Enorme Zeitersparnis für Busfahr-Schüler zum Burggymnasium

Eltern fordern: Kohlberg-Strecke beibehalten

Schaffung der Kohlberglinie löst Probleme
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Die stellvertretende Schulpflegschaftsvorsitzende Frauke Lötters bedankt sich im Namen der Eltern für den Einsatz von MVG und NWL für die Schaffung der Kohlberglinie.

Seit mittlerweile gut eineinhalb Wochen gibt es eine Busverbindung der Märkischen Verkehrsgesellschaft (MVG) über den Kohlberg, die die Busfahr-Schüler des Altenaer Burggymnasiums aus Neuenrade direkt zur Schule in der Nachbarstadt bringt. Aus einer Notsituation als Übergangslösung geboren, wünschen sich Schüler, Eltern und Schulverantwortliche mittlerweile, dass daraus ein dauerhaftes Angebot wird.

Neuenrade - Denn die Nutzung der Kohlbergstrecke zeigt in drastischer Weise auf, welche Zeitersparnis und welches geringere Stresslevel diese Alternative bringt. 35 Minuten, eher weniger, benötigen die Neuenrader Schüler jetzt aus der Hönnestadt zum Burggymnasium (BGA). Vorher mussten sie wegen der seit dem Unwetter Mitte Juli gesperrten Bahnlinie und Bundesstraße 236 sowie der Sanierung der Dahler Straße den gewaltigen Umweg über Werdohl, das Versetal und Lüdenscheid nach Altena nehmen. Bis zu eineinhalb Stunden waren die Neuenrader Schüler unterwegs – für eine Strecke.

Kein Wunder, dass die 140 Neuenrader Busfahr-Schüler und deren Eltern gerne die kurze Strecke über den Kohlberg beibehalten wollen – auch nach der Reparatur der Bahnstrecke. Statt morgens die Serpentinen hinunter nach Werdohl zu fahren, um dann umzusteigen und per Zug durchs Lennetal nach Altena zu fahren, könnten die Schüler einfach die kurze Strecke über den Kohlberg, dann durch Dahle und die Nette zu Schule per Linienbus fahren.

Kohlbergstrecke: Abstimmung zwischen MVG und MK nötig

Eine Forderung, die schon seit Jahren seitens der Neuenrader und Altenaer, aber auch seitens BGA-Schulleiter Hans-Ulrich Holtkemper an die Verantwortlichen weitergeleitet wird. Die Strecke müsse ins Nahverkehrskonzept, das alle fünf Jahre neu aufgelegt wird, mit aufgenommen werden. Bislang ohne Erfolg: Aus Kostengründen wurde das Ansinnen seitens der MVG immer abgelehnt. Nun steigt der politische Druck auf den Märkischen Kreis, der letztlich „Aufgabenträger“, sprich Auftraggeber ist. Das erklärte auf Anfrage MVG-Sprecher Jochen Sulies: „Wir können nicht einfach sagen: ,Wir fahren das.’“ Er verwies auf nötige Abstimmungsprozesse zwischen Kreis und MVG.

Dass vor allem die kurzfristige Lösung über den Kohlberg in dieser besonderen Situation möglich gemacht wurde, weiß zumindest die Vertretung der Elternschaft zu würdigen. Frauke Lötters, stellvertretende AEG-Schulpflegschaftsvorsitzende, sagt: „Die Neuenrader Schüler sowie deren Eltern bedanken sich bei der MVG und dem Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL), dass die Busverbindung über den Kohlberg möglich gemacht wurde.“ Die Zeitersparnis sei enorm. Auch die Schulleitung des Burggymnasiums, die Städte Altena und Neuenrade sowie der Märkische Kreis hätten sich sehr für die Realisierung der Strecke stark gemacht.

Die Schüler starten jetzt morgens um 7 Uhr ab Neuenrader Bahnhof mit zwei Bussen auf direktem Wege nach Altena, wo sie „nach nur einer halben Stunde Fahrt“ den Bahnhof Altena erreichen. Dank des Einsatzes von Stefan Hegerich von der MVG und Janne Torben Brokopf vom NWL wurde in den vergangenen Tagen noch einmal nachjustiert, Jetzt stehen mittags nach der 6., 8., 9. und 10. Stunde ebenfalls Busse für den kurzen Rückweg über den Kohlberg am Altenaer Bahnhof bereit. Nur in Werdohl hat man das Nachsehen: „Die Werdohler Schüler müssen leider weiterhin den Schienenersatzverkehr über das Versetal in Kauf nehmen. Eine Ausweichstrecke gibt es hier nicht“, sagt Lötters.

Mindestens seit 2015 ist die Strecke via Kohlberg Thema: Die Bürgermeister beider Städte, damals noch Andreas Hollstein sowie Antonius Wiesemann (beide CDU), bemühten sich intensiv um die Einrichtung der Strecke. Mehrere Gespräche mit der MVG wurden geführt, auch damals war schon die Schulpflegschaft beteiligt. Auch die Waldorfschule wurde ins Spiel gebracht. Erläutert wurden die veränderte Schullandschaft und die intensive Kooperation der Hönnequell-Schule mit dem Burggymnasium. Ähnliche Gespräche wurden 2016 und in den Folgejahren geführt – bei gleichzeitig kontinuierlich steigenden Schülerzahlen aus Neuenrade am BGA.

Bei der Strecke über den Kohlberg geht es aber nicht nur um Schüler, auch viele Pendler zwischen Dahle und Neuenrade könnten die Buslinie nutzen. Der Kreistag jedenfalls verabschiedete damals den Nahverkehrsplan, ohne die Belange der Städte Altena und Neuenrade zu berücksichtigen.

Inzwischen gibt es aber Signale bei der MVG – die durchaus in Absprache mit dem Aufgabenträger den Nahverkehrsplan ändern kann –, dass man hier ein Einsehen haben könnte. Die Fakten wie Verkehrsweg, die deutlich kürzere Reisezeit und die Zahl der Schüler, sprechen jedenfalls für die Beibehaltung der Kohlberglinie.

Zeitersparnis in ganz anderer Hinsicht ist nicht der einzige Aspekt, den die Eltern in die Waagschale werfen. Um ohne Unwetter-Auswirkungen den in Altena um kurz nach 13 Uhr abfahrenden Zug noch zu erwischen, müssten Fahr-Schüler wohl eher aus dem Unterricht entlassen werden. Ansonsten droht wieder eine unverhältnismäßig hohe Wartezeit. Auch auf der Hinfahrt kostet die Bustour viel Zeit: Der Bus ist vom Bahnhof in Neuenrade bis zum Bahnhof in Werdohl 24 Minuten unterwegs, wenn es gut läuft. Die Weiterfahrt mit dem Zug ist um 7.10 Uhr. Dann sind die Schüler ab Bahnhof Neuenrade bereits 35 Minuten unterwegs. In dieser Zeit wären sie via Kohlberg schon in Altena.

Und überhaupt: Maximilian, der in Neuenrade wohnt und in Altena zur Schule geht, findet die Abkürzung über den Kohlberg gut. Er kann „mindestens eine halbe Stunde länger schlafen“. Nicht nur er, sondern auch seine Mutter, Katharina Schneider befürwortet daher die Beibehaltung der Kohlberg-Linie.

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