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15 Einfamilienhäuser zum Mieten: Woge plant Großprojekt

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Von: Peter von der Beck

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Am Brunnenbach 9 bis 15: Diese Häuser werden – wenn die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen es zulassen – abgerissen. Dafür sollen hier dann 15 neue Miet-Reihenhäuschen entstehen.
Am Brunnenbach 9 bis 15: Diese Häuser werden – wenn die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen es zulassen – abgerissen. Dafür sollen hier dann 15 neue Miet-Reihenhäuschen entstehen. © Peter von der Beck

Die Wohnungsbaugesellschaft Werdohl (Woge) will die bestehenden alten Mietshäuser in Neuenrade Am Brunnenbach 9 bis 15 abreißen und dafür dort 15 Einfamilienhäuser mit einer Wohnfläche von jeweils 100 bis 120 Quadratmetern errichten.

Neuenrade – Das Besondere: Die Häuser sollen vermietet werden. Zielgruppe sind die Facharbeiter- oder Handwerkerfamilien mit zwei Kindern. Dabei soll ein gemischtes Klientel angesprochen werden, reine Zuwandererviertel will die Woge vermeiden.

Gesucht werden jedenfalls Menschen mit Wohnberechtigungsschein, aber auch davon freie Mieter. Die Kaltmiete wird aktuell zwischen 5,90 Euro und 6,60 Euro je nach Einkommensgruppe kalkuliert. Woge-Geschäftsführer Ingo Wöste, begleitet von Architekt Melchior Ossenberg-Engels und Landschaftsplaner Ingo Wilmes, präsentierte das Konzept in der Bauausschusssitzung. Unisono wurde das Vorhaben von den Fraktionsvertretern abgesegnet und auf den Weg gebracht.

Derzeit gibt es in den Häusern 22 Mietwohnungen. Den vorhandenen Mietern soll ordentlich gekündigt werden. Dabei werde man natürlich kulant vorgehen, erläuterte der Woge-Chef. Mit dem nebenstehenden Gebäude, das aktuell noch als Asylbewerberunterkunft genutzt werde, habe man dann möglicherweise ein Ausweichquartier für die Mieter, welche in der Gegend bleiben wollten.

Es sollen dort nicht nur die 15 Reihenmietshäuschen gebaut werden, auch um das Drumherum will man sich kümmern. Es wurde baumschonend geplant, den bestehenden Baumbestand möchte die Woge nicht antasten. Wöste: „Wir haben ausdrücklich so geplant, dass jeder Baum erhalten bleibt. Wir wollen ja mit der Natur planen und nicht gegen sie.“

Zudem will man dort weitere Bäume anpflanzen, die mit dem Klimawandel zurechtkommen, insektenfreundlich und vogelfreundlich sind und für eine Verbesserung des Mikroklimas sorgen sollen. Landschaftsplaner Wilmes präsentierte eine Reihe von Gewächsen, die angepflanzt werden könnten. Diese reichte von Feldahorn über Baumhasel, Weißdorn bis hin zu ungarischer Eiche.

Architekt Ossenberg-Engels präsentierte dann die entworfenen Baukörper: Demnach wurde so geplant, dass der Flächenverbrauch so gering wie möglich bleibt. Die Einfamilienhäuser sollen so gebaut werden, dass sie Kriterien für eine öffentliche Förderung entsprechen und folglich mit einem Wohnberechtigungsschein gemietet werden können. Entscheidend ist dabei unter anderem die Größe.

Im Inneren wird es ein Treppenhaus, Kinder- und Elternzimmer geben, eine Wohnküche und einen kleinen Dachboden. Die Räume verteilen sich auf zwei Etagen. Wie die Energieversorgung aussehen könnte, ist noch nicht klar. Wöste sprach von „Nahwärme“. Ein kleines Kraftwerk wird dann sozusagen die Siedlung versorgen. Unterm Strich kein einfaches Unterfangen, 65 Prozent der Energieversorgung muss aus erneuerbaren Energien stammen.

Wie auch immer: Für Wöste ist das ein Projekt, das für die Aufwertung eines ganzen Viertels sorgen könnte. Es sei kein Geheimnis, sagte der Woge-Chef, dass zum Beispiel bei Bewerbungen zumindest früher der Absender Am Brunnenbach Stirnrunzeln verursacht habe. Mit dem neuen Konzept würden die bisherigen Strukturen aufgebrochen und das Viertel insgesamt aufgewertet – auch vom Wohnwert her.

Die zum Abriss bestimmten Häuser seien ohnehin durch ihre Gebäudeerschließung über einen zentralen Flur, an den drei Wohnungen angebunden sind, und das Alter der Gemäuer nicht mehr zeitgemäß. Die Fluktuation bei den Mietern sei recht hoch.

Über das geplante Investitionsvolumen verlor Wöste kein Wort. Hier eine Zahl zu nenen sei angesichts der Rahmenbedingungen in der Baubranche Kaffeesatzleserei. Zu den jetzigen Bedingungen könne man das Projekt nicht realisieren. Er hoffe jedoch auf eine Verbesserung der Rahmenbedingungen – sprich sinkende Baupreise – im kommenden Jahr.

Die Mitglieder des Bauausschusses stimmten am Montag jedenfalls nach kurzen positiven Statements vom Grundsatz her dem Vorhaben der Woge zu. Jetzt muss der Bebauungsplan geändert werden, anschließend geht es dann um die Details des Bauprojektes.

Nachfragen seitens der SPD gab es von Frank Bäcker zum Umgang mit den Mietern und was denn mit dem fehlenden Wohnraum wäre. Sieben Wohnungen sind es im neuen Konzept weniger. Wöste versicherte, dass die Woge fair, auf Augenhöhe mit den Mietern in den Austausch gehen werde, und dass es noch die Option mit dem Gebäude gebe, in dem jetzt das Asylbewerberheim sei.

Uneingeschränkte Zustimmung gab es von der FWG für das Projekt. Heinz Friedriszik sagte: „Super, wir begrüßen das. Das ist eine Aufwertung fürs Umfeld.“ Ruth Orthaus-Echterhage sah das ganze ebenfalls positiv – auch im Hinblick auf die Zielgruppe. FDP-Mann Michael Hammer stieß in dasselbe Horn.

Auch CDU-Fraktionsvize Daniel Wingen lobte das Vorhaben: „Ein sehr unterstützenwertes Konzept. Sozial geförderte Einfamilienhäuser – das ist super“. Und gerade große Wohnungen seien in Neuenrade schwer zu finden. Da gebe es eine große Nachfrage.

SPD-Vertreter Frank Bäcker fragte sogar noch einmal bei Wöste nach, ob er das Konzept noch auf anderen Neuenrader Flächen anbieten könne. Wöste sagte daraufhin: „Vorstellen kann ich mir so einiges.“

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