Winterpause mit Eismesse

Francesco Agnello. - Fotos: von der Beck

neuenrade -   Es wird ungemütlich. Draußen zu sitzen macht nur noch Spaß, wenn ein Heizpilz in der Nähe ist. Kein Zweifel, der Sommer ist vorbei – die Eiscafés machen zu. Auch Nora Rocha-Alfaro de Agnello und Francesco Agnello haben ihr Eiscafé in der Altstadt noch zwei Wochen geöffnet, dann ist Winterpause.

Zum Abschluss der Saison haben sich die beiden Neuenrader aber noch etwas Besonderes einfallen lassen.

Es gibt Angebote und das Eis wird für die Hälfte verkauft. Haben die beiden diese Aktion früher nur eine Woche während der Herbstferien laufen lassen, so haben sie das nun ausgedehnt, um ihren Stammkunden, die eine Woche in den Ferien Urlaub machen, auch die Möglichkeit zu geben, von der Aktion zu profitieren. Die Kundschaft jedenfalls nutzte das Angebot in den vergangenen Jahren gerne. So ließen sich manche etliche Portionen machen, um sie dann zu Hause einzufrieren. „Dann haben die auch im Winter italienisches Eis“, sagt Francesco Agnello und freut sich über die Anhänglichkeit seiner Kunden. Letzter Tag ist dann Sonntag, 3. November, dann geht es in die Winterpause. „Pause“ nach einer anstrengenen neunmonatigen Saison mit 7-Tage-Woche ist dabei nicht ganz korrekt formuliert, denn im Winter hat das Ehepaar reichlich zu tun: Die Aufarbeitung der Saison und schließlich muss auch „die weltgrößte, internationale Messe für das Speiseeisgewerbe“, so heißt es offiziell, in Longarone besucht werden. Dort erfahren Eiscafébesitzer aus aller Welt („sogar aus Japan kommen die“), was es Neues in der Branche gibt und was Leckeres auf den Markt kommen wird. Die Internationale Messe für das Speiseeisgewerbe sei im Laufe der Jahre immer wichtiger und zum qualifizierten Treffpunkt für die Welt von internationalem Speiseeis geworden. Im vergangenen Jahr waren 200 Handelsmarken (Eismaschinen oder Waffeln) aus 17 Ländern dort vertreten, besuchten 25849 Menschen die Messe, wovon 8297 ausländische Fachbesucher aus 48 Ländern waren. Und in diesem Jahr sind eben auch wieder die beiden Neuenrader dabei.

Das Eiscafébesitzerleben ist ein schönes – zumindest will Francesco Agnello mit niemanden tauschen und er ärgert sich, dass er sich nicht viel eher dazu entschlossen hat, in diese Branche zu gehen. Viele Jahre hat er zuvor als Kellner in Restaurants und zuletzt in einem Lüdenscheider Eiscafé gearbeitet. Die Arbeit als Kellner hatte aber auch ihr Gutes, schließlich lernte er bei einem Deutsch-italienischen Fest in Heidelberg seine aus Argentinien stammende Frau Nora kennen.

Wie dem auch sei: Die Familie Agnello hat sich fest in Neuenrade etabliert, hat in der Altstadt das Haus gekauft und im Erdgeschoss die Eisdiele eingerichtet. 2015 feiert die Familie Zehnjähriges. Francesco Agnello betont: „Wir sind Neuenrader und Italien ist für uns ein Urlaubsland“. Fest verbunden ist man mit Deutschland. Francescos Vater hat 33 Jahre bei der Deutschen Bahn gearbeitet, ging dann nach Italien zurück. Das werden Nora Rocha-Alfaro de Agnello und Francesco Agnello wohl nicht tun. „Unsere Heimat ist hier“, sagt Francesco. Er ist Gastronomie-Experte, hat fünf Jahre an einer Fachhochschule in Italien studiert, in Sachen Gastronomie kann ihm so schnell niemand etwas vormachen. Indes – für sein Eiscafé braucht es regelmäßige Weiterbildung. Etliche Seminare hat er für diesen Beruf besucht und weiß genau, was es braucht, um dieses Handwerk zu beherrschen. So muss beispielsweise die Zuckermenge exakt portioniert werden, damit das Eis entsprechend schmeckt und innerhalb eines Temperaturspektrums seine besondere Viskosität erhält und behält.

Experimentierfreudig ist man im Hause Agnello im übrigen auch. So wird es zu Halloween ein spezielles Eis mit Kürbis geben. Italienisches Speiseeis, das ist eine Welt für sich. Francesco erzählt von prestigeträchtigen Europameisterschaften. Und auch er sitzt in einer Jury. Er wird im Frühjahr bei einer Messe in Stuttgart Eis-Kreationen bewerten.

Doch ein Eiscafé bedeutet nicht nur Eis. „Viele wissen nicht, dass wir auch 37 Sorten Tee haben und auch frische Waffeln machen“. -

von Peter von der Beck

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