„Erzieherischer Super-Gau“

Symbolfoto.

NEUENRADE ▪ Gleich drei Mal pro Jahr seit 2007 bis zum Juli dieses Jahres fuhr der 48-jährige Angeklagte nach den Angaben seines Verteidigers nach Arnheim in Holland, um sich nicht nur für den Eigenbedarf Haschisch und Amphetamine zu besorgen.

Aus diesem Grund musste er sich auch vor dem Altenaer Amtsgericht gestern Nachmittag verantworten.Er habe Stress auf der Arbeit gehabt und nach Feierabend gerne etwas „eingeworfen“, das habe sich so eingebürgert. So äußerte sich der Angeklagte vor Richter Dirk Reckschmidt. Der kaufmännische Angestellte aus Neuenrade hatte aber nicht nur illegal die Drogen nach Deutschland eingeführt.

Wie es sich vor Gericht darstellte, beabsichtigte er scheinbar auch, rund 800 Gramm an Haschischplatten durchschnittlicher Qualität zu verkaufen, die aber bei der Durchsuchung seiner Wohnung nicht mehr auffindbar waren. Dort fand die Polizei noch zusätzliche 0,7 Gramm Kokain, rund 30 Gramm Haschisch und knapp 22 Gramm Amphetamine im Besitz des Neuenraders. Zudem war der 48-Jährige angeklagt, ein- oder zweimal im Monat auch seinem eigenen, minderjährigen Sohn für einen Zehner ein Gramm Marihuana verkauft zu haben. Dadurch wollte der alleinerziehende Vater nach eigenen Angaben verhindern, dass sich sein Sohn bei Unbekannten mit der Droge eindeckte und ihm gleichzeitig beibringen, dass das Kiffen eine teure Angelegenheit sei.

Sein Sohn sei auf ihn zugekommen, als er von der Drogensucht seines Vaters erfahren habe. Aber anstatt Maßnahmen zu treffen, das Kiffen des Sohnes einzudämmen oder sogar zu verhindern, versorgte der Vater ihn selbst wie erwähnt mit dem Marihuana. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft und auch Richter Reckschmidt nannten dieses Verhalten des 48-Jährigen einen „erzieherischen Super-Gau“. Für den Angeklagten war es laut seiner Einlassung erst einmal eher ein Grund, dass sich die Vater-Sohn-Beziehung in der Zeit verbessert hatte. Mittlerweile hätten aber beide das Kiffen aufgegeben und seien clean.

Da der 48-Jährige nicht vorbestraft war und sich auch umfassend geständig zeigte, verurteilte das Gericht ihn zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Als Bewährungsauflage muss er zudem 4000 Euro an die Justizkasse zahlen. In der Urteilsbegründung verwies Richter Dirk Reckschmidt noch einmal auf die Verantwortung des Vaters für seine beiden Kinder. Es solle einfach Schluss sein mit dem Dope.

▪ GrAn

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