950 Jahre Küntrop

„Richtige Weichen gestellt“

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Als Magister gekleidet leitete Dominic Troilo die Versteigerung einer Kopie der entscheidenden Urkunde von 1068.

Neuenrade - Die älteste verbindlich nachgewiesene urkundliche Erwähnung Küntrops stammt aus dem Jahr 1068. Deshalb wird das 950-Jährige des Neuenrader Stadtteils bereits das gesamte Jahr gefeiert, so auch am Samstag beim 6. Kartoffelfest in und um die Schützenhalle. Im Zentrum der Reden beim offiziellen Festakt stand aber ein Datum, welches gerade einmal 50 Jahre zurückliegt.

„Im April 1968 fand der Zusammenschluss von Neuenrade und Küntrop statt“, erinnerte Bürgermeister Antonius Wiesemann. „Die Entscheidungsträger damals haben die richtigen Weichen gestellt“, befand er. „Doch trotzdem behielt Küntrop ein Eigenleben und ist kein gesichtsloser Vorort Neuenrades geworden.“

Pastor Dieter Kuhlo-Schöneberg griff den Gedanken auf und stellte fest: „Neuenrade und Küntrop – das war über Jahrhunderte keine glückliche Zusammenarbeit. 1968 aber ist etwas Großartiges passiert, als man entschieden hat, den Weg gemeinsam zu gehen.“ Der Geistliche betonte: „Von diesem Für- und Miteinander profitieren wir alle.“

Beim sechsten Kartoffelfest wurde mit dem Erdapfel auch künstlerisch umgegangen.

Martin Stracke, Bruder des Ortsvorstehers Ludger Stracke, hat eine Küntrop-Chronik mit mehr als 100 Fotos verfasst, die auf dem Kartoffelfest zu einem Preis von 12 Euro verkauft wurde. Der Autor räumte ein: „In der Tat hatte Neuenrade 1968 die Gefahr, an Werdohl angehängt zu werden.“ Und so kam es wohl zur Einigung mit Küntrop.

Weitere 900 Jahre zuvor war Küntrop aus heutiger Sicht scheinbar erstmals auf einem Schriftstück erwähnt worden. Eine Kopie dieser Urkunde wurde bei dem Festakt von Dominik Troilo versteigert. Der Preistreiber für den guten Zweck spornte die Bieter an: „Das Geld wird in diesem Dorf bleiben und für wunderschöne Projekte verwendet.“ Troilo trug während der Versteigerung ein typisches Rennaissance-Gewand. Ex-Heimatvereins-Vorsitzender Dr. Rolf Dieter Kohl bemerkte: „Das war die Kleidung eines Magisters, eines Gelehrten, der Latein sprach.“

Am Abend feierten die Küntroper und ihre Gäste in der Schützenhalle mit der Band Timeless Dream

Die Familie Stracke trat dann wieder in Erscheinung: Nach dem Ortsvorsteher und dem Chronik-Autor war es nun deren Vater Klemens Stracke, der den Zuschlag von Troilo erhielt und die Urkunden-Kopie für 200 Euro ersteigerte.

Beim Kartoffelfest gab es vor der Schützenhalle danach allerlei Leckereien, die aus den Erdäpfeln zubereitet waren. Um die Motte herum fand derweil ein Mittelaltermarkt statt, über welchen die Besucher schlenderten.

Kartoffelfest mit Mittelaltermarkt

Am Abend lockte ein Konzert mit zwei Bands in die Schützenhalle. Nachdem einige Soundprobleme geklärt waren, stiegen Timeless Dream auf die Bühne. Die Gruppe mit Mitgliedern aus Neuenrade, Iserlohn, Hagen, Dortmund und Witten spielte Hits wie „Black Magic Woman“ (Santana) und „Sultans of Swing“ (Dire Straits) in der zu diesem Zeitpunkt nur mäßig besuchten Halle.

Die Lokalmatadore der Entspannungsminister rockten in der Schützenhalle.

Es folgten die Lokalmatadore Entspannungsminister. Die Cover-Band, welche im kommenden Jahr ihr 20-jähriges Bestehen feiert, stieg gleich voll ein mit einer leicht abgewandelten Version eines Marius-Müller-Westernhagen-Gasssenhauers („Mit 18 rannt’ ich in Küntrop ‘rum“). Es folgten aber auch Reißer wie „The Joker“ von der Steve Miller Band.

Sänger Maik Wiesegart war in Höchstform. Zu seiner Performance passte die extravagante Kuhfell-Hose ganz vorzüglich. Die Fans waren begeistert und die Küntroper Schützenhalle füllte sich zusehends.

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