Evangelische Kirchengemeinde: Neues Personal und neues Konzept

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Die neue Jugendreferentin Annedore Weidlich und Pastor Kuhlo-Schöneberg.

Neuenrade - Die Evangelische Kirchengemeinde Neuenrade schrumpft kontinuierlich. Die Gründe sind wohl bekannt: Der demografische Wandel und Kirchenaustritte aus unterschiedlichsten Gründen.

Die Zeiten sind nicht einfach für die christlichen Gemeinden. Pfarrer will auch niemand mehr so recht werden, vor allem nicht auf dem Land. Zudem ist die Konkurrenz groß: Neuenrade inklusive Ortsteile ist, was das Religiöse anbelangt, grob gesagt dreigeteilt. Ein Drittel Evangelisch, ein Drittel Katholisch und ein Drittel Sonstige, das sich in Moslems, Freikirche oder Orthodoxe aufteilt. Auch jene, die keiner religiösen Gemeinschaft angehören, sind dieser Grupe zuzuordnen. Die exakten Zahlen per 31. März: 3904 Einwohner sind evangelisch, römisch-katholisch sind 4049 Einwohner und sonstige oder keine Religionszugehörigkeit haben 4342 Einwohner. 

Auch die Anbindung der Christen an ihre Kirche ist starken Schwankungen unterworfen und offenbar von Lebensphasen abhängig. Viele junge Leute haben nach der Konfirmation nicht mehr viel am Hut mit Kirche. Und kommen erst wieder – für ein Weilchen – wenn sie selbst Kinder haben, und dann erst wieder zum Lebensende hin. Die Kirche nimmt es mit Humor: Im jüngsten Pfarrbrief gibt es eine zu diesem Thema passende Karikatur. Da verabschiedet der Pfarrer die Konfirmandinnen und Konfirmanden: „Wir sehen uns wieder zum Krabbelgottesdienst mit Euren Kindern! Oder spätestens in 60 Jahren zum Seniorenkaffee unserer Gemeinde.“ 

Dem demographischen Wandel unterworfen

Die Gemeindestrukturen sind voll dem demografischen Wandel unterworfen: Zwei Zahlen aus der evangelischen Gemeinde zeigen das. Knapp 500 Kinder und Jugendliche gibt es im Alter von 0 bis 18 Jahren; die Zahl der über 70-Jährigen liegt bei rund 900 Personen. Rund 80 Personen besuchen sonntags regelmäßig den Gottesdienst. Ein Blick auf die Religionszugehörigkeit der Burgschüler (Grundschule) offenbart noch eine andere Entwicklung: 30 Prozent der Jungen und Mädchen sind inzwischen Moslems, wie der Pfarrer der evangelischen Gemeinde, Dieter Kuhlo-Schöneberg, zu berichten weiß. 

Kein einfaches Umfeld, in dem sich eine christliche Gemeinde heutzutage bewegen muss. In diesem Umfeld sind neue Wege der Kirche gefragt. Einiges wurde dabei in der jüngeren Vergangenheit schon unternommen: Der spezielle Konfirmandenunterricht, bei der die jungen Neuenrader Christen bei vielen Praktika das Gemeindeleben und die ehrenamtliche Arbeit kennenlernen. 

Weitere Herausforderungen

Nun gibt es weitere Herausforderungen. Die Gottesdienste sollen künftig anders, offener, familiärer gestaltet werden, erläutert der Pfarrer. Integrativer Gottesdienst nennt sich das. Nach den Sommerferien soll das peu á peu geschehen. Die Gemeindemitglieder sollen natürlich mitreden. 

Daher lädt Pfarrer Kuhlo-Schöneberg zunächst für den Sonntag in das Gemeindehaus ein. Dort können die Gäste bei Kaffee und Kuchen über das Konzept sprechen, ihre Vorstellungen äußern. Der Wunsch etwas zu ändern stammt aus den Kitas. Dort wollte man gerne etwas „mit allen gemeinsam“ machen, „zu einer Uhrzeit“. Das nahm der Pfarrer auf. 

Meinung der Gemeindeglieder gefragt

Nun möchte er aber auch die Meinung der anderen Gemeindeglieder hören. Eine grobe Skizzierung, wie das Projekt aussehen könnte, hat Kuhlo-Schöneberg jedoch bereits. So gehe es darum, den Gottesdienst möglichst für alle ansprechend und gemeinsam mit allen zu starten. Es gelte, die Familie als Ganzes anzusprechen. Vielleicht mit einem Lied der Kinder und Konfirmanden oder einer anderen Einstimmung (Kuhlo-Schöneberg: „Wollknäuel werfen und vernetzen“) zu starten und dann den Gottesdienst aufzuteilen. Die Kleinen könnten „im Turm“ vielleicht etwas zu einem bestimmten Thema basteln. Größere Kinder im benachbarten Gemeindebüro andere Dinge unternehmen, Konfirmanden, die mitarbeiten wollen und Erwachsene könnten in der Kirche bleiben. 

Besondere Gottesdienste wie der Himmelfahrtsgottesdienst draußen und der Motorradgottesdienst am 16. Juni blieben davon unberührt, hieß es von Kuhlo-Schöneberg. 

Wunsch nach Veränderung

Mitgetragen und mit umgesetzt wird das Konzept von der neuen Jugendreferentin Annedore Weidlich. Sie hat eine flexibel gestaltete halbe Stelle und wird zumindest für die kommenden zwei Jahre Jugendreferentin der Gemeinde als Schwangerschaftsvertretung für Franziska Kunze. Sie sagt: „Die Nachfrage ist da etwas zu ändern, jetzt müssen wir auch reagieren.“ Als Kirche müsse man sich öffnen und verändern. Und sie verweist auf das Gesprächsangebot am Sonntag. „Wer da nichts sagt, kann sich hinterher nicht beschweren.“ 

Weidlich ist verheiratet, hat zwei Kinder und stammt aus dem Nachbardorf Evingsen. Sie ist gelernte Klavierbauerin und Diplom-Sozialpädagogin. Sie ist eine erfahrene Kraft, hat beim Kirchenkreis Plettenberg als Jugendreferentin gearbeitet, war auch in Werdohl tätig. 

Den Glauben erleben können

Pfarrer Kuhlo-Schöneberg kennt sie aus früheren Tagen: „Für mich ist sie eine Traumbesetzung“. Ob Ten-Sing musikalische Jugendarbeit) oder Freizeiten – sie beherrscht die gesamte Klaviatur der Jugendarbeit. Weidlich ist offen für andere Dinge, hat auch länger beim Blauen Kreuz gearbeitet, sogar als Baby-Fotografin war sie unterwegs. Weidlich wird die vorhandene Jugendarbeit fortführen, hat allerdings auch andere Projekte. So wird sie dem Neuenrader Jugendnetzwerk beitreten. Zudem will sie den Jugendlichen einen Ort bieten, an dem sie den Glauben erleben könnten. „Nichts Verstaubtes“ – vielmehr möchte sie fragen, ob der Glaube nicht eine Lebensalternative sein könne. Darüber nachzudenken, dazu sollen die Jugendlichen eine Chance bekommen, sagt Weidlich abschließend.

Die Versammlung der Evangelischen Kirchengemeinde findet am Sonntag, 19. Mai, nach dem 10-Uhr-Gottesdienst ab etwa 11 Uhr im Gemeindehaus statt.

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