„Wenn viele reden, ist das richtiges Chaos im Ohr“

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Tina Stahlschmidt und Anja Fuchs (re.) gründeten den ersten Plettenberger Hörtreff.

Plettenberg - Wie bitte, das habe ich nicht richtig verstanden?“ Diesen Satz hört man häufiger und nicht selten liegt beim Fragesteller eine Hörschädigung vor. Doch an wen könne sich Betroffene wenden? Diese Frage können Anja Fuchs und Tina Stahlschmidt beantworten, denn beide gründeten kürzlich mit mehr als einem Dutzend interessierter Bürger den „Plettenberger Hörtreff“ – eine Selbsthilfegruppe für Menschen mit Hörbehinderungen.

„Damit wollen wir die Menschen im Märkischen Kreis für dieses Thema sensibilisieren“, sagte Anja Fuchs. „Das Ziel der Treffen ist, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen, über Hilfe-Möglichkeiten zu sprechen und wichtige Informationen zum Thema weiterzugeben“, erklärte Tina Stahlschmidt beim ersten Treffen im Paul-Gerhardt-Haus. 

Angesprochen seien Schwerhörige und Ertaubte, Menschen mit sogenannten Cochlear-Implantaten oder mit Morbus Meniere sowie Menschen mit anderen Hörschädigungen. Bei der ersten Gesprächsrunde wurde schnell deutlich, wie unterschiedlich die Probleme sind. Ein 80-jähriger berichtete: „Wenn viele reden, ist das richtiges Chaos bei mir im Ohr.“ 

Ein anderer Teilnehmer schwärmte von einer Direktübertragung vom Fernseher auf das Ohr. „Man hat das Gefühl, als säße man in einem Konzertsaal, schwärmte er. Ein anderer Teilnehmer, der als Kind an einer Hirnhautentzündung litt und seitdem auf einem Ohr nahezu komplett taub ist, hört ohne Hörgeräte besser. Ihn stören vor allem die verstärkten Nebengeräusche, wenn er das Gerät höher einstellt. Davon wusste auch eine ältere Plettenbergerin zu berichten. 

„Ich habe mein Hörgerät meistens im Schrank. Das ist irgendwie lästig.“ Wenn sie es benutze „und ein Laster fährt vorbei, platzt mir fast der Schädel.“ Probleme bereitete einer anderen Teilnehmerin des Hörteffs ihr enger Gehörgang. „Ich höre eine Stecknadel fallen, aber verstehe Gespräche oft nicht.“ Eine jüngere Gruppenteilnehmerin wurde bereits mit 27 Jahren schwerhörig. „Die bei mir eingesetzten Implantate haben sehr viel gebracht“, berichtete sie. In Kombination mit dem Hörgeräte komme sie sehr gut damit klar. Tina Stahlschmidt gab zu verstehen, dass die Wahl des Akustikers wichtig sei. Zudem gebe es eine Vielzahl unterschiedlicher Geräte in allen Preisklassen. 

„Ein guter Akustiker überlässt einem die Geräte zwei bis drei Monate und stellt sie passend ein.“ Dass man mit einem Hörgerät gleich perfekt höre, könne man nicht erwarten. „Was lange weg war, kommt nicht von heute auf morgen wieder“, so Stahlschmidt. Anja Fuchs verwies auf die große Bedeutung der Kommunikation. Für sie sei es ungemein wichtig, dass sie von den Lippen ablesen kann. „Das Lippenlesen habe ich mir nie bewusst angeeignet“. Ungeachtet sollte man im Umgang mit schwerhörigen Menschen einige Dinge beachten. Sinn mache es, direkten Blickkontakt zu suchen. Dabei sollte man aber nicht schreien, denn das verunsichere die Betroffenen. „Sprechen Sie in gewohnter Lautstärke in normalem Sprechtempo, eventuell etwas deutlicher“, riet Fuchs abschließend.

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