Erste Talente werden sichtbar

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Saboor, Abdu, Hasen, Hosain, Amir und Masoud Kreierten mit Hilfe des Musik- und Theaterdozenten Gaith Al Dabbag einen deutsch-arabisch-farsisprachigen Rap.

Neuenrade - Die Flüchtlinge haben sich hingesetzt und quasi mal eben einen Rap komponiert und getextet. Es geht in dem Stück um die Sehnsucht nach Familie, um Beziehungen und um Deutschland. Und das Lied eröffnet einen anderen Blick auf die jungen Männer – abseits von den aktuellen Debatten.

Der Text ist eine Mischung aus Deutsch, Arabisch und Farsi (Afghanistan/Persien). Dass die jungen Männer aus Afghanistan und Syrien im Alter von 17 bis 28 Jahren in einem Nebenraum der Neuenrader Bücherei Rap texten und komponieren liegt am Talent Campus, der dort in dieser Woche stattfindet. „Das bin ich! – My way, my life. Leben + Erleben + überleben = Zusammenleben. Wir drehen einen Film mit Dir.“, ist dieses einwöchige Seminar überschrieben.

Die VHS Lennetal bietet das an in Kooperation mit der Neuenrader Stadtbücherei und dem Zentrum für Lesen, Integration und Sprache (Zelius), dem Kulturnetzwerk Forum Neuenrade und mit Unterstützung durch die Bildungskoordinatorin für Neuzugewanderte des Märkischen Kreises im regionalen Bildungsnetzwerk MK. Am langen Ende ist es gar das Bundesministerium für Bildung und Forschung, welches das ganze fördert. Maik Wiesegart, Simone Simon-Böhmer und Gaith Al Dabbag kümmern sich als Dozenten um mehr als 15 Teilnehmer, die kostenfrei an dem einwöchigen Kurs mitmachen.

Dabei geht es in erster Linie darum, dass sich die jungen Teilnehmer einer Selbstreflektion unterziehen und sich mit ihrer Zukunft beschäftigen. Das alles geschieht in Gesprächen und eben im Rahmen künstlerischer, technikunterstützter Arbeit. Filme werden dabei unter anderem gedreht.

Maik Wiesegart, eine der Dozenten war zum Auftakt angetan vom Elan und dem Engagement der Teilnehmer. So kamen dabei Dinge heraus wie die „Ich liebe Demokratie“, oder auch spezifische Zukunftspläne für eine Rückkehr nach Syrien, um das Land wieder aufzubauen – aber eben nur ohne Assad. ‘Es gibt natürlich auch den Wunsch, sich in Deutschland ein Leben aufzubauen, im Sauerland oder auch anderswo. Teilnehmer sind eben junge Flüchtlinge. Die Verständigung funktioniert. Manche würden schon super Deutsch sprechen, bei anderen hapere es noch, da springe dann aber ein Übersetzer bei. Begeistert zeigt sich Wiesegart jedenfalls von dem Projekt.

 All das geschieht eben in einer künstlerischen, gesteuerten Herangehensweise. Unter anderem entstand eben auch jener Rap, den Saboor, Abdu, Hasen, Hosain, Amir und Masoud mit Hilfe des Musik- und Theaterdozenten Gaith Al Dabbag komponierten. Ein Beat wurde aufgesetzt, den Rest erledigten die Teilnehmer. Nicht nur für Sandra Horny, Zelius-Leiterin, war das Stück durchaus ergreifend.

Am Freitag endet der Talent Campus mit einer großen Abschlusspräsentation, zu der alle Interessierten eingeladen sind. Die Präsentation beginnt um 16 Uhr in der Stadtbücherei/Zelius.

Von Peter von der Beck

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