Bürger wollen Änderungen

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Die erste Straße soll attraktiver werden: Anwohner und Geschäftsinhaber hatten viele Vorschläge.

NEUENRADE ▪ Die Erste Straße ist – wenn es um das Thema Stadtentwicklung geht – der neuralgische Punkt für Stadtverwaltung, Politik und Bevölkerung. Die Hauptverkehrsader durch die Hönnestadt ist nicht nur aufgrund des starken Verkehrs unattraktiv für Passanten und Geschäftskunden.

Immer mehr Verkaufsfläche steht leer, das Angebot schrumpft – mit den umworbenen „Einkaufserlebnissen“ größerer Städte kann Neuenrade nicht mithalten. Doch Verwaltung und Politik wollen jetzt konkret handeln und sich der Herausforderung stellen, damit Stadtentwicklung und Infrastrukturen nicht verloren gehen.

„Egal, ob die Umgehungsstraße nun kommt oder nicht“, sagte Bürgermeister Klaus Peter Sasse im Rahmen eines Bürgergesprächs am Montagabend im Kaisergarten. An die 150 Einzelhändler, Immobilienbesitzer und Bürger waren der Einladung zu diesem offenen Meinungsaustausch gefolgt. Ihre Vorschläge, Anregungen, Kritik und Verbesserungstipps waren an diesem Abend in erster Linie erwünscht.

„Wir wollen die Stimmung der Bürger einholen“, forderte das Stadtoberhaupt alle Anwesenden dazu auf, ans Mikrophon zu treten. Viele nutzten die Möglichkeit, ihre Sicht der Dinge darzustellen. Vermieter und neue Mieter könnten für das erste Geschäftsjahr einen geringeren Mietvertrag vereinbaren und im zweiten Verkaufsjahr – je nachdem wie erfolgreich das erste Geschäftsjahr verlaufen ist – neue Bedingungen festlegen, lautete ein Vorschlag, der sich in erster Linie an die Kulanz der Hausbesitzer richtete. Die Erste Straße ist eine stark frequentierte Durchgangsstraße. Passanten könnten sich auf den Gehwegen sicherer fühlen, wenn die Autos langsamer fahren würden, war aus den Zuschauerreihen zu hören.

„Die Stadt ist an den Vormittagen menschenleer“, schilderte Christiane Frauendorf ihre Beobachtungen, die sie ganz bewusst seit mehreren Monaten anstellt. „Es passiert nur noch ein gezieltes Einkaufen“, hat sie bei einer persönlichen Befragung ihrer Kundschaft ermittelt. „Das heißt also, die Stadt ist nicht schön für Fußgänger“, zieht sie eine Schlussfolgerung. „Wie schön ist es an der Zweiten Straße“, ergänzte Jürgen Urbas. An der Ersten Straße sei nie der Versuch unternommen worden, sie attraktiver zu gestalten.

„Vielleicht haben wir zu blauäugig auf die Umgehungsstraße gewartet“, übte der Bürgermeister Eigenkritik. „Ich lehne mich jetzt weit aus dem Fenster, aber wir können das Thema nur angehen, wenn wir als Stadt in Vorleistung zur Verbesserung der optischen Rahmenbedingungen gehen“, ließ er durchblicken, entsprechende Vorschläge demnächst mit Verwaltung und Politik diskutieren zu wollen. „Die Bürgersteige sind unattraktiv. Das sind unschöne Platten, die teilweise hochstehen. Die Straßenbeleuchtung ist optisch eine Katastrophe, egal, ob sie brennt oder nicht. Die Bürgersteige sind zu schmal“, zählte Sasse einige Mängel auf. Entsprechende Lösungen kann sich das Stadtoberhaupt schon vorstellen: „Die Trennung zwischen Fahrbahn und Gehweg könnte beispielsweise mit Pollern oder Bepflanzung optimiert werden.“ Damit wolle er ein Zeichen setzen und die Verschönerungs-Aktionen nicht alleine auf Privatinitiativen abschieben.

Die großen Discounter seien mit ihren Angeboten eine zu große Konkurrenz für kleine Einzelhändler, hob Klaus Filter hervor, der in diesem Aspekt einen weiteren Grund für das Aussterben des Einzelhandels sieht. Er appellierte an alle Bürger, auch einmal im Einzelhandel nach Waren zu greifen. Darüber sollte sich jeder langfristig Gedanken machen, sonst gebe es in ein paar Jahren überhaupt keine Einzelhändler mehr.

Diesbezüglich erinnerte Klaus Peter Sasse an das Projekt „Markthalle“ an der Zweiten Straße. „Das ist gescheitert. Viele haben gesagt, dass sie das toll finden, sie sich aber das Preisniveau des Geschäfts nicht leisten können“, blickte er zurück.

Der Verwaltungschef glaubt zudem, dass Bürger deshalb in größere Städte fahren, weil das Angebot dort größer ist. „Auch darüber müssen wir uns Gedanken machen. Wenn Filialisten eine größere Verkaufsfläche suchen und sie nicht bekommen, ist die Gefahr, dass das Geschäft ganz schließt, größer. Wir müssen neue Konzepte finden.“

Das eigene Schaufenster mit Auslage ordentlich zu präsentieren, ist nach Meinung von Christiane Frauendorf eine Möglichkeit, mit kleinen Mitteln die Attraktivität der Verkaufsstraße zu steigern. „Das verändert das Gesamtbild ungemein.“ Kleine Bepflanzungen an den Eingängen sowie eine schöne Beleuchtung müsste für jeden machbar sein, glaubt sie. Das locke nicht nur Kunden, sondern vielleicht auch neue Mieter. Mehrere Räume könnten doch zusammengelegt werden, um zu kleine Geschäfte zu vermeiden, lautete ein weiterer Vorschlag aus der Runde, ebenso wie der Hinweis, dass ein übersichtliches Parkleitsystem dringend notwendig sei. ▪ Susanne Riedl

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