Europawahl am 26. Mai: So laufen die Vorbereitungen in Neuenrade

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Neuenrade - Bei der kommenden Europawahl am Sonntag, 26. Mai, dürfen theoretisch 8615 Bürger Neuenrades wählen gehen. Darunter wären auch 382 EU-Bürger.

Doch von all jenen, die von der Stadt wegen Zusendung der Wahlunterlagen angeschrieben wurden, gab es nur wenige Rückmeldungen. Lediglich zehn Bürger wollen sich in Neuenrade ins Wählerverzeichnis eintragen lassen. 

Einige EU-Bürger haben sich allerdings schon bei vorherigen Wahlen eintragen lassen und stehen damit bereits im Wählerverzeichnis. Klar ist, dass sie sich dann auch für einen der deutschen Kandidaten entscheiden müssen. Wer einen Kandidaten in seinem Ursprungsland wählen will, muss dies auch dort tun. Oder eben die Briefwahl in seinem Heimatland beantragen und dafür sorgen, dass die Wahlunterlagen rechtzeitig dort wieder ankommen. Das gleiche Prozedere gilt auch für Deutsche, die im EU-Ausland wohnen. Auch sie können sich dort registrieren lassen und so an der Wahl am 26. Mai teilnehmen. 

Auch Doppelstaatler dürfen wählen

Wählen dürfen natürlich auch Doppelstaatler, selbst wenn eine der Staatsangehörigkeiten nicht von einem EU-Land stammt. Zu dem Personenkreis der Doppelstaatler gehört auch „Ari“ Apostolopoulos, vielen Neuenradern aus der Ahornklause bekannt. Er wird in jedem Fall zur Wahl gehen. „Wer etwas ändern will, muss wählen gehen“, sagt er. Ari ist Europäer und Grieche – und ist von der aktuellen Europapolitik nicht überzeugt. Von der rigiden Sparpolitik hält er nichts. Es reiche, die Menschen in Griechenland würden sehr leiden. Denn politisch würden derzeit nur die Radikalen profitieren. Ein Phänomen, das aktuell ja nicht nur in Griechenland zu beobachten sei. Auch deshalb will er eine andere Europapolitik. 

„Ari“ Apostolopoulos beteiligt sich als Doppelstaatler an der Europawahl am 26. Mai

Wenn immer möglich, nimmt Ari sein Wahlrecht in Anspruch. Selbstverständlich gehe er zur Kommunalwahl und auch in Griechenland nehme er an den dortigen Parlamentswahlen teil. Dass er von den Bundestagswahlen ausgeschlossen ist, bedauert der Imbissbetreiber. Auch seine Frau sieht die große Politik kritisch: „Politik sollte für die Menschen da sein.“ Diese Art der Politik vermisst sie. Auch deshalb bekämen die Radikalen Zulauf. Zudem fehlt ihr bei den großen Parteien die Unterscheidbarkeit. SPD oder CDU – da sieht sie auf höherer Ebene keinen Unterschied. 

Briefwahl: Schon 1510 Anträge

Neben der Familie Apostolopoulos gibt es in Neuenrade weitere 8613 Wahlberechtigten. Davon haben bislang immerhin 1510 die Briefwahl beantragt. „Für eine Europawahl ist das gar nicht schlecht“, sagte Jörg Wende, der in der Neuenrader Verwaltung den Wahltag in der Hönnestadt organisiert. Zum Vergleich: Bei einer Bundestagszahl gibt es rund 2400 Briefwähler, bei einer vergleichbaren Zahl an Wahlberechtigten. 

Bleiben aktuell also gut 7100 Wahlberechtigte, die jetzt ihre Stimme in einem der Wahllokale Neuenrades abgeben können. Zehn Urnenwahl- und drei Briefwahlbezirke gibt es. 

Repräsentative Stimmbezirke

Dabei gilt es auf eine Besonderheit hinzuweisen: So wurden zwei Neuenrader Stimmbezirke vom Statistischen Landesamt IT.NRW als repräsentativ ausgewählt: Wilhelmshöhe und Kulturschuppen. Vorher wurde dafür das Wählerverzeichnis nach Altersgruppen und Geschlecht ausgewertet: a bis f entspricht männlich, divers oder ohne Angaben. g bis m ist weiblich. Die Stimmzettel in diesen Wahllokalen enthalten eine entsprechende Markierung. Zur Gewinnung der Daten werden die Wählerverzeichnisse und die abgegebenen Stimmzettel ausgewertet. Die Statistiker wissen also nach der Auswertung, welche Altersgruppe (zum Beispiel 1960 bis 1969) welchen Geschlechtes was gewählt hat. 

Über das amtliche Wahlergebnis hinaus wird so klar, „in welchem Umfang sich die Wähler an der Wahl beteiligt haben und wie sie gestimmt haben“, heißt es dazu von Dr. Georg Thiel, Bundeswahlleiter. Das Wahlverhalten nach Geschlecht und Altersgruppe lässt sich analysieren. Auch auf welche Weise Stimmen ungültig abgegeben werden, wird dann klar. Wie Jörg Wende noch ergänzend erläuterte, gebe es noch weitere Vorschriften. Die Zahl der Wähler in den Stimmbezirken dürfe nicht unter 400 liegen. Allein im Wahlbezirk Wilhelmshöhe gebe es 1200 Stimmberechtigte. 

Drei Prozent zufällig ausgewählt

In ganz Deutschland wurden für die Europawahl rund 72 000 Urnen- und 15 000 Briefwahlbezirke eingerichtet. Davon wurden wiederum für die repräsentative Wahlstatistik nach statistischen Methoden 2750 Stichprobenwahlbezirke (darunter 500 Briefwahlbezirke) zufällig ausgewählt. Das entspricht einem Anteil von drei Prozent aller Wahlbezirke und reiche für eine repräsentative Auswertung, heißt es vom Bundeswahlleiter. 

Ausgewertet werden die Daten zunächst von den Gemeinden (Wählerverzeichnisse) und vom Statistischen Landesamt. Am Ende werden die Daten vom Statistischen Bundesamt hochgerechnet und fließen in die nationale Wahlanalyse ein. 

Team der Wahlhelfer fast komplett

Ein Gesetz regelt: Personenbezogene Daten werden nicht erhoben. Wählerverzeichnisse und Stimmzettel dürfen nicht zusammengeführt und Ergebnisse der repräsentativen Wahlstatistik dürfen nicht für einzelne Wahlbezirke veröffentlicht werden. 

Ansonsten ist die Europawahl in Neuenrade organisatorisch so gut wie abgearbeitet. Die Wahlkisten, gefüllt mit Gummiband und Siegelmarken sind gepackt, auch sind fast alle Wahlhelfer verpflichtet. 104 Personen, acht pro Wahllokal, müssen es am 26. Mai sein.

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