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Ein Herz und eine Seele: Zwillinge Kohlhage feiern den 90. Geburtstag

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Von: Michael Koll

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Friedrich Wilhelm „Koco“ Kohlhage feiert mit seinem Zwillingsbruder Ernst-Hermann am Montag, 27. Juni, den 90. Geburtstag.
Friedrich Wilhelm „Koco“ Kohlhage feiert mit seinem Zwillingsbruder Ernst-Hermann am Montag, 27. Juni, den 90. Geburtstag. © Koll, Michael

90 Jahre alt werden Ernst-Hermann und sein kleiner Bruder Friedrich Wilhelm „Koco“ Kohlhage am Montag, 27. Juni. „Mein Bruder ist 45 Minuten älter. Und ich hatte bei der Geburt nur knapp unter drei Pfund“, blickt Friedrich Wilhelm zurück auf die Anfänge.

Neuenrade - In Bezug auf sein Geburtsgewicht sagt „Koco“ allerdings: „Ich habe dann aber ein bisschen aufgeholt.“ Konkret heißt das: „Ernst-Hermann war später immer 15 Kilogramm leichter als ich.“

Seit die Zwillinge ihrer Kindheit entwachsen sind, sind sie sprichtwörtlich ein Herz und eine Seele. „Als wir Kinder waren, war im Haus schon manchmal ordentlich Krach“, gesteht Friedrich Wilhelm. „Doch seither hatten wir nie auch nur einen Streit mehr miteinander.“

Rückblickend auf die Jugend der beiden Brüder sagt er: „Wir waren keine überragenden Schüler, weil wir einfach zu viele Nebeninteressen hatten.“ Kohlhage konkretisiert: „Wir hatten es faustdick hinter den Ohren, haben andauernd irgendwelche Streiche gemacht.“

Hilfreich im Hinblick auf das Aufkommen irgendwelcher Streitsituationen der beiden sportbegeisterten Brüder untereinander, sei folgende Begebenheit gewesen, erinnert sich Friedrich Wilhelm: „Ursprünglich waren wir ja beide Turner. Doch irgendwann hat mich der Abteilungsleiter in den Hintern getreten – wahrscheinlich völlig zurecht. Und da bin ich zu den Fußballern gegangen, während Ernst-Hermann bei den Turnern blieb.“

„Koco“ lächelt spitzbübisch, nachdem er diese Anekdote erzählt hat. Fast scheint es, als blicke man dem Streiche fabrizierenden Jungen von damals wieder in die Augen. Dann aber erzählt er: „Unser Vater starb 1950.“

Die Brüder waren kaum 18 Jahre alt. Während Friedrich Wilhelm das väterliche Unternehmen übernahm, konnte Ernst-Hermann weiter zur Schule gehen, Maschinenbau studieren und promovieren.

„Koco“ indes hatte eine schwere Aufgabe vor sich: „Die Umsätze der Firma brachen nach Vaters Tod um 60 Prozent ein – und ich musste die Firma dann retten.“ Das gelang ihm auch, während sein Bruder nach dem Studium sofort ein Angebot bekam, in Bühl Geschäftsführer eines Unternehmens in der Automobilbranche zu werden.

Dort lebt Ernst-Hermann noch heute, ist Mäzen des Festspielhauses Baden-Baden und des Palliativvereins in Bühl selbst. Nachdem er mit 68 Jahren zum Pensionär wurde, hat ihn auch die Heimat nicht losgelassen. „Sein Herz schlägt auch heute noch für Neuenrade – natürlich“, betont Friedrich Wilhelm die Verbundenheit seines Bruders mit dem Sauerland. Für Neuenrade spendierte Ernst Hermann das Karussell Karlo und den Spielplatz an der Villa am Wall.

Friedrich Wilhelm genießt heute seinen Ruhestand: „Ich habe mit 65 Jahren aufgehört im Geschäft. Danach bin ich nur noch mit meiner Frau auf Reisen gewesen.“ Dann schiebt er hinterher: „Wir haben ja keine Kinder.“

1996 bekam Friedrich Wilhelm Kohlhage das Bundesverdienstkreuz verliehen – eine Ehre, die seinem Bruder erst in diesem Jahr zuteil wurde. Doch auch dieser Vorsprung des in Neuenrade verbliebenen Bruders schaffte keinen Neid oder gar Zwist zwischen den Zwillingen. „Wir hatten immer ein tolles Verhältnis zueinander“, hebt „Koco“ hervor.

Friedrich Wilhelm Kohlhage war ab den 70er-Jahren Oberst der Neuenrader Schützengesellschaft (1973 bis 1995). Er regierte die Schützen zudem im Jahr 1956. Außerdem war er bereits ab Mitte der 60er der erste Abteilungsleiter der frisch gegründeten TuS-Neuenrade-Schwimmer (1964 bis 2004). Und er sang im MGV Liedertafel. 1975 bis 1979 war „Koco“ stellvertretender Bürgermeister Neuenrades. Der FDP-Politiker gehörte dem Stadtrat von 1964 bis 1984 an. In dieser Zeit war er auch 15 Jahre lang Vorsitzender des Stadtsportverbandes.

Besonders in Erinnerung geblieben ist in der Stadt aber vor allem Friedrich Wilhelms Initiative für die Wiedereinführung des Volksfestes Gertrüdchen, das 1973 mit der Sammlung von 3 000 Unterschriften dazu führte, dass fünf Jahre später tatsächlich erstmals wieder gefeiert werden konnte.

Den Geburtstag selbst feiern die zwei Brüder in Bühl. Am Freitag, 1. Juli, sind beide dann aber in Neuenrade, um dort mit den Freunden und der Familie im Sauerland erneut zu feiern.

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