Festkonzert in Kevelaer

Beeindruckendes Treffen mit dem Bundespräsidenten

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Elisabeth Kynast mit der Einladung des Bundespräsidenten vor einer Ansicht ihres Heimatortes in Schlesien.

Küntrop - Ein Wort mit dem Bundespräsidenten wechseln – diese Gelegenheit haben nicht viele Menschen. Elisabeth Kynast hatte diese Ehre. Zum Staatsoberhaupt hat sie eine besondere Verbindung.

Dem festlichen Konzert in der Basilika St. Marien in Kevelaer wohnten am vergangenen Samstag nicht nur zahlreiche geladene Gäste bei, sondern eben auch der Bundespräsident bei. Mit ihm saßen viele Menschen in der Kirche, die sich im besonderen Maße ehrenamtlich engagieren.

Unter ihnen war Elisabeth Kynast. Seit 45 Jahren lebt sie in Küntrop, stammt aber aus Bad Kudowa in der damaligen Grafschaft Glatz in Niederschlesien. Kynast gehörte mit ihrer Familie zu den Millionen Menschen, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus ihrer Heimat im heutigen Polen vertrieben wurden.

Das verbindet sie auch mit dem Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier: Dessen Mutter ist ebenfalls eine heimatvertriebene Schlesierin. Für Elisabeth Kynast war das der Grund dafür, sich beim Empfang im Anschluss an das festliche Konzert direkt an das deutsche Staatsoberhaupt zu wenden, wie sie erklärt: „Ich wollte ihm eine Erinnerung aus der Heimat seiner Mutter überreichen.“

Ein Brief und Marzipan aus Breslau

Neben Marzipan aus Breslau hatte Elisabeth Kynast ein Schreiben an das Staatsoberhaupt dabei. Darin schilderte sie ihre Sicht auf das Schicksal der Menschen aus Schlesien. Mit vielen polnischen Studenten habe sie sich unterhalten und die meisten sähen ein, dass den Vertriebenen großes Leid angetan wurde, schreibt Kynast in ihrem Brief.

Den Polen tue man Unrecht, so Kynast weiter, wenn man sie für ihre ablehnende Haltung gegenüber der Aufnahme weiterer Flüchtlinge verurteile. Außerdem schilderte sie die Geschichte eines früheren Pfarrers in ihrer Heimatstadt, der sich gegen den Nationalsozialismus gestellt hatte und dafür im Konzentrationslager Dachau starb.

Frank-Walter Steinmeier, der seit März das höchste Staatsamt bekleidet, habe sie zwar schon vor diesem Tag verehrt – vor allem als Mensch abseits der Politik, wie sie betont – das Treffen habe sie aber besonders beeindruckt. Vor allem überrascht sei sie gewesen, als die Einladung sie erreichte. „Ich weiß gar nicht so genau, warum man mich eingeladen hat.“

Engagement für die deutsche Minderheit

Dabei engagiert sich Kynast schon seit vielen Jahren für die Erinnerung an ihre alte Heimat. So betreut sie die deutsche Minderheit in Schlesien, organisiert Wallfahrten dorthin, spricht mit polnischen Studenten, verantwortet eine dreisprachige Zeitschrift. „Wir sind mittlerweile Freunde geworden mit denen, die heute in unseren Häusern leben“, sagt Elisabeth Kynast.

Daneben engagiert sie sich etwa in der Begleitung von sterbenden Menschen und hat beispielsweise vor zwölf Jahren 20.000 Euro für ein krebskrankes Kind gesammelt, das dank dieser Hilfe die Krankheit überlebt hat. Dafür ist Kynast den Neuenradern noch heute unendlich dankbar, wie sie beteuert.

120 Ehrenamtler haben gemeinsam mit dem Bundespräsidenten am Konzert und dem anschließenden Empfang teilgenommen. Klar, dass das nur ein ganz kleiner Teil derer ist, die sich täglich für andere einsetzen. So sieht es auch Elisabeth Kynast: „Ich tue das ja alles gerne, doch der Dank gebührt nicht nur mir.“

Der weihnachtliche Konzert „Weihnachten mit dem Bundespräsidenten“ wird an Heiligabend ab 18 Uhr im ZDF ausgestrahlt.

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