Zum Kühlen gabs Eis vom Schlachthof

Älteste Schmückstelle beim Schützenfest Neuenrade

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Friedrich-Wilhelm Kohlhage hat natürlich jede Menge Erinnerungen an die Zeiten mit der Schmückstelle.

Neuenrade - Die Schützen werden in diesem Jahr auf ihre Schmückstelle Hinter der Stadt verzichten müssen. Der Hauptgrund: Dort stehen nicht mehr genug Schützenbrüder und Schützenschwestern beim nachbarschaftlichen Schmücken zur Verfügung. Friedrich-Wilhelm Kohlhage bedauert das sehr. Über zwei Jahrzehnte hat „KoCo“ an der Spitze der Schützengesellschaft gestanden. Seine Garagen hatten sich als Schmückstelle bestens bewährt. Was ihm und den verbliebenen Nachbarn bleibt, ist die Erinnerung an eine Zeit, als seine Nachbarschaft den Zusammenhalt zeigte und das Schmücken eine unübersehbare Vorfreude auf das Schützenfest war.

„KoCo“ hat in Neuenrade – besonders in seiner Wohngegend – das Schützenwesen maßgeblich mit gestaltet. 1956 hatte er die beste Zehn geschossen und wurde König der Neuenrader Schützen. Im darauffolgenden Jahr stellte er sein Grundstück Hinter der Stadt zur Verfügung, das Kränzebinden und Schmücken wurde zum Ereignis.

Kohlhage erinnert sich: „Damals wurde das Grün noch mit Pferd und Wagen aus dem Wald geholt. Bewährter Fuhrmann war einst Josef (Blücher) Rüßmann. Auf dem Hinweg beförderte das Fuhrwerk für die fleißigen Helfer Bier und Schnaps.“ Mit dem ihm eigenen trockenen Humor hat „KoCo“ auch in Erinnerung, „dass der Wagen auf dem Rückweg nicht nur mit Grün beladen war, sondern auch mit dem einen oder anderen Schützenbruder, die offensichtlich etwas zu viel geladen hatten“.

Über die früheren Schmückstellen weiß der langjährige Schützenoberst zu erzählen, dass „da früher noch keine Bierwagen und Kühltruhen standen, um das Bier zu temperieren. Zum Kühlen der Getränke wurde Eis aus dem Schlachthof in Lüdenscheid geholt“. Schmunzelnd fügt er hinzu, dass „keinem Schützenbruder der Aufwand zu groß oder der Transport zu schwierig war.“ Wer feiern kann, kann auch trinken.

Hauptsächlich die Frauen kümmerten sich um das Schmücken, natürlich im Kittel.

Wie auch bei den anderen Schmückstellen, waren es Frauen aus der Nachbarschaft, die Pfosten mit Grün umwickelten und der Ehrenpforte das richtige Aussehen gaben. Kohlhage kann sich erinnern, in seiner Nachbarschaft schmückten beispielsweise Lene Lengelsen, Liesbeth Stoppel, und Marie Zündorf.

Und mit breitem Grinsen erzählt „KoCo“ davon, dass die Wände im Betrieb Kohlhage nach dem Wickeln gereinigt wurden. Dabei sei es üblich gewesen, die Akteurinnen sofort zu wiegen. Allerdings wisse er bis heute nicht genau, „was das mit dem Wiegen konkret auf sich hatte“. Das Umwickeln der Pfosten fand einst auf den Holzblöcken der nahe liegenden Zimmerei Lengelsen statt und nach getaner Arbeit wurden Tische und Bänke zum gemütlichen Nachbarschaftstreff zusammen gestellt. Meistens kam dann Helmuth Riecke hinzu und begleitete seinen Gesang selbst auf seiner Gitarre.

Zu fortgeschrittener Stunde sei es auch vorgekommen, dass der Rest des Stangeneises als Kegelersatz genutzt wurde. „KoCo“ bedauert, dass jetzt – im 60. Jahr – die wohl älteste Schmückstelle aufgegeben muss, weil alte Nachbarn nicht mehr lebten oder für solch eine Feier einfach zu alt seien.

Aber auch dies ist vom Oberst a. D. zu hören: „Die Jugend zieht es zu den großen Stationen, wie zum Beispiel zum König. Dort wird heute im großen Stil – und damit in anderer Weise – die Tradition weiter gepflegt.“ Weiter weiß Kohlhage: „Und es kommen neue Schmückstellen hinzu, auch wenn da seltener Tannengrün gewickelt wird. Aber dafür flattern Wimpelketten.“

Er betont: „Wir, die Schützenbrüder und -schwestern Hinter der Stadt, wünschen sehr, dass die Tradition weiter fortlebt, weil es eine ideale Gelegenheit ist, neue Nachbarn kennenzulernen.“

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