgen“. „Anfangs haben wir uns damit schwer getan. Doch in Altena haben wir wenig Lagerkapazitäten. Deshalb ist klar, dass wir uns von einigen Dingen trennen müssen“, stellt Wegener fest. „Inzwischen sehen wir es als Chance, dem Seniorenzentrum nach unserer Rückkehr ein moderneres Gesicht verleihen zu können.“

Den Umzug werde das Werdohler Unternehmen Schlotmann in die Hand nehmen. Damit später im ehemaligen Krankenhaus auch alles an der richtigen Stelle steht, führen Wegener und ihre Mitarbeiter eine Liste, auf der genau beschrieben ist, welches Möbelstück, wohin gebracht werden muss.

„Die Senioren ziehen dann an zwei Tagen in Kleingruppen um“, beschreibt die Chefin des ESZ. Bett, Nachttisch, sämtliche Pflegeartikel und ein gepackter Koffer für die ersten Tage in der neuen Unterkunft müssten jeweils sofort mit umziehen. Einige Senioren würden von ihren Angehörigen nach Altena gefahren, doch längst nicht alle. Deshalb hofft Wegener für den Umzug auf ehrenamtliche Unterstützung: „Wir suchen Menschen, die bereit wären, jeweils einige Bewohner in unserem Bulli nach Altena zu fahren. Finden wir diese Helfer nicht, ist der Kraftaufwand für uns gewaltig.“ Einen Personenbeförderungsschein benötigten Interessenten nicht, unterstreicht die ESZ-Leiterin.

Wer an den genannten Tagen keine Zeit hat, aber dennoch helfen möchte, hat dazu auch nach dem Umzug noch Gelegenheit. „Wir sind außerdem auf der Suche nach Fahrern, die bereit sind, Angehörige des ESZ, die kein Auto besitzen, regelmäßig nach Altena und wieder nach Neuenrade zu bringen“, erklärt Petra Wegener. An drei Nachmittagen pro Woche wolle man den Fahrdienst mit dem hauseigenen Bulli anbieten. Abfahrt in Neuenrade solle jeweils gegen 14 Uhr sein, die Rückfahrt könne dann um 16.30 Uhr erfolgen. „Ehrenamtliche Helfer wären dann etwa drei Stunden im Einsatz“, beschreibt Wegener den zeitlichen Aufwand. Sie würde sich über Fahrangebote unter Tel. 0 23 92/9 68 75 freuen.

Und während sich Petra Wegener auch schon Gedanken für die Zeit nach dem Umzug machen muss, hat das Team die Bewohner auf die bevorstehenden Ereignisse vorbereitet. „Es gab bisher drei Fragerunden, dabei konnten wir unseren Bewohnern vieles erklären und Ängste nehmen“, sagt sie. Auch in persönlichen Gesprächen mit Mitarbeitern sei vieles besprochen worden. „Oftmals wurden unsere Mitarbeiter gefragt, ob sie auch mit nach Altena kommen. Wir konnten die Bewohner natürlich beruhigen und es gab große Erleichterung“, erzählt die ESZ-Chefin. „Außerdem gehören unsere Bewohner zu der Generation, die sagen: ‘Wir haben schon Schlimmeres überstanden, da müssen wir jetzt durch.‘“ Allerdings: Sieben Bewohner hätten das ESZ bereits im Laufe dieses Jahres aufgrund des Umzugs verlassen. „Meistens waren es aber die Angehörigen, die den Senioren die Veränderung nicht zumuten wollten“, schildert Wegener.

Dass der Umzug und dessen Vorbereitungen inmitten der Corona-Pandemie stattfinden, erschwert das Ganze zusätzlich. Denn die Testung von Angehörigen und Bewohnern und viele weitere Pandemie-Maßnahmen kosten viel Zeit. Auf Hilfe der Bundeswehr hofft man in Neuenrade vergeblich. „Wir haben zum zweiten Mal angefragt – und auch dieses Mal einen ablehnenden Bescheid erhalten. Wir müssen ohne Hilfe klarkommen – und sind froh, dass wir einige ehrenamtliche Helfer haben.“

Trotz der gewaltigen Herausforderungen blickt die ESZ-Leiterin optimistisch in die Zukunft: „Wenn wir spätestens im Juli 2023 wieder zurückkehren, ist vieles noch bedeutend schöner als jetzt.“

Gesetzgeber verlangt Umbau

160 Senioren aus dem ESZ und dem Ellen-Scheuner-Haus in Altena, die von der Evangelischen Perthes-Stifung betrieben werden, müssen vorübergehend ins ehemalige Altenaer Krankenhaus ziehen. Hintergrund sind umfangreiche Umbaumaßnahmen in beiden Einrichtungen. Der Gesetzgeber verlangt, dass bis Juli 2023 jeweils 80 Prozent der Zimmer in Pflegeeinrichtungen Einzelzimmer sein müssen. Auch zusätzliche Badezimmer werden gefordert. Der Umbau bei laufendem Betrieb wäre kaum realisierbar und mit großem Stress für Bewohner und Mitarbeiter verbunden gewesen.

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