Drahtwerke investieren massiv

Elisental geht großes Joint Venture in Spanien ein

Autofedern aus Aluminium – das ist eines der neuen Projekte beim Drahtwerk Elisental.

Neuenrade -  Es ist ein Coup: Die Verantwortlichen der Drahtwerke Elisental investieren massiv in Spanien. Gemeinsam mit ihrem spanischen Partner aber auch mit Hilfe des spanischen Staates sind sie dort ein Joint Venture (z. dt. Gemeinschaftsunternehmen) eingegangen, haben in Asturien ein Werk eingerichtet, in dem Vormaterial (Gießwalzdraht) für Aluminiumdraht produziert wird.

Von Peter von der Beck

Somit sind die Neuenrader nicht mehr erpressbar, erhalten gar besseres Material, sind viel unabhängiger von Vormateriallieferanten (von denen es ohnehin wenige gibt) und stärken gleichzeitig ihre Position. Esal Rod Alloys nennt sich das Unternehmen.

Dafür wurde viel Geld in die Hand genommen. Theo Wingen, Geschäftsführer der Drahtwerke Elisental, verweist darauf, dass 13 Millionen Euro investiert werden. Und sein Stellvertreter, Daniel Wingen, erläutert, dass es sich dabei um ein Vielfaches von dem handele, das man sonst jährlich in den Neuenrader Betrieb stecke. Normalerweise bewege sich der Investitionsrahmen zwischen 500 000 und 1 Million Euro jährlich.

Geschäftsführer Theo Wingen und sein Stellvertreter Daniel Wingen präsentieren hier anhand einer Computerpräsentation die Produktionsanlage des Joint Venture mit dem spanischen Partner Aleastur.

Da sind 13 Millionen Euro schon ein gewaltiges Volumen. Die Investitionssumme verteilt sich aber auf mehrere Schultern. Denn es gibt ja noch den gleichberechtigten Partner, das spanische, inhabergeführte Unternehmen Aleastur. Auch ist der spanische Staat mit Subventionen dabei. Das neue Werk steht in Nordspanien, hat Hafenanschluss, ist nur einen guten Steinwurf vom Atlantik entfernt. Ende November/Anfang Dezember soll die Produktion mit einer Anlage des norditalienischen Spezialmaschinenbauers Properzi starten. 15 000 Tonnen Aluminium-Gießwalzdraht sollen dort jährlich hergestellt werden, volle Auslastung ist für 2015 avisiert. Klare Sache, dass dort auch etliche Arbeitsplätze geschaffen werden. Zig Bewerbungen kamen, kaum dass die Nachricht in Spanien die Runde machte. Daniel Wingen: „Dort herrscht eine Jugendarbeitslosigkeit von 50 Prozent“. Auf eine Stelle seien 100 Bewerbungen gekommen. 13 Arbeitsplätze sind es bis jetzt, unter dem Strich werden es später 40 Arbeitsstellen.

Die Geschäftsführung von Esal Rod Alloys besteht aus den beiden Partnern, auch der spanische Staat ist zunächst mit im Boot. Das Konstrukt: Die Geschäftsführung in Spanien wird von Aleastur gestellt. Begleitet wird sie von einem paritätisch besetzten Beirat. In Neuenrade ist Daniel Wingen für die kaufmännischen Belange des Joint Ventures zuständig, in Spanien ist es der Junior des dortigen Inhabers. Peter Baumgart betreut von Neuenrade aus die technische Seite des Projektes.

Zu dem Joint Venture sah man sich bei den Drahtwerken Elisental auch fast genötigt, weil es einen enormen Bedarf seitens der Autoindustrie an speziellen Aluminiumdrähten gibt und man bei den bisherigen Lieferanten eher zögerlich auf Anfragen zur Produktionsausweitung reagierte. Wurden 2010 im Automobilsektor noch 40 000 Tonnen der Legierungsdrähte gefertigt, so werden es 2015 wohl 50000 Tonnen sein.

Der spezielle Elisentalsche Alu-Legierung-Draht könne gut verformt werden und weise auch die nötige Festigkeit für die Ansprüche der Automobilindustrie auf, heißt es aus dem Drahtwerk.

Einblick in die Produktion.

Und am langen Ende werde bei den produzierten Fahrzeugen durch den Einsatz des Aluminiums Gewicht gespart, was beim einzelnen Fahrzeug zwar buchstäblich beim Spritsparen nicht gravierend ins Gewicht falle, sich aber bei den Flotten, in welchen die Autokonzerne rechnen würden, sehr wohl bemerkbar mache, hinzu käme eine günstigere CO2-Bilanz, erläuterte Daniel Wingen die Vorteile dieses Werkstoffes. Mit dem Joint Venture werden die Drahtwerke Elisental auch in der Lage sein, Drähte in größeren Abmessungen herzustellen. So gibt es im Hause nun ein Projekt für Draht, mit dem man Autofedern aus Aluminium herstellen kann.

Aktuell werden aus den Elisental-Produkten vor allem Verbindungselemente hergestellt, der Draht findet Anwendung bei der Kaltfließpressumformung, sowie Verwendung in Metallgeweben und beim Schweißen. Etwa die Hälfte der Elisentalschen Produkte findet in der einen oder anderen Form in der Automobilindustrie Anwendung. Doch auch bei der Airbus-Verkabelung ist viel Elisental drin. Bleibt noch zu erwähnen, dass gut zehn Prozent der Produktion als Teebeutelklammern Verwendung findet. Die größten Abnehmer sitzen in Dubai und Russland.

Die Drahtwerk Elisental W. Erdmann GmbH & Co hat rund 140 Beschäftigte, davon sind 13 Auszubildende. Gegründet wurde es 1919, der aktuelle Jahresumsatz liegt bei weit über 30 Millionen Euro.

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