Gemeinde in Neuenrade

Erster Präsenzgottesdienst schlecht besucht: Nur sieben Gläubige kommen

Während Dieter Kuhlo-Schöneberg am Eingang eine Besucherliste führte und auf die Einhaltung der Hygienevorgaben achtete, hielt seine Frau Monika Schöneberg die Predigt im coronabedingt ersten Präsenzgottesdienst 2021.
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Während Dieter Kuhlo-Schöneberg am Eingang eine Besucherliste führte und auf die Einhaltung der Hygienevorgaben achtete, hielt seine Frau Monika Schöneberg die Predigt im coronabedingt ersten Präsenzgottesdienst 2021.

Erstmals in diesem Kalenderjahr fand in der evangelischen Kirche in Neuenrade am Sonntagmorgen ein Gottesdienst statt. Mehr als 20 Gläubige hatten sich zur Teilnahme angemeldet. In den Bankreihen saßen letztlich jedoch lediglich sieben Besucher.

Neuenrade – Nur sieben Gläubige nahmen am Sonntag, 7. Februar, auf den Bänken in der Evangelischen Kirche in Neuenrade Platz. Möglicherweise hatte der erneute Wintereinbruch die Neuenrader Protestanten davon abgehalten, zum Gotteshaus zu kommen. So war es jedenfalls bei der Gattin von Walter Listringhaus, der ohne Frau kam und lediglich ihre Grüße an Pastor Dieter Kuhlo-Schöneberg ausrichtete, der am Eingang der Kirche stand, um die Besucher in eine Liste einzutragen. Den Gottesdienst selbst hielt er nicht. Durch die 45 Minuten leitete Laienpredigerin Monika Schöneberg, die Ehefrau des Pfarrers.

Vor dem Beginn stellte sie erleichtert fest: „Ich freue mich, schließlich habe ich schon so lange keinen Gottesdienst mehr gemacht.“ Sie lachte und fügte hinzu: „Ich brauche das lebendige Gegenüber, muss sehen können, wie die Menschen auf das, was ich sage, reagieren.“

Ihr Ehemann war zwiegespalten. Einerseits klagte er: „Es ist natürlich nicht das Wetter für einen guten Start.“ Andererseits stellte er fest: „Es ist ein gutes Gefühl, auch wenn wir nur wenige sind, dass es endlich einmal wieder losgeht.“ Er holte Luft und ergänzte: „So kann es doch auf Dauer auch nicht bleiben.“

Denjenigen, die den Kampf gegen Schnee, Matsch und Eis gescheut hatten, blieb die Möglichkeit, den Live-Stream des Gottesdienstes im Internet zu verfolgen. Sie hörten, wie Laienpredigerin Schöneberg darüber referierte, dass „wir derzeit alle nur auf Virologen, Politiker, Ärzte, Nachrichtensprecher, Psychologen und Ethiker hören“. Angesichts dessen fragte sie, „ob Gottes Wort nur etwas für Spinner und Träumer ist“. Sie rief den Herrn auf: „Lass nicht zu, dass Politiker und Virologen lauter sind als Dein Erbarmen.“

Weiter sinnierte sie: „Da sind viele Ansichten, die uns den letzten Funken Hoffnung nehmen. Gott aber will uns trösten wie eine Mutter, uns stärken, uns Kraft geben. Er will uns von außen und innen gesund machen.“ Während der Fürbitten bat Schöneberg um „Besinnung und Mahnung für alle Leichtsinnigen“.

Sie beendete den Gottesdienst mit Hinweis auf den Sinnspruch des Propheten Jesaja, den jeder Besucher am Eingang von ihrem Mann erhalten hatte: „Es wird nicht dunkel bleiben über denen, die in Angst sind.“ Auf der Leinwand erschien ein Bild mit der Aufschrift: „Bleiben Sie gesund!“.

Eine dreiviertel Stunde zuvor erzählte Walter Listringhaus, dass er „Mitte Dezember zuletzt hier einen Gottesdienst gefeiert“ hatte. Er bekräftigte: „Ich wäre auch schon früher wieder gekommen. Ich habe überhaupt keine Bedenken gehabt.“ Ebenso erging es Kia Marie Hengesbach und Jan Riecke. Das Paar zeigte sich überzeugt: „Die Sicherheit ist hier gewährleistet. Es passen doch zehn Mal so viele Menschen in die Kirche. Da ist das Abstand-Halten ja kein Problem.“

Die nächsten Personen, die zeitgleich im Gotteshaus ankamen, erklärten übereinstimmend, dass sie keine Sekunde gezögert hätten, sich für den Kirchenbesuch anzumelden. Die drei Frauen überlegten, wann sie zuletzt dort gewesen seien, aber genau benennen konnten sie es nicht. „Das ist so lange her“, brachte eine von ihnen ihre Empfindungen auf den Punkt.

Neben den sieben Kirchenbesuchern sowie dem Ehepaar Schöneberg waren noch fünf Helfer vor Ort, die die Kameras für den Live-Stream bedienten, die Orgel spielten, die Lesung hielten und die Lieder des Gottesdienstes.

Feste Regeln

Die evangelische Kirchengemeinde Neuenrade hat feste Regeln, nach denen sie beurteil, ob und in welcher Form Gottesdienste am Wochenende stattfinden dürfen: Jeweils dienstags betrachten die Verantwortlichen den Corona-Inzidenzwert der Hönnestadt. Liegt dieser bei 200 oder höher, bleibt die Kirche am Sonntag geschlossen. Liegt er zwischen 100 und 200, werden sonntags ab 10 Uhr bis zu 30 Besucher im Gotteshaus empfangen. Bei einem Inzidenzwert von weniger als 100 liegt die Maximalauslastung bei 53 Gottesdienst-Teilnehmern. Am vergangenen Dienstag lag der Wert noch höher, sodass am Sonntag höchstens 30 Menschen in die Kirche gelassen worden wären. Beim nächsten Gottesdienst am Sonntag, 14. Februar, könnten es dann ab 10 Uhr bereits wieder mehr als 50 sein.

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