Fehlinformation der Staatsanwaltschaft Hagen

Tödlicher Schuss auf Einbrecher: Verfahren gegen Hobby-Jäger läuft noch

Symbolbild Gericht Urteil Justiz

Affeln - Das Verfahren gegen einen 63-jährigen Neuenrader, der Ende April einen Einbrecher in seinem Haus in Affeln getötet hat, ist weiterhin in der Schwebe. 

Aufgrund eines Kommunikationsfehlers innerhalb der Staatsanwaltschaft Hagen war Mittwoch über das Nachrichtenportal Focus Online und weiter über die sozialen Medien eine eklatante Falschmeldung an die Öffentlichkeit gegeben worden. Der Affelner erfuhr von Freunden über die sozialen Medien von der vermeintlichen Zurückweisung der Beschwerde. 

Einbrecher erschossen

Ganz konkret geht es um einen Beschwerde-Antrag, den die Familie des in Affeln getöteten Einbrechers eingelegt hatte. In der Nacht vom 26. auf den 27. April war der 18-Jährige in das Fachwerkhaus eingedrungen. Der junge Mann wurde dabei vom Hausbesitzer erschossen. 

Der Schütze, ein 63-jähriger Pensionär und Hobby-Jäger, war durch Geräusche im Nebenzimmer aufgewacht. Daraufhin nahm er seine Pistole, die neben dem Bett lag, und folgte den Geräuschen. Im angrenzenden Zimmer traf er auf den oder die Täter. „Wahrscheinlich war noch ein zweiter Täter dabei“, so Staatsanwalt Maas, stellvertretender Pressedezernent der Staatsanwaltschaft Hagen. 

Nach eigenen Aussagen sei der Überfallene mit einer Taschenlampe geblendet worden und habe sich angegriffen gefühlt. Daraufhin töte er den Eindringling mit einem Kopfschuss. Die Staatsanwaltschaft Hagen wertete das Verhalten des Schützen vor Monaten als Notwehr und stellte das Verfahren ein. 

Beschwerde eingelegt

Weil die Tat in der Nacht geschah und die Lage unübersichtlich gewesen sei, gelte das Prinzip der Notwehr. So sei der Schütze „nicht dazu verpflichtet gewesen, Risiken bei seiner Verteidigung einzugehen“, erklärte Maas. Dem Jäger sei deshalb nicht vorzuwerfen, dass er auf den Kopf und nicht nur zum Beispiel auf die Beine des Eindringlings angelegt habe. Gegen diese Auffassung der Staatsanwaltschaft hatte die Familie des Getöteten Beschwerde eingelegt. 

Die Überprüfung des Hagener Urteils zur Verfahrenseinstellung liegt zurzeit bei der Generalstaatsanwaltschaft in Hamm. Umso überraschender mutete am Mittwoch die Veröffentlichung von Focus Online an, das Verfahren sei endgültig eingestellt. Der Autor berief sich auf ein aktuelles Gespräch mit dem Hagener Staatsanwalt Bernd Maas. 

Oberstaatsanwalt Tim Engel aus Hamm nahm die versehentlich getätigte falsche Auskunft seines Hagener Kollegen zurück: „Der Beschwerde-Antrag wird noch bearbeitet“. Auch Staatsanwalt Maas bedauerte den Irrtum: „Ich wurde von meiner Behörde falsch informiert.“ Nach Aussagen von Pressedezernent Engel kann erst ab Mitte Januar mit einer Entscheidung gerechnet werden.

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