Energieprojekt in Tansania zum Erfolg geführt

NEUENRADE ▪ „Christ sein - auch wenn es drauf ankommt“, sagt Walter Goseberg. Das ist für den Neuenrader keine Floskel. Als es drauf ankam handelte er und engagierte sich über Jahre hinweg für die Gemeinde Mbesa im fernen Tansania.

Fern ist relativ: Mbesa ist eigentlich gar nicht so weit entfernt. Die Reisezeit beträgt zwölf Stunden – wenn man das Flugzeug nimmt. Und obwohl Mbesa doch nur einen halben Tag von Europa entfernt liegt, ist es eine ganz andere Welt. Zumindest für europäische Maßstäbe. Das Örtchen mit seinen 7000 Einwohnern liegt mitten im Afrikanischen Busch. Relativ zügig erreichbar ist das Örtchen nur via Geländewagen oder Kleinflugzeug. Bitterarm sind die Menschen in diesem afrikanischen Land, verdienen ein bis zwei Euro am Tag, arbeiten meist als Tagelöhner. Es gibt kein soziales Netz wie wir es kennen, wer krank wird, hat nicht unbedingt gute Karten.

Dass gerade in Mbesa nun eine halbwegs vernünftige Energie-Infrastruktur installiert wurde, dass es dort rund um die Uhr zumindest für das Krankenhaus bezahlbaren Strom gibt, dazu haben der Neuenrader Walter Goseberg und der Dahler Martin Kaemper ihr Scherflein beigetragen. Das Fundament für diese Leistung bilden dabei der christliche Glaube und das Gottvertrauen, die gestalterische Kraft von Ingenieuren und Technikern. Nicht zu vergessen: Die Rückendeckung durch Ehefrauen. Auch das christliche Netzwerk aus dem Sauerland hat sich bei dem Projekt als äußerst hilfreich erwiesen.

Dass Goseberg weit über 70 Jahre alt ist, das war kein Hindernis sondern ein Gewinn. Denn ohne seine beruflich-organisatorische Erfahrung als ehemaliger Leiter eines Fernsehentwicklungslabors wäre das Projekt kaum möglich gewesen. Äußerst hilfreich auch: Martin Kaemper, der von Beruf Kraftwerkstechniker ist – auch er ist lange schon Rentner.

Dem Krankenhaus eine ordentliche Energieversorgung kostengünstig und für afrikanischen Verhältnisse machbar zu sichern: Das dauerte seine sieben Jahre. Jetzt wurde das Projekt zu einem Abschluss gebracht.

Welche Dimensionen das Energieprojekt dabei hat, verdeutlichen einige Zahlen: 30 Tonnen Material wurden im Laufe von sechs Jahren nach Mbesa geschafft. „Allein die Transportkosten haben gut 60 000 Euro verschlungen“, erläuterte Goseberg. Es hat sich gelohnt: Das Krankenhaus in Mbesa mit 130 Betten und einem Einzugsgebiet von 200 (!) Kilometern hat dank Goseberg und Kaemper nun rund um die Uhr Strom, bietet nun eine sehr große Versorgungssicherheit. Und jeden Tag spart die Station 90 Liter Diesel, welche noch vor ein paar Jahren mit einem alten Deutz-Generator verbraucht wurden. Bei den aktuellen Spritpreisen, bei den horrenden Transportkosten, müsste das Krankenhaus heute einen gewaltigen Teil des Budgets dafür ausgeben. Das Geld wird nun gespart.

Die Energiestation – ein robustes, langlebiges Konstrukt aus Solarmodulen, Dieselgenerator, leistungsfähigen und gekühlten Batterien und geschicktem Strom-Management – ist auf tansanische Verhältnisse zugeschnitten. Und damit ist die Anlage auch weitestgehend allein von den Afrikanern zu managen. Somit wird also auch dem Prinzip Hilfe zur Selbsthilfe Rechnung getragen. Um die Theorie auf den Punkt zu bringen: In Mbesa können nun Kaiserschnitte und Notoperationen durchgeführt werden. Niemand muss dort sterben, weil während der Operation der Strom plötzlich ausfällt.

Wie alles anfing: Die Gosebergs wollten ihre Enkelin abholen, die in Mbesa an einer dortigen Missionsschule „ein Jahr für Gott leistete“. Als die Gosebergs dort eintrafen, staunten sie nicht schlecht über diesen Ort. Immerhin hatte die christliche Mission seit den 50er Jahren in diesem moslemisch geprägten Teil Tansanias Einiges aufgebaut. Unter anderem eine Handwerkerschule, eine Mädchenschule, eine deutsche Schule, ein Waisenhaus mit 40 Kindern und nicht zuletzt das Krankenhaus. Dieser Komplex bildet in dem bitterarmen Land ein gutes Gerüst, um den Menschen dort zu helfen, damit sie aus eigener Kraft und auf lange Sicht eine moderne Gesellschaft aufbauen können.

Doch Ingenieur Goseberg bekam beim Rundgang und nach vielen Fragen das Grausen. Er erfuhr, dass eine todkranke Patientin wegen Strommangels nicht operiert werden könne und vielleicht sterbe. Ein Motiv für Goseberg zu handeln.

Wieder zuhause in Neuenrade, rechnete der Ingenieur, er entwickelte ein Konzept und es kamen dabei die Zweifel. Doch mit Gottes Hilfe überwand er sie. Er kniete betend auf den Wohnzimmerfliesen in Neuenrade und bekam seine Antwort. Sie gab ihm die Kraft, das für eine Person gewaltige Projekt in Angriff zu nehmen. So wurde Goseberg aktiv und Mitstreiter Kaemper kam mit ins Boot.

Von zuhause aus leistete er die organisatorische Arbeit, telefonierte, nutzte auch christliche Netzwerke, überzeugte und motivierte, rechnete, baute sogar kleine Modelle. Und er bekam Sponsorenzusagen, auch die kleine Evingser Firma Schmale sowie die Firma Ossenberg-Schule in Dahle lieferten ihr Scherflein. Und auch einige Neuenrader Firmen leisteten ihren Beitrag. Walter Goseberg montierte natürlich auch in Tansania. Immer wieder hielt er sich in Mbesa auf, baute gemeinsam mit den Afrikanern das Gerüst für die Solarmodule, brachte sein Wissen ein, optimierte im Laufe der Zeit die Anlage immer weiter.

Das Energieprojekt funktioniert, es hilft und rettet Leben. Für Walter Goseberg ist das auch eine gewisse Wiedergutmachung. Als Europäer habe man nach der Kolonialzeit auch eine gewisse Verantwortung zu tragen. Auch dafür sei das Projekt ein Beitrag. ▪ Peter von der Beck

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