Waldorfschule Neuenrade

Erstklässler verletzt sich bei Sportfest: Verfahren gegen Lehrerin eingestellt

Das Verfahren gegen eine Lehrerin der Waldorfschule in Neuenrade ist zwei Jahre nach dem Unfall bei einem Sportfest eingestellt worden.
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Das Verfahren gegen eine Lehrerin der Waldorfschule in Neuenrade ist zwei Jahre nach dem Unfall bei einem Sportfest eingestellt worden.

Das Strafverfahren gegen eine Lehrerin der Neuenrader Waldorfschule ist beendet. Mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft und der Angeklagten stellte Richter Dirk Reckschmidt das Verfahren vor dem Amtsgericht in Altena ohne weitere Auflagen ein.

Es war ein Vorfall bei einem Sportfest im Waldstadion am 7. Juni 2019, das der erfahrenen Lehrkraft die belastende Strafverfolgung wegen unterlassener Hilfeleistung eingebracht hatte. Ein Schüler der 1. Klasse war damals auf einer frisch gemähten Böschung ausgerutscht und hatte sich einen komplizierten mehrfachen Bruch des Unterarms zugezogen. Dies hatten die Lehrkräfte vor Ort allerdings nicht bemerkt.

Sie sei davon ausgegangen, dass der Sechsjährige sich bei dem Sturz lediglich einen Bluterguss zugezogen hatte, erklärte die Angeklagte im Amtsgericht Altena. Nach mehreren Stürzen von Schülern sei ihr bewusst gewesen, dass das Gelände sehr glatt war. Deshalb habe sie ein Betretungsverbot ausgesprochen. Während sie den Staffellauf der älteren Schüler beaufsichtigte, stürzte der Erstklässler außerhalb ihres Sichtbereichs auf dem glatten Abhang. Die Verletzung habe ausgesehen wie ein Bluterguss, erinnerte sich die Lehrerin. Drehbewegungen hätten dem Jungen zwar wehgetan, aber „alles andere ging“: „Es war an dem Arm nichts zu sehen.“

Achtjähriger muss nicht aussagen

Nach einem ersten Anlauf zur Aufklärung des Geschehens im Februar hatte Richter Dirk Reckschmidt die Verhandlung ausgesetzt, um den mittlerweile Achtjährigen als Zeugen zu vernehmen. Dessen Mutter bat jetzt allerdings darum, dass ihrem Sohn die Vernehmung erspart bleibe. Deshalb wurden zwei Lehrkräfte dazu befragt, ob die Verletzung des Jungen hätte bemerkt werden müssen. Eine weitere Lehrerin hatte ihn in ihrem Auto mit zur Schule genommen und von dort aus die Eltern benachrichtigt. „Er hatte Schmerzen.“ Auch ihr blieb der Ernst der Lage verborgen, bis sie von den ärztlichen Befunden hörte: „Ich habe mich gewundert, wie zerstört dieser Arm gewesen sein soll.“

Erst der Geschäftsführer der Waldorfschule erkannte den Ernst der Lage und bestellte einen Rettungswagen. Er erklärte seinen geschulten Blick mit seiner „erweiterten Sanitäts- und Erste-Hilfe-Erfahrung“ als ehemaliger Feuerwehrmann. „Das sieht für mich wie ein Armbruch aus“, erklärte er damals nach einem fachkundigen Blick auf die vorhandene Schwellung am Unterarm des Jungen. Ein Bruch zeige sich dadurch, dass „ein Knochen etwas hochsteht“. Der herbeigerufene Notarzt renkte den Arm noch vor Ort wieder ein, bevor der Junge ins Krankenhaus gebracht und operiert wurde.

Hätte die Lehrerin erkennen müssen, dass ihr Schützling ernsthaft verletzt war und weitergehende Hilfe brauchte? Möglicherweise hatte sie in fahrlässiger Weise nicht rechtzeitig gehandelt. Andererseits trug sie überzeugend vor, dass sie nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt habe. So gab es zwar keinen Freispruch, aber eine endgültige Einstellung des Strafverfahrens, das sie fast zwei Jahre lang stark belastet hatte.

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