Eine eigene Fantasiewelt aus Glas erschaffen

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Gemeinsam gestalten die Kinder und Jugendlichen ein Mosaik ihrer Entwürfe. Glaskünstlerin Brigitte Weidlinger-Kaiser (dritte von rechts, hinten) gibt Tipps und hilft, sobald es nötig wird.

NEUENRADE - „Jetzt alle die Schutzbrillen aufsetzen“, sagt Irmhild Hartstein, Leiterin der Kinderkunstwerkstatt. Vier Mädchen ziehen sich ihre etwas überdimensionierten Plexiglasbrillen über ihre Augen, greifen zu ihren Zangen und brechen damit aus großen Glasscherben kleinere Splitter ab. Der Glasbruch ist erster Arbeitsschritt für das aktuelle Kunstprojekt für Kinder in der Kiku.

Zusammen mit Glaskünstlerin Brigitte Weidlinger-Kaiser kleben insgesamt elf Kinder zwischen sechs und 13 Jahren die Bruchstücke auf eine große Platte, fügen sie zu verschiedenen Motiven zusammen. „Die Kinder setzen ihre eigenen Ideen um“, erklärt Irmhild Hartstein. „Unser Motto ist: Eine fantastische Reise durch die Welt, wie sie uns gefällt“, so die Kiku-Leiterin weiter. Die Kinder haben sich für eine Unterwasserwelt entschieden. Auf der Grundplatte lassen sich Schildkröten, Quallen und einige Algenhäuser erkennen, eine Wohnform, die sich die achtjährige Madita Scheffler ausgedacht hat. „Ich habe einfach mal überlegt, wie man unter Wasser leben könnte“, erklärt sie und zeigt eine Zeichnung, die als Vorlage für das Glasmosaik dient.

„Zu Beginn des ersten Tages haben wir uns erstmal alle zusammengesetzt“, erläutert Künstlerin Brigitte Weidlinger-Kaiser. „Die Kinder haben sich Gedanken gemacht, wie sie in einer Fantasiewelt wohnen und leben wollen,“ so Weidlinger-Kaiser weiter. Anschließend brachten die Kinder ihre Ideen in Skizzen auf Papier.

Für die neunjährige Melina Heimski spielt Musik auch in ihrer Fantasie eine wichtige Rolle. Sie hat ein ganz neues Musikinstrument entworfen: „Ursprünglich wollte ich eine Geige machen, habe mich dann aber für etwas Außergewöhnliches entschieden. Die Geige ist an beiden Enden offen, wenn man da hineinpustet und gleichzeitig die Geige spielt, kommt am anderen Ende die Musik eines ganzen Orchesters heraus“, erklärt die Neunjährige ihr Musikinstrument.

Die Fantasieobjekte der Kinder glänzen bereits in schimmernden Farben auf der Platte. Als letzten Arbeitsschritt kleben kleben die Kinder noch bunte Glasscherben auf, um die Zwischenräume zu füllen.

Künstlerin Brigitte Weidlinger-Kaiser, von den Kindern „Biggi gerufen, freut sich über die Begeisterung und den Eifer der Kinder: „Die sind mit so viel Einsatz dabei, das Projekt wächst und gedeiht.“

Die Künstlerin stammt ursprünglich aus Österreich, arbeitete als Sozialarbeiterin in Frauenhäusern. Während dieser Zeit entwickelte sie auch ihre Workshops zur Glaskunst. Während der gemeinsamen Arbeit mit dem Glas sei sie mit den Frauen und Kindern wesentlich leichter ins Gespräch gekommen. „Das war wesentlich persönlicher und angenehmer, als sich an einem Bürotisch zu unterhalten“, berichtet sie aus der Zeit. Vor fünf Jahren zog sie nach Sundern-Langscheid und organisiert seit dem regelmäßig Workshops und Projekte rund um die Glasgestaltung. Ihre drei Ferienkurse in der Kiku sind seit längerem ausgebucht.

Die geschaffenen Glasmosaike werden später in der Innenstadt ausgestellt, sobald die dortigen Umbaumaßnahmen abgeschlossen sind.

Bis dahin können sich alle Kinder der Ferienkurse auf ein gemeinsames Grillfest an der Kiku freuen.

Im Oktober, vorraussichtlich während des zweiten Wochenendes, wird es auch wieder einen gemeinsamen Kursus für Kinder und Erwachsene geben. Genaueres werde noch bekannt gegeben, so Hartstein.

Von Sebastian Berndt

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